Glaube
Baum: Dietz und Faix stellen klassische christliche Sexualethik infrage
07.01.2026

Die Kritik am Buch „Transformative Ethik – Wege zur Liebe. Eine Ethik zum Selberdenken“ (Neukirchener Verlag) der Theologen Thorsten Dietz (Zürich) und Prof. Tobias Faix (Kassel) weitet sich aus. Nun hat auch der Prorektor der Freien Theologischen Hochschule Gießen (FTH), Prof. Armin Baum, den beiden Autoren vorgeworfen, sich von der klassischen christlichen Sexualethik zu verabschieden.
Zuvor hatte sich bereits der Vorstand des Arbeitskreises für evangelikale Theologie (AfeT/Gießen) von dem Buch distanziert. Auch der Dozent Paul Bruderer (Frauenfeld/Schweizer Kanton Thurgau) hatte sich in einem Meinungsbeitrag für IDEA kritisch damit auseinandergesetzt.
In einer ausführlichen Rezension für das Jahrbuch „Biblisch erneuerte Theologie“ (BeTh) bemängelt Baum, dass Dietz und Faix zentrale anthropologische und ethische Aussagen der Bibel ausklammerten, relativierten oder bestritten.

Transformativer Sexualethik fehle „an vielen Stellen die biblische Orientierung“
In der Bewertung der biblischen Aussagen gehen Dietz und Faix laut Baum selektiv vor. Während sie die Gottesebenbildlichkeit aller Menschen anerkennen, lassen sie die Verbindung zur Fortpflanzung und zur binären Geschlechterordnung in den Schöpfungserzählungen außer Acht. Die biblische Ablehnung von Scheidung und Prostitution sowie das Treuegebot Jesu würden relativiert oder für nicht mehr verbindlich erklärt. Baum kritisiert, dass dadurch der transformativen Sexualethik „an vielen Stellen die biblische Orientierung“ fehle. Damit verliere die Bibel ihre Funktion als höchste Autorität in Fragen der Lebensführung, wie sie etwa in der Glaubensbasis der Evangelischen Allianz festgehalten ist.
Der Theologieprofessor kommt zu dem Schluss, dass die von Dietz und Faix vertretene Sexualethik zentrale Grundüberzeugungen der klassischen christlichen und damit auch der evangelikalen Ethik aufgegeben und die evangelikale Schriftauslegung verlassen habe. Das zeigten besonders ihre ethischen Positionierungen zur Pornografie, Polyamorie und Prostitution, zum biologischen Geschlecht sowie zur Trans-, Inter- und Homosexualität.
Besonders schwer wiege, dass die Argumentation auf zahlreichen historischen und geistesgeschichtlichen Fehlern beruhe. „Insofern fehlt ihrer Begründung einer neuen (transformativen) Sexualethik das wissenschaftliche Fundament“, so Baum. Das Buch sei daher als postevangelikal einzustufen und könne nicht als Weiterentwicklung, sondern nur als Abkehr von der klassischen christlichen Sexualethik verstanden werden.

Fehlerhafte wissenschaftliche Annahmen
Baum wirft den Autoren zudem vor, dass zentrale wissenschaftliche Behauptungen ihres Buches unzutreffend seien. So argumentierten Dietz und Faix, das Konzept sexueller Orientierung habe es in der Antike nicht gegeben und es sei erst im 19. Jahrhundert entwickelt worden. Nach Ansicht von Baum ist dies durch zahlreiche antike Quellen und die aktuelle Forschung widerlegt. Baum verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass zahlreiche antike Philosophen, Ärzte und Schriftsteller sich zu dem Thema geäußert hätten.
Ebenso sei die Behauptung, in der antiken Welt habe es keine Alleinstehenden gegeben, historisch falsch. Auch die Aussage, die biologische Unterscheidung zwischen zwei Geschlechtern sei in der Bibel und ihrer Welt unbekannt, widerspreche den antiken Quellen.
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