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Menschenrechte

Studie: Situation der Konvertiten ist „unverändert schlecht“

20.09.2021

Besonders iranische Asylbewerber sähen sich häufig mit dem Verdacht konfrontiert, sich lediglich aus asyltaktischen Gründen zum christlichen Glauben zu bekennen. Foto: pixabay.com
Besonders iranische Asylbewerber sähen sich häufig mit dem Verdacht konfrontiert, sich lediglich aus asyltaktischen Gründen zum christlichen Glauben zu bekennen. Foto: pixabay.com

Kelkheim (IDEA) – Die Situation für geflüchtete Konvertiten in Deutschland ist „unverändert schlecht“. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht des überkonfessionellen Hilfswerks Open Doors (Kelkheim bei Frankfurt am Main). An der Studie „Missachtung der Menschenwürde von Flüchtlingen in Deutschland“ beteiligten sich 133 landes- und freikirchliche Gemeinden oder Gemeinschaften aus allen Bundesländern sowie zwei örtliche Evangelische Allianzen, die 5.207 konvertierte Flüchtlinge betreuen.

Dabei handelt es sich laut Open Doors um etwa acht Prozent der geflüchteten Konvertiten. Von ihnen erhielten im Zeitraum von 2017 bis zum Mai 2021 trotz vorgelegter Glaubensbescheinigung 2.045 (39,3 Prozent) eine Ablehnung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und 1.400 (26,9 Prozent) eine Ablehnung durch Verwaltungsgerichte. 99 Konvertiten (1,9 Prozent) wurden abgeschoben.

Der Großteil von ihnen stammt aus dem Iran (3.081), viele auch aus Syrien (855) oder Afghanistan (754). Das Hilfswerk hatte bereits im Oktober 2019 eine entsprechende Erhebung veröffentlicht. Zwei Jahre später stellt der neue Bericht nun fest, „dass die Handlungsempfehlungen und Forderungen an Politiker und Behörden weitgehend unbeachtet“ geblieben seien.

Rode: Man nimmt die Bescheinigungen der Geistlichen nicht ernst

Der Leiter von Open Doors, Markus Rode, weist in dem Bericht darauf hin, dass zehntausende Flüchtlinge in Deutschland am Leben der Kirchengemeinden teilnähmen. Insofern sehe man mit großer Sorge, dass in den Asylverfahren des BAMF und auch in Verhandlungen der Verwaltungsgerichte die Bescheinigungen der Geistlichen zum Glaubensleben der Konvertiten „immer noch viel zu wenig Beachtung“ fänden.

Hinzu käme, dass sich die Verwaltungsgerichte vielfach an den Bescheiden des BAMF orientierten, so dass auch die besonders gefährdeten christlichen Konvertiten noch seltener als in den ersten Jahren der Flüchtlingskrise Asyl in Deutschland erhielten und in mehreren Fällen bereits in Länder wie Afghanistan oder den Iran abgeschoben worden seien.

Ablehnungsbescheide, „die sich über die freie Bekundung des Glaubens von Konvertiten“ hinwegsetzten und in denen die Bescheinigungen der sie betreuenden Geistlichen kaum Berücksichtigung fänden, beraubten die Flüchtlinge ihrer Menschenwürde.

Konvertiten nicht unter Generalverdacht stellen

Es gebe zwar, so Rode, sicher „auch einige schwarze Schafe, die eine Konversion lediglich vortäuschen“. Diese Einzelfälle dürften jedoch nicht zu einem Generalverdacht gegen alle Konvertiten führen, „als bekenne sich ein Großteil von ihnen lediglich aus asyltaktischen Gründen zum christlichen Glauben“.

Besonders iranische Asylbewerber sähen sich häufig mit diesem Verdacht konfrontiert. Tatsächlich komme es aber gerade im Iran seit Jahren zu einer „hohen Zahl von Konversionen trotz harter Verfolgung“. Es sei entscheidend, so Rode, dass die „offensichtlich mangelnde Vertrauensbasis der Politik zu den Geistlichen aller Kirchen und zu den christlichen Konvertiten gestärkt“ würde.

In einer Zeit weltweit zunehmender Verfolgung von Christen bedürfe es „eines Weckrufes, damit Politiker sowie Richter und BAMF-Entscheider sich ihrer besonderen Verantwortung für den Schutz der Menschenwürde“ stellten.

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