Gesellschaft

Petition: Straße soll an ermordeten Yaron Lischinsky erinnern

Der Initiator sieht darin ein klares Zeichen gegen Antisemitismus.

Lesezeit: 4 min

Sarah Milgrim und Yaron Lischinsky wurden am 21. Mai 2025 vor dem Capital Jewish Museum in Washington, D.C. erschossen – die beiden waren ein Paar.
Sarah Milgrim und Yaron Lischinsky wurden am 21. Mai 2025 vor dem Capital Jewish Museum in Washington, D.C. erschossen – die beiden waren ein Paar. Foto: IMAGO / Anadolu Agency

Eine aktuelle Petition fordert, in der mittelfränkischen Stadt Zirndorf (bei Nürnberg) die Carl-Diem-Straße in Yaron-Lischinsky-Straße umzubenennen. Der Deutsch-Israeli Yaron Lischinsky und seine Freundin, die US-Amerikanerin Sarah Milgrim, waren am 21. Mai 2025 vor dem Capital Jewish Museum in Washington, D.C. erschossen worden. Beide arbeiteten für die israelische Botschaft. Der Täter soll bei seiner Festnahme „Free Palestine“ gerufen haben. 

Initiator der Petition ist der Fürther Christ Thomas Kraus. Die Würdigung Yaron Lischinskys wäre nach seinen Worten „ein klares Zeichen gegen Antisemitismus, für Toleranz und Menschlichkeit“. Gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA sagte er: „Je mehr Unterschriften da sind, umso mehr würdigt man solche Menschen, die ihr Leben für den Staat Israel und für den Herrn gegeben haben.“

Lischinsky verbrachte Teil seiner Jugend in Zirndorf

Lischinsky verbrachte Kraus zufolge einen Teil seiner Jugend in Zirndorf. 2009 wanderte er im Alter von 14 Jahren mit seiner Familie nach Israel aus. Sein Vater Daniel Lischinsky hat jüdische Wurzeln, seine Mutter Irene ist eine Pfarrerstochter aus dem Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Die Familie bekennt sich zum christlichen Glauben. 

In Zirndorf besuchten die Lischinskys laut Kraus die Gottesdienste der Landeskirchlichen Gemeinschaft (LKG). Yaron Lischinsky spielte in Vereinen Fußball und besuchte das Heinrich-Schliemann-Gymnasium in Fürth. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft bemüht sich laut Kraus darum, an der Schule eine Gedenkplakette für Lischinsky anzubringen.

Wer Carl Diem war

Kraus, der selbst von seinem 15. bis zum 24. Lebensjahr in der Carl-Diem-Straße wohnte, erklärte, ihn habe der Straßenname immer gestört, seit er von der Vergangenheit Diems wisse. Diem war Organisator der Olympischen Spiele 1936 in Berlin. Er sei „eng mit dem NS-Regime verstrickt“ und Anhänger des NS-Rassegedankens gewesen, so Kraus. In den letzten Kriegstagen habe er Jugendliche zum „letzten Opfergang für den Führer“ aufgerufen. 

Rund zehn Kommunen in Deutschland hätten Benennungen nach Diem bereits aufgehoben. Zirndorf gehöre zu den wenigen Städten, in denen der Straßenname unverändert bestehe. Ein erster Versuch der Umbenennung sei 2012 gescheitert.

Die Carl-Diem-Straße in Zirndorf.
Die Carl-Diem-Straße in Zirndorf. Foto: Thoomas Kraus

Familie Lischinsky: Es wäre eine große Ehre

Die Familie Lischinsky äußerte sich gegenüber IDEA erfreut über die Petition: „Es wäre eine große Ehre, wenn die Straße nach Yaron benannt wird.“ Besonders die Kinder der Familie seien Zirndorf und der Umgebung „noch sehr verbunden als dem Ort unserer Kindheit, wo wir zur Schule gingen, Fußball spielten und viele Freunde hatten“. Die Umbenennung wäre in ihren Augen „nicht primär eine politische Botschaft, sondern ein starkes Zeichen gegen Antisemitismus, der, wie das traurige Beispiel von Yaron und Sarah Milgrim zeigt, schnell in Gewalt umschlägt“.

Erklärende Zusatzschilder gefordert

Kraus, der die Familie Lischinsky persönlich kennt, fordert neben der Umbenennung, dass auf einem Zusatzschild erklärt werde, wer Yaron Lischinsky war. Ein weiteres Schild solle über den früheren Namensgeber Carl Diem aufklären. Diese Erklärungen sollten mindestens fünf Jahre an den Straßenschildern hängen bleiben. 

Zudem solle Anwohnern eine möglichst lange Frist eingeräumt werden, um Personalausweise und andere Dokumente zu ändern. Änderungen durch die Kommune sollten kostenfrei erfolgen. So könnten die Kosten „auf ein Minimum reduziert und die Akzeptanz der Umbenennung gefördert“ werden. Kraus kündigte an, in den kommenden Tagen persönlich auf die Anwohner der Straße zuzugehen, um sie vom Anliegen zu überzeugen. 

Bisher haben rund 530 Personen die Petition unterschrieben. Man kann noch bis zum 14. Februar 2027 unterschreiben.

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