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Kommentar

Wann folgen andere Kirchen dem Berliner Vorbild?

06.11.2023

Gefängnisseelsorger und Stasi-Mitarbeiter Eckart Giebeler. Foto: Beckaman Kusch
Gefängnisseelsorger und Stasi-Mitarbeiter Eckart Giebeler. Foto: Beckaman Kusch

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hat Versäumnisse beim kirchlichen Umgang mit dem Fall des Gefängnisseelsorgers und Inoffiziellen Stasi-Mitarbeiters (IM) Eckart Giebeler (1925–2006) eingeräumt. Dazu ein Zwischenruf vom IDEA-Vorsitzenden Helmut Matthies

Der IDEA-Vorsitzende Helmut Matthies. Foto: Privat

Man sollte mit dem Begriff „historisch“ keusch umgehen. Aber dieser Gottesdienst am 5. November in der Hauptstadt ist es gewesen. Denn zum ersten Mal seit der Wiedervereinigung vor 33 (!) Jahren hat sich eine von 20 EKD-Mitgliedskirchen ohne Wenn und Aber zu ihrem Versagen im Blick auf einen ihrer Pfarrer öffentlichkeitswirksam bekannt. Er hatte als Gefängnisseelsorger Hunderte an die Stasi verraten.

Schon 1979 wurde von freigekauften Häftlingen in westlichen Medien geklagt, Eckart Giebeler arbeite für den DDR-Geheimdienst. In den 80er Jahren sei dies auch dem Kirchenamt der EKD mitgeteilt worden. Keine Reaktion. Diese Ignoranz führte dazu, dass sich das Elend der Inhaftierten verschlimmerte.

Sogar eine ARD-Dokumentation von 1992 wurde als Verleumdung zurückgewiesen. Und selbst nachdem die Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg 1994 die Stasi-Tätigkeit anerkannte, bekam Giebeler weiter seine Pension, wurde bei Jubiläen geehrt bis zu seinem Tod 2006.

Letztes Jahr ergriff nun der seit 2019 amtierende Bischof Christian Stäblein die Initiative und lud ehemalige Häftlinge ein. Die Kirchenleitung hörte zu und sorgte für eine in ihrer Klarheit bisher einmalige Schulderklärung.

In seiner Predigt bekannte der erschütterte Stäblein, die Tränen mit den lange Leidenden zu teilen. Im Fürbittegebet bat Pröpstin Christina-Maria Bammel Gott um Vergebung, dass man Kritikern nicht geglaubt und ihnen keinen Rückhalt geboten habe. Wann werden andere Kirchen, in denen es auch schlimme Stasi-Mitarbeiter gab, dem Berliner Vorbild folgen?

IDEA dokumentiert die Stelllungnahme der EKBO hier.

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