Nachruf
Jesus. An wen sonst sollten wir glauben?
07.04.2026

Zum Tod des früheren württembergischen Landesbischofs Prof. Gerhard Maier ein Nachruf des Rektors des Albrecht-Bengel-Hauses, Matthias Deuschle, und dessen Vorsitzenden Andreas Streich
Wir nehmen Abschied von Gerhard Maier. Am Karsamstag ist er im Alter von 88 Jahren verstorben. 22 Jahre hat er am Albrecht-Bengel-Haus gewirkt, zunächst als Studienleiter und von 1980 bis 1995 als Rektor. Von 2001 bis 2005 war er württembergischer Landesbischof. Daneben hat er als Gastprofessor in Basel und Leuven gelehrt. Bei alledem ist er aber vor allem eines geblieben: Seelsorger und Lehrer der Gemeinde.
Er wusste um die Verantwortung für die nächste Generation in Kirche und Gemeinde. Mit großem persönlichen Interesse hat er den Weg der „Bengel“ begleitet und sie für den Dienst zugerüstet. Das hat Spuren hinterlassen, die bleiben. In Klarheit und fröhlichem Vertrauen auf Gottes gute Führung hat er das Haus durch die nicht immer ruhigen Jahre gesteuert.
Gleichzeitig lagen ihm die Gemeinden und Gemeinschaften am Herzen. Sie theologisch zu stärken und im eigenständigen Umgang mit der Bibel zu schulen, ist ein Grundanliegen des Pietismus, dem er ganz praktisch Gestalt verliehen hat. Zahlreiche Kommentare hat er verfasst, unzählige Bibelwochen und Vorträge in Württemberg und darüber hinaus gehalten. So hat er Generationen von Haupt- und Ehrenamtlichen in das Lesen der Bibel und den lebensnahen Umgang mit ihr eingeführt.
Gerhard Maier war von einem tiefen Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Heiligen Schrift getragen. Wissenschaftliche Arbeit und Ehrfurcht vor der Autorität des göttlichen Wortes waren für ihn nie ein Gegensatz. Sein akademischer Weg, der zunächst zur Promotion bei seinem Lehrer Otto Michel führte, wurde abrupt abgeschnitten, als er 1974 das kleine Büchlein „Das Ende der historisch-kritischen Methode“ veröffentlichte und damit die Ablehnung weiter Kreise an den deutschen Fakultäten auf sich zog. Später hat er daraus einen eigenen Ansatz entwickelt: Seine „Biblische Hermeneutik“ ist inzwischen in 16 Auflagen erschienen. Das Reden des lebendigen Gottes durch die heilige Schrift war für ihn immer das Erste. Doch auch die Zeugnisse der frühen Christen, die Geschichte und die kirchliche Kunst hatten für ihn ein bedeutendes Gewicht.
Schon früh übernahm er als Synodaler Verantwortung für die Landeskirche. 1995 wurde er schließlich Prälat in Ulm und 2001 überraschend Landesbischof. Trotz seines klaren theologischen Profils gelang es ihm, Brücken zwischen den unterschiedlichen Richtungen zu schlagen. Auf seine Initiative ging die bemerkenswerte Formulierung von zehn Kernsätzen zurück, die zum Gespräch darüber einladen sollten, woran wir als Landeskirche glauben.
Von seinem theologischen Interesse geprägt war auch der intensive ökumenische Austausch. Dass wir als württembergische Christen in einen weltweiten Horizont eingebunden sind, war ihm selbstverständlich. Er engagierte sich für die Mission, besonders in Brasilien, und sein Austausch mit Gesprächspartnern aus dem internationalen evangelikalen Netzwerk war stets vom gegenseitigen Hören und Lernen geprägt.
„Jesus. An wen sonst sollten wir glauben?“ lautet der Titel seiner letzten Veröffentlichung. Damit ist auf den Punkt gebracht, worum es Gerhard Maier im Positiven wie im Kampf gegen kritische Umdeutungen ging: um den Jesus, der nicht unseren eigenen Vorstellungen entspringt, sondern in dem göttlich inspirierten biblischen Wort zuverlässig bezeugt wird. Sein Tod und seine Auferstehung sind der reale Grund unseres Glaubens. Es ist eine besondere Fügung, dass er nun gerade in den Tagen, an denen wir daran denken, nach Hause gerufen wurde.
Als Bengel-Haus sehen wir mit großer Dankbarkeit auf sein Wirken zurück. Nicht nur wir verlieren einen Lehrer und väterlichen Freund. Sein unverkennbares Lächeln und sein Zuspruch werden uns fehlen. Wir trauern mit seiner Ehefrau, den vier Söhnen und der ganzen Familie. Und doch wissen wir ihn in des Herren Hand. Wohin sonst sollten wir gehen?
Erinnerungen an den Lehrer des württembergischen Pietismus
Lesen Sie hier einen weiteren Nachruf zu Prof. Gerhard Maier.

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