Samstag • 22. September
Pro und Kontra
04. September 2018

Sollen Muslime Leitungsämter in der CDU übernehmen?

v. l.: Die CDU-Bundestagsabgeordneten Elisabeth Motschmann und Veronika Bellmann. Fotos: www.elisabethmotschmann.de; DBT/von Saldern
v. l.: Die CDU-Bundestagsabgeordneten Elisabeth Motschmann und Veronika Bellmann. Fotos: www.elisabethmotschmann.de; DBT/von Saldern

Wetzlar (idea) – Die Hamburger CDU will die Muslimin Aygül Özkan zur Spitzenkandidatin für die Bürgerschaftswahl 2020 aufstellen. Diese Ankündigung stößt in Teilen der Partei und unter theologisch konservativen Christen auf Kritik. Können Muslime Führungspositionen in einer Partei mit dem ‚C‘ im Namen übernehmen? Dazu äußern sich zwei CDU-Politikerinnen in einem Pro und Kontra für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar).

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Pro: Das christliche Profil wird dadurch nicht infrage gestellt

Die Bundestagsabgeordnete Elisabeth Motschmann (Bremen) hält es für möglich, dass Muslime Leitungsämter in der CDU wahrnehmen. Sie könnten ebenso wie Christen gute Politiker sein. Als Volkspartei, die Politik aus christlicher Verantwortung mache, sei die Union offen für Mitglieder, unabhängig von ihrem Glauben. Motschmann begrüßt die Entscheidung der Hamburger CDU, Aygül Özkan als Spitzenkandidatin zu nominieren: „Kein CDU-Mitglied wird dadurch in seinem christlichen Glauben infrage gestellt und die Programmatik der Partei auch nicht.“ Die ehemalige niedersächsische Sozialministerin sei eine ausgewiesene Expertin für Sozial-, Wirtschafts- und Finanzpolitik. Kurz vor ihrem Amtsantritt 2010 hatte Özkan ein Verbot von Kruzifixen an öffentlichen Schulen gefordert. Dazu schreibt die Protestantin, sie und viele Parteimitglieder seien damals anderer Ansicht gewesen. Unterschiedliche Meinungen seien in einer großen Partei „normal“. „Solange aber ein Bischof und ein Kardinal ihre Kreuze auf dem Tempelberg in Jerusalem abnehmen und das Aufhängen von Kreuzen in öffentlichen Räumen Bayerns problematisieren, ist es schwer, einer Politikerin mit Migrationshintergrund einen Vorwurf zu machen.“ Motschmann bezieht sich damit auf das Verhalten des EKD-Ratsvorsitzenden, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, und des Vorsitzenden der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (beide München), bei einem Jerusalem-Besuch 2016.

Kontra: Islam und Politik auf christlicher Grundlage passen nicht zusammen

Die Gegenmeinung vertritt die sächsische Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann (Freiberg). Nach ihren Worten passt es nicht zusammen, gläubiger Muslim und Mitglied einer Partei zu sein, deren Grundlage das christliche Menschenbild sei. Die Katholikin fragt: „Gilt nicht für Muslime der Islam als die einzig wahre Religion, das heißt allein der Glaube an Allah und die Unterwerfung unter seine im Koran niedergeschriebenen unveränderlichen Offenbarungen, die an seinen gesandten Mohammed ergangen sind? Ist nicht jeder Muslim zum ‚Heiligen Krieg‘ verpflichtet, bis die ganze Welt zum ‚Haus des Islams‘ geworden ist? Richtet sich dieser Glaubenskrieg nicht gegen Ungläubige, Christen und Juden, weil der strafende Allah jeden Nichtmuslim verdammt?“ Gäbe es plausible Antworten auf diese Fragen durch einen aufgeklärten Islam, so Bellmann, „würden sie sich nicht in dieser Absolutheit stellen, und ich könnte meine grundsätzliche Ablehnung von Muslimen in der Union revidieren“. Die Abgeordnete hält eine „Union der Vielfalt“ im Hinblick auf den Islam und seine vielfältigen Ausprägungen deshalb „für eine Idee der Einfalt“. Die Politikerin ist Mitglied des konservativen Berliner Kreises in der Union.

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