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Berlin
08. Oktober 2019

Unbekannte verüben Anschlag auf 1000plus-Beratungsstelle

Die Täter brachen in der Nacht vom 5. zum 6. Oktober in das Gebäude ein, zerschlugen Fensterscheiben und schmierten auf Wände und Boden mit schwarzer und weißer Farbe den Spruch „Pro Choice!“. Foto: 1000plus
Die Täter brachen in der Nacht vom 5. zum 6. Oktober in das Gebäude ein, zerschlugen Fensterscheiben und schmierten auf Wände und Boden mit schwarzer und weißer Farbe den Spruch „Pro Choice!“. Foto: 1000plus

Berlin/Heidelberg (idea) – In Berlin haben Unbekannte einen Anschlag auf die Beratungsstelle der Lebensschutz-Initiative „1000plus“ verübt. Linksextreme Feministinnen bekannten sich in einer Online-Erklärung zu dem Angriff. Die Täter brachen in der Nacht vom 5. zum 6. Oktober in das Gebäude ein, zerschlugen Fensterscheiben und schmierten auf Wände und Boden mit schwarzer und weißer Farbe den Spruch „Pro Choice!“ (Für Wahlfreiheit).

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Wie der Vorstandsvorsitzende der überkonfessionellen Lebensschutz-Initiative, Kristijan Aufiero (Heidelberg), mitteilte, muss von einem fünfstelligen Betrag für Reparaturen, Wiederherstellung und Reinigung ausgegangen werden. „Es ist erschütternd und bedrückend zu sehen, wie sich blanker Hass und Zerstörungswut über uns ergießen, weil wir Schwangeren in Not eine Alternative zur Abtreibung bieten“, so Aufiero. 2018 etwa sei die Zahl der beratenen Frauen in allen 1000plus-Beratungstellen auf 16.204 angestiegen und habe sich damit im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt (2017: 8.414). 2019 liege die Zahl bislang bei 12.420.

Die Initiative wird dem Vorsitzenden zufolge alles dafür tun, um den Betrieb des Berliner Beratungszentrums baldmöglichst wieder aufnehmen zu können. „Nicht einer Ideologie wegen, nicht wegen 1000plus, sondern aus Nächstenliebe für Frauen wie diese.“ Die Initiative 1000plus ist ein Projekt der Lebensrechtsorganisation Pro Femina (Heidelberg). Seit Juli ist sie mit einer Beratungsstelle in Berlin vertreten.

Linksextreme veröffentlichten ihr Bekennerschreiben auf „Indymedia“

Die linksradikale Internetplattform „Indymedia“ veröffentlichte am 7. Oktober ein anonymes Bekennerschreiben. Begründet wird die Tat darin unter anderem mit Zweifeln an der Neutralität der Beratungsstelle. So hätten Recherchen gezeigt, dass die Gespräche „manipulativ und keinesfalls ergebnisoffen“ seien.

„Organisationen und Vereine, die sich für das Leben eines ungeborenen Fötus einsetzen, ohne auf die Beweggründe und die Situation der Frau* einzugehen und sich unverblümt als ‚Frauenhilfsorganisation’ verstehen, sind Teil eines patriarchalen und menschenfeindlichen Systems“, so das Schreiben. Frauen werde somit die freie Entscheidung abgesprochen und über ihre Körper und Leben bestimmt. „Die hohe Spendenbereitschaft, die die Zweigstelle in Berlin ermöglichte, sowie der Zuwachs an Beratungsgesprächen bei Pro Femina zeigten die gesellschaftliche Relevanz dieser christlich-fundamentalistischen Struktur.“

„Indymedia“ gilt als Plattform für linksradikale Aktionserklärungen und Bekennerschreiben. Sie steht unter Beobachtung des Landeskriminalamtes, weil zuletzt Schreiben auftauchten, die öffentlich zu Straftaten auffordern. 2017 ließ Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) die Schwesternseite „linksunten.indymedia“ aus dem Netz nehmen.

Hartmut Steeb: Die „Pro-Choice-Bewegung“ kann uns nicht ertragen

Der Vorsitzende des Treffens Christlicher Lebensrecht-Gruppen (TCLG), Hartmut Steeb (Stuttgart), rief die Lebensrechtsbewegung dazu auf zusammenzustehen. Die Anschläge seien feige und mehrten sich, sagte der frühere Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea.

Ein Anschlag auf „einen von uns“ sei ein Anschlag auf alle: „Die ,Pro-Choice-Bewegung‘ kann uns nicht ertragen. Sie stehen nicht für eine ,freie Wahl‘, sondern gegen das Menschenrecht auf Leben, das sie weiterhin der Beliebigkeit preisgeben wollen – eine unerhörte Überheblichkeit, eine Diktatur der Geborenen über die Ungeborenen.“

Schweiz: Buttersäure-Anschläge auf Läderach-Filialen

Auch in der Schweiz kam es zu Anschlägen mit Buttersäure. Betroffen waren Filialen von Läderach Chocolatier – am 14. September betraf es kurz vor dem „Marsch fürs Läbe“ die Geschäftsstelle in Zürich, am 3. und 4. Oktober die in Basel. Der Verwaltungsratspräsident Jürg Läderach engagiert sich außerhalb seiner Firmentätigkeit im Organisationskomitee von „Marsch fürs Läbe“. Er vertritt dort die Organisation „christianity for today“ (Zürich/Das Christentum für heute). Diese setzt sich unter anderem für den „Schutz des Lebens von der Zeugung bis zum Tod“ ein.

Zu beiden Anschlägen gibt es je ein Bekennerschreiben auf der Internetseite barrikade.info. Dort heißt es: „Keine Unterstützung für christliche Fundamentalist*innen – weder durch Arbeit noch durch Konsum! Zeigen wir diesen Anti-Feminist*innen, dass sie in unserer Stadt nichts zu suchen haben.“

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