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Württembergischer Altlandesbischof Gerhard Maier gestorben

06.04.2026

Prof. Gerhard Maier leitete die Evangelische Landeskirche in Württemberg von 2001 bis 2005. Foto: Albrecht-Bengel-Haus/Andreas Schmierer
Prof. Gerhard Maier leitete die Evangelische Landeskirche in Württemberg von 2001 bis 2005. Foto: Albrecht-Bengel-Haus/Andreas Schmierer

Der frühere württembergische Landesbischof Prof. Gerhard Maier (Tübingen) ist am 4. April 2026 im Alter von 88 Jahren gestorben. Maier leitete die Evangelische Landeskirche in Württemberg von 2001 bis 2005. Er prägte den württembergischen Pietismus maßgeblich und galt als profilierter Vertreter einer an der Bibel orientierten Theologie.

Gerhard Maier wurde am 30. August 1937 in Ulm geboren. In Tübingen studierte er Theologie und Jura. Nach dem Studium war er wissenschaftlicher Assistent bei dem Neutestamentler Prof. Otto Michel, bei dem er promovierte. Ab 1970 arbeitete er zunächst drei Jahre lang als Pfarrer in Baiersbronn.

Es folgten 22 Jahre am pietistischen Albrecht-Bengel-Haus in Tübingen, zunächst als Studienleiter und ab 1980 als Rektor. Von 1971 bis 1995 gehörte er mit sechsjähriger Unterbrechung der württembergischen Landessynode an, deren Ausschuss für Kirche, Gesellschaft und Öffentlichkeit er zuletzt leitete. 1995 wurde er Prälat von Ulm (Regionalbischof für Ostwürttemberg).

Als Maier 2001 Landesbischof wurde, hatte er sich längst den Ruf eines Brückenbauers zwischen den verschiedenen Lagern erworben, und seine Integrationskraft war gefragt, so die Landeskirche. Maier habe es als seine Aufgabe angesehen, die „immer noch erkennbare Einheit“ der Landeskirche deutlich zu machen.

Zu den wichtigsten Projekten seiner Amtszeit gehörte es, innerhalb der Landeskirche eine Übereinkunft darüber herzustellen, was es heute bedeutet, evangelisch zu sein. Das Impulspapier „Daran glauben wir“ stieß weit über die Landeskirche hinaus auf großes Interesse.

Kritiker moderner Theologie

International bekannt wurde Maier durch seine Veröffentlichungen, besonders durch das 1974 erschienene Buch „Das Ende der historisch-kritischen Methode“. Darin stellte er eine der Grundlagen moderner Theologie infrage. Maier betonte, dass die Anerkennung der Souveränität Gottes eine wesentliche Voraussetzung angemessener Bibelauslegung sei.

Mit der Bibelkritik habe die evangelische Theologie einen „verheerenden Fehlweg“ eingeschlagen, weil sie die Bibel nicht mehr als „das wahre Wort des lebendigen Gottes“ anerkenne. Die Heilige Schrift sei zuverlässig, da sich die historischen Angaben im Alten und Neuen Testament überprüfen ließen.

Für seine 1990 erschienene „Biblische Hermeneutik“ erhielt er 1991 den Johann-Tobias-Beck-Preis des Arbeitskreises für evangelikale Theologie. 1990 erhielt Maier von der belgischen Theologischen Fakultät Leuven-Heverlee den Professorentitel. 2004 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Kirchlichen Hochschule für Theologie in Zhirovischi (Weißrussland) sowie die Ehrenprofessur der Universität Galati (Rumänien) verliehen. 2016 verlieh ihm die Staatsunabhängige Theologische Hochschule Basel (STH) die Ehrendoktorwürde.

„Menschen für Jesus gewinnen“

Maier gehörte zum Netzwerk Bibel und Bekenntnis um Pfarrer Ulrich Parzany (Kassel) und unterzeichnete die „Salzburger Erklärung“ der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften von 2015. Sie wendet sich unter anderem gegen die Propagierung der Abtreibung als „Menschenrecht“, gegen aktive Sterbehilfe und Genderismus.

Auch als Ruheständler wirkte Maier bei Glaubenskonferenzen, Evangelisationen und Bibelabenden mit und warb für einen missionarischen, an der Bibel orientierten Gemeindeaufbau. „Mein wichtigstes Ziel im Leben war, Menschen für Jesus zu gewinnen“, sagte Maier der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA.

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