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Erbkrankheiten
06. Oktober 2019

Neuer vorgeburtlicher Bluttest: Politikerin warnt vor Trend zur Selektion

Mit dem neuen Test kann festgestellt werden, ob ein ungeborenes Kind die genetische Anlage für die Erbkrankheit Mukoviszidose hat. Symbolfoto: pixabay.com
Mit dem neuen Test kann festgestellt werden, ob ein ungeborenes Kind die genetische Anlage für die Erbkrankheit Mukoviszidose hat. Symbolfoto: pixabay.com

Berlin/Trier (idea) – Die Entwicklung neuer Bluttests für Schwangere führt zu einem immer stärkeren Trend zur Selektion. Diese Ansicht vertrat die behindertenpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Corinna Rüffer (Trier), gegenüber der Zeitung „Welt am Sonntag“ (Ausgabe vom 6. Oktober).

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Anlass war die Ankündigung des Heidelberger Unternehmens Eluthia, am 17. Oktober einen neuen Test auf den Markt zu bringen. Durch ihn kann festgestellt werden, ob ein ungeborenes Kind die genetische Anlage für die Erbkrankheit Mukoviszidose hat. Bei dieser Krankheit ist der Schleim in Bronchien, Bauchspeicheldrüse und Darm nicht in der Lage, aus dem umliegenden Gewebe Wasser zu ziehen. Dadurch können Organe nicht richtig arbeiten. Die Lebenserwartung von Neugeborenen, die an der Krankheit leiden, liegt heute bei 50 Jahren.

Der Test soll 695 Euro kosten und kann ab der elften Schwangerschaftswoche angewendet werden. Eltern könnten das Wissen um die Veranlagung des Kindes nutzen, um sich auf ein Leben mit der Krankheit vorzubereiten, sagte Eluthia-Gründer Terrin Khairi-Taraki gegenüber der Zeitung. Man dürfe aber nicht „die Augen vor der Wirklichkeit verschließen“, dass ein positives Testergebnis in vielen Fällen zu einem Schwangerschaftsabbruch führen werde.

Der Druck auf schwangere Frauen steigt

Rüffer, die selbst ein Kind mit Downsyndrom hat, erklärte, es stelle sich „auf immer dramatischere Weise dar, dass in einer Gesellschaft, die auf Normalität ausgerichtet ist, vieles auf dem Rücken schwangerer Frauen ausgetragen wird“. Von ihnen werde zunehmend verlangt, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen und Abweichungen zu vermeiden.

Der Vorstandschef des Selbsthilfevereins Mukoviszidose e.V., Stephan Kruip (Bonn), forderte, der Test dürfe nur bei Eltern mit erhöhtem Risiko für die Krankheit angewendet werden. Dem vermeintlichen Zwang zur Diagnostik müsse die Gesellschaft die Zusicherung entgegensetzen, dass auch Kinder mit Behinderung willkommen seien. „Aus Sicht vieler unserer Mitglieder kann auch ein Leben mit Mukoviszidose ein erfülltes Leben sein“, so Kruip.

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