Gesellschaft

Tolkien erhält Ehrenplatz in Westminster Abbey

Der „Herr der Ringe“-Autor wird 2027 gewürdigt. Er war bekennender Christ. 

Lesezeit: 3 min

John Ronald Reuel Tolkien war bekennender Christ, Schriftsteller und Oxford-Professor.
John Ronald Reuel Tolkien war bekennender Christ, Schriftsteller und Oxford-Professor. Foto: Picture-Alliance/Photoshot

Der bekennende Christ und britische Schriftsteller John Ronald Reuel Tolkien (1892–1973) wird in der Londoner Westminster Abbey geehrt. Wie aus einer Mitteilung auf der Internetseite der anglikanischen Kirche hervorgeht, widmet sie dem Verfasser des Fantasyromans „Der Herr der Ringe“ im Frühjahr 2027 ein Denkmal in der sogenannten „Poets’ Corner“ (Dichterecke). 2027 ist zugleich das 90. Jubiläumsjahr des „Hobbit“ und das 50. Jubiläumsjahr des „Silmarillion“. 

In der Dichterecke erinnern bereits mehr als 100 Denkmäler an bekannte Schriftsteller, darunter William Shakespeare, Jane Austen und Charles Dickens. Seit 2013 findet sich dort auch eine Gedenkstätte für den christlichen Literaturwissenschaftler C. S. Lewis (1898–1963), einen engen Freund Tolkiens. 

Der Dekan von Westminster, David Michael Hoyle, erklärte, man werde in der Abtei „an einen meisterhaften Geschichtenerzähler erinnern, einen Gelehrten, einen Mann mit christlicher Vorstellungskraft“, der geholfen habe zu verstehen, „dass ein Bekenntnis zu Leben und Tugend kostspielig und mutig sein kann“.

Denkmal in Form eines Baumes

Das Denkmal gestaltet der britische Bildhauer Stephen Broadbent. Es soll die Form eines Baumes haben – inspiriert von Tolkiens eigener Zeichnung, dem sogenannten „Tree of Amalion“. Das 2,50 Meter hohe Kunstwerk fügt sich vertikal in einen steinernen Pfeiler im südlichen Querschiff der Abtei ein und besteht überwiegend aus einheimischen britischen Hölzern. Dazu zählt auch ein Stück der als „Tolkiens Baum“ bekannten Schwarzkiefer, die 2014 im Botanischen Garten der Universität Oxford gefällt wurde und zu Lebzeiten des Schriftstellers einer seiner Lieblingsbäume war. 

Die Idee zu dem Denkmal brachte Lord David Alton als Vorsitzender des Christian Heritage Centre (Christliches Erbe-Zentrum) am Stonyhurst College in Lancashire auf.

Der britische Bildhauer Stephen Broadbent fertigt das Denkmal an.
Der britische Bildhauer Stephen Broadbent fertigt das Denkmal an. Foto: picture alliance / PA Images | Annabel Lee-Ellis

Vom Waisenkind zum Oxford-Professor

Tolkiens Mutter erzog ihre beiden Söhne im römisch-katholischen Glauben. Als Tolkien zwölf Jahre alt war, starb sie. Sein Vater war bereits vorher verstorben. Die beiden Brüder kamen in die Obhut eines Paters, mit dem die Mutter befreundet gewesen war. Im Oktober 1911 begann Tolkien sein Studium in Oxford. Später lehrte er als Professor für englische Sprachwissenschaft an der Universität Oxford, wo er von 1925 bis 1959 Sprachen unterrichtete. 

Nebenher schrieb er Bücher. „Der Herr der Ringe“ erschien 1954/55 und zählt zu den erfolgreichsten Büchern des 20. Jahrhunderts. Weltweit verkaufte sich das Werk mehr als 150 Millionen Mal und erschien in über 35 Sprachen.

Als praktizierender Christ, war Tolkien überzeugt, dass alle Mythen in ihrem Kern auf Gott verweisen. An der Bekehrung von Lewis, mit dem er regelmäßig im Pub Textentwürfe austauschte, soll er wesentlich mitgewirkt haben. In einem Gespräch mit ihm erklärte Tolkien seinen Standpunkt: „Mythen reflektieren unweigerlich einen Bruchteil des wahren Lichts, der ewigen Wahrheit, die in Gott ist.“

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