Medien
Haberl: Viele Menschen haben eine tiefe Sehnsucht nach Glauben
29.01.2026

Viele Menschen haben eine tiefe Sehnsucht nach Glauben. Das sagte der Journalist und Buchautor Tobias Haberl („Unter Heiden“) in einer Talkrunde beim Jahresempfang der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA am 28. Januar in Wetzlar. Es sei ein weit verbreiteter Irrtum, dass es die Hauptaufgabe der Kirche sei, die Welt zu verbessern, erklärte der katholische Journalist bei der Podiumsdiskussion. Selbst Pfarrer und Bischöfe verlören oft aus dem Blick, dass es die Hauptaufgabe der Kirche sei, das Evangelium zu verkündigen.
In seinem weitgehend säkularen Umfeld begegne er vielen Menschen, die gleichgültig oder ablehnend reagierten, wenn man auf Gott zu sprechen komme. Es gebe aber auch viele Menschen, die für den christlichen Glauben offen seien. Die Aufgabe der Kirche sei es, sie anzusprechen.

Geilhufe: Offenheit auch unter Kirchenfernen
Der sächsische Pfarrer Justus Geilhufe (Großschirma bei Freiberg) sagte in der Talkrunde, er treffe im Umfeld seiner Gemeinde in Ostdeutschland viele Menschen, deren Lebenswelt keinerlei Verbindung mehr zur Kirche habe. Auch unter ihnen gebe es aber eine Offenheit für den Glauben. Um sie zu erreichen, müsse die Kirche erkennen, dass Öffentlichkeitsarbeit eine ihrer wichtigsten Aufgaben sei.
Weiter sagte Geilhufe, auch die von Kirchenleitungen veröffentlichten Positionen könnten das Interesse von Menschen wecken, wenn „sie einen Nerv treffen“. Als Beispiel nannte er die neue Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Kautz: Für eine arme, liebevolle Kirche
Der brandenburgische Pfarrer Helmut Kautz (Marienfließ) erklärte dagegen, die Positionspapiere von Kirchenleitungen spielten in seiner Gemeinde keine Rolle. Die Aufgabe der Kirche in dem weithin säkularen Umfeld Ostdeutschlands sei, auch kirchenfernen Menschen glaubwürdig die Liebe Gottes zu zeigen. In vielen Gegenden gebe es aber niemanden mehr, der Menschen das Evangelium verkünden könne.
Weiter sagte der Theologe, die Kirche erinnere ihn an den „reichen Jüngling“ aus dem Neuen Testament (Matthäus 19,16–26), von dem es heißt, er „ging traurig weg, denn er war sehr reich“. Die Kirche in Deutschland sei sehr reich und traurig, weil ihr der Reichtum aus den Händen gleite. Seiner Ansicht nach müsse sie „eine arme Kirche des weiten diakonischen Raumes“ werden.

Kelle: Kirche muss missionarisch werden
Die katholische Publizistin und Buchautorin Birgit Kelle („Muttertier“, „Gendergaga“) forderte, die Kirchen müssten sich wieder missionarisch ausrichten und den Menschen Antworten auf ihre Glaubensfragen geben. Auch in den sozialen Einrichtungen der Kirche wie Kindergärten oder Krankenhäusern müsse der christliche Glaube eine erkennbare Rolle spielen, denn „sonst kann das auch jemand anders machen“.
Außerdem kritisierte die Publizistin, die öffentlichen Positionen der Kirche seien von Mutlosigkeit geprägt. So gäben sie etwa Stellungnahmen zum Thema Klimaneutralität ab, „die niemanden interessieren“, hielten sich aber in großen ethischen Debatten – etwa über den Schutz des Lebens – aus Angst vor Konflikten zurück.
Zur IDEA-Gruppe gehören neben der Nachrichtenagentur der Kongress Christlicher Führungskräfte (KCF) und die Medienagentur zeichensetzen.

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