Donnerstag • 6. August
Trotz Corona
20. April 2020

Noch keine Spendeneinbrüche in christlichen Werken

Die Spendenrückgänge christlicher Hilfswerke und Ausbildungseinrichtungen halten sich in Grenzen. Foto: pixabay.com
Die Spendenrückgänge christlicher Hilfswerke und Ausbildungseinrichtungen halten sich in Grenzen. Foto: pixabay.com

Wetzlar (idea) – Trotz der Corona-Krise verzeichnen christliche Hilfswerke und Ausbildungseinrichtungen in Deutschland bislang nur selten Spendenrückgänge. Jedoch mussten einige von ihnen Kurzarbeit anmelden. Das hat eine Umfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea ergeben.

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Den stärksten Einbruch unter den befragten Institutionen meldete kurzzeitig die Freie Theologische Hochschule (FTH) Gießen. Wie ihr Rektor, Prof. Stephan Holthaus, idea sagte, gab es in den ersten beiden Märzwochen kurzzeitig einen Spendeneinbruch von 70 Prozent.

Nach einem Spendenaufruf habe sich Situation aber jetzt stabilisiert, wofür man sehr dankbar sei. Die Hochschule habe den gesamten Vorlesungsbetrieb digitalisiert, so dass das Semester am 20. April starten konnte.

DMG: Kurzarbeit für alle Mitarbeiter in Deutschland

Der Direktor des Missions- und Hilfswerks DMG Interpersonal, Günther Beck (Sinsheim/Nordbaden), teilte mit, dass die Spendeneingänge ähnlich hoch seien wie vor der Krise. Jedoch habe man aufgrund der zahlreichen Veranstaltungsabsagen bereits einige Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken müssen. Ab dem 1. Mai folgten alle 85 Mitarbeiter in Deutschland, davon 38 in der Zentrale.

Beck vermutet, dass sich im August wieder alles normalisiert. Zwar seien Großveranstaltungen derzeit noch bis zum 31. August untersagt, jedoch gehe er davon aus, dass damit eine Teilnehmerzahl von mehr als 1.000 Personen gemeint sein könnte. Er hoffe, dass kleinere Veranstaltungen bald wieder möglich sind.

Die Sorge um finanzielle Einbußen stehe derzeit weniger im Vordergrund: „Als Missionswerk stellen wir uns nicht so sehr die Frage, wie wir überleben, sondern wie unsere Missionare den Menschen, zu denen sie gesandt sind, beistehen.“ Wichtig sei, dass Christen weiterhin als Hoffnungsträger präsent seien: „In Krisen zeigt sich, ob unser Glaube wirklich real ist.“

Forum Wiedenest: Kurzarbeit wegen fehlender Gäste und abgesagter Veranstaltungen

Ähnlich äußerte sich der Leiter des evangelikalen „Forums Wiedenest“ (Bergneustadt), Ulrich Neuenhausen. Ihm zufolge ist der Spendeneingang stabil. Es sei grundsätzlich so, dass in den ersten zehn Monaten des Jahres zu wenig hereinkomme, um die Ausgaben zu bestreiten. Daher hoffe man – wie viele andere Werke auch – auf die letzten beiden Monate des Jahres, so dass am 31. Dezember dann „die Kasse stimmt“.

Da ihm zufolge aber aufgrund der Corona-Pandemie der Veranstaltungs- und Gästebetrieb pausiert, sind alle Mitarbeiter am 1. April in Kurzarbeit gegangen und haben ihre Arbeitszeit um 20 Prozent reduziert.  Der Ausbildungsbetrieb der Biblisch-Theologischen Akademie hingegen habe einen „innovativen Schub“ bekommen und laufe nun online ab.

Liebenzeller Mission: Missionare werden wegen Corona angefeindet

Der Liebenzeller Mission zufolge ist der finanzielle Bedarf trotz Corona-Krise im März gedeckt gewesen. Ihr Leiter, Pfarrer Johannes Luithle (Bad Liebenzell), sagte, dass die meisten Missionare weiterhin ihren Dienst vor Ort tun könnten: „Erstmals hören wir in manchen Ländern auch von Anfeindungen ganz generell gegen Ausländer. Sie werden beschuldigt, das Virus ins Land gebracht zu haben. Das macht dort auch vor Missionaren nicht halt.“

Die Kurzzeitmitarbeiter seien zurückgeholt worden, und der Unterrichtsbetrieb der Interkulturellen Theologischen Akademie und der Internationalen Hochschule Liebenzell erfolge nun digital. „Schweren Herzens“ habe man alle großen Missionsfeste in der Pfingstzeit abgesagt.

To All Nations: Arbeit wird im Wesentlichen von Daueraufträgen getragen

Das christliche Hilfs- und Missionswerk „To All Nations“ (Zu allen Nationen/Bornheim) verzeichnet derzeit ebenfalls noch keine Spendenrückgänge. Laut Missionsleiter Waldemar Harder wird seine Arbeit im Wesentlichen von privaten Daueraufträgen zwischen 20 und 100 Euro monatlich getragen.

Doch auch Firmen und Gemeinden hätten ihr Spendenverhalten noch nicht geändert. Das Werk sieht dennoch Bedarf, Kurzarbeit für etwa ein Drittel der Mitarbeiter (rund 35 Personen) in Deutschland zu beantragen. Das Missionswerk habe außerdem Mitarbeiter aus dem Ausland zurückholen müssen. Das sehe man jedoch als Chance, um Einheimische so stärker in die Verantwortung zu nehmen.

Bibellesebund: Haltung des Abwartens

Der Bibellesebund (Marienheide), musste am 1. April in den meisten Bereichen Kurzarbeit einführen. Den nicht betroffenen Kollegen seien die Gehälter gekürzt worden. „Es ist zurzeit völlig offen, ab wann und in welchem Umfang der Bibellesebund seine Praxis-Aktivitäten wieder aufnehmen kann.“ Man befinde sich in einer Haltung des Abwartens, Beobachtens und Betens, schrieb Generalsekretär Andreas Klotz in einem Newsletter.

humedica: Projekte gehen weiter

Der Pressesprecher des christlichen Hilfswerks humedica (Kaufbeuren), Sebastian Zausch, sagte, man habe bislang kein verändertes Spendenverhalten bemerkt. Viele medizinische Projekte würden weitergeführt. Da die deutschen Mitarbeiter aus dem Ausland zurückgeholt worden seien, würden sie nun von Einheimischen verantwortet. In Deutschland arbeiteten die Mitarbeiter größtenteils von zu Hause aus. Der Kontakt zu den Spendern werde über Internet und Telefon gepflegt.

Auch das christliche Hilfswerk „World Vision“ (Friedrichsdorf bei Frankfurt am Main) verzeichnet bislang keine Spendenrückgänge. Den Grund dafür sieht es in seinem globalen Aktionsplan zur Bekämpfung des Virus, den die Spender unterstützten.

Die „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ (HMK) meldet im Zuge ihres Einsatzes für verfolgte Christen eine Zunahme an Hilfsanfragen. Wie der Missionsleiter, Pfarrer Manfred Müller (Uhldingen am Bodensee), idea sagte, ist das Werk mit Blick auf die Spenden von der Krise relativ unbeeinflusst und prüft nun, wie es im Ausland noch verstärkt helfen kann.

AVC: Spendenzunahme im März

Anders war hingegen die Situation beim Hilfs- und Missionswerk „Aktion für verfolgte Christen und Notleidende“ (Nidda). Laut dem Leiter Eduard Schmidt wurde im März im Vergleich zu den Vorjahresmonaten deutlich mehr gespendet. Das habe ihn gefreut und ein wenig überrascht.

Das Werk habe viele Gottesdienste, Konferenzen und Vorträge absagen müssen. Stattdessen suche man den Kontakt zu den Unterstützern verstärkt über die Sozialen Medien. Man sei gut ausgelastet und plane darum derzeit keine Kurzarbeit.

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