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Frei-/Kirchen

Fällt Michael Diener Evangelikalen in den Rücken?

21.12.2015

Hamburg (idea) – Mit Verwunderung, Irritation und Unverständnis reagiert die Konferenz Bekennender Gemeinschaften (KBG) auf Äußerungen des Vorsitzenden der Deutschen Evangelischen Allianz, Michael Diener (Kassel), zur evangelikalen Bewegung in Deutschland. Diener, der im Hauptamt Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes (Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften) ist, hatte Evangelikale bzw. Pietisten in der Tageszeitung „Die Welt“ am 15. Dezember dazu aufgefordert, selbstkritischer zu sein. Er verlangte ein neues Denken über Homosexualität, Politik und Mission. Seiner Meinung nach debattieren Evangelikale beispielsweise zu oft über das Thema Homosexualität. Er sehe auf der einen Seite für die in fast allen evangelischen Landeskirchen praktizierten Segnungs- oder Trauungsgottesdienste keine Anhaltspunkte in der Bibel. Auf der anderen Seite habe er aber auch gelernt, anzuerkennen, dass „Menschen bei dieser Frage die Bibel anders lesen“, so Diener. Von daher erkenne er auch Geistliche an, die meinten, ihre homosexuelle Partnerschaft vor Gott verantworten zu können.

Rüß: Aufstehen gegen die in der Kirche geduldeten Irrlehren

Wie der Vorsitzende der Konferenz Bekennender Gemeinschaften, Pfarrer Ulrich Rüß (Hamburg), in einer Stellungnahme schreibt, kritisiert Diener jene aus den eigenen Reihen, „die sich gegen die in der Kirche geduldeten Irrlehren, den Autoritätsverlust der Bibel und die Infragestelllung und Relativierung elementarer Glaubensinhalte stellen“. Damit fordere Diener ausgerechnet jene Christen zur Selbstkritik auf, „die meinen, die gegenwärtige, dem Zeitgeist verfallene Kirche mache es erforderlich aufzustehen“. Rüß fragt sich, warum Diener damit pauschal und oberlehrerhaft ausgerechnet jenen in den Rücken falle, „deren Anwalt er in der EKD sein sollte?“ Rückendeckung gibt die Konferenz dagegen für den früheren ProChrist-Hauptredner, Pfarrer Ulrich Parzany (Kassel). Er hatte in einem Offenen Brief ebenfalls Dieners Position kritisiert. Rüß: „Alle Christen bedürfen unter dem Maßstab von Schrift und Bekenntnis der Selbstkritik. Auch Michael Diener.“

Zuversichtlich, dass Gnadau und Allianz an der Bibeltreue festhalten

Rüß zeigt sich zuversichtlich, dass der Gnadauer Verband und die Evangelische Allianz an ihrem Kurs der Bibel- und Bekenntnistreue festhalten: „Wir sind gewiss, dass die Kritik von Michael Diener daran nichts ändern wird.“ Zur Konferenz gehören in Deutschland 17 Bekennende Gemeinschaften, darunter die Kirchlichen Sammlungen in den verschiedenen Landeskirchen, der Arbeitskreis Bekennender Christen in Bayern, die Evangelisch-Lutherische Gebetsgemeinschaft und der Gemeindehilfsbund. Gastmitglied ist die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK).

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