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Stuttgart: Linke und Piraten gegen Bibelverse in S-Bahn

25.01.2021

Die Stuttgarter S-Bahn. Symbolbild: pixabay.com
Die Stuttgarter S-Bahn. Symbolbild: pixabay.com

Stuttgart/Heidenheim (IDEA) – Die Fraktion „Die Linke/Pirat“ in der Stuttgarter Regionalversammlung hat am 14. Januar ein Verbot von Bibelversen in S-Bahnen gefordert. Die Fraktion begründet ihren Antrag mit dem „Verfassungsgebot der weltanschaulichen Neutralität“. Sie solle sicherstellen, „dass religiöse und nichtreligiöse Weltanschauungen in unserer vielfältigen Gesellschaft gleich behandelt werden“.

Darunter falle auch das Recht auf „negative Religionsfreiheit“, also das Recht, keiner Religion anzugehören. Die Glaubensbotschaften auf den Plakaten missachteten „das weltanschauliche und religiöse Empfinden von Nichtgläubigen und Andersgläubigen und entsprechen in keiner Weise der Willkommenskultur in unserer Region“.

Aktueller Anlass sei eine Werbekampagne der Süddeutschen Plakatmission in den Stuttgarter S-Bahnen. Diese werde zwar auch von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg gefördert, doch bereits 2012 seien „Verflechtungen mit evangelikalen Organisationen bekannt“ geworden, „die zum Teil u.a. kreationistische Positionen“ propagierten. Damals hatte der Humanistische Pressedienst (Berlin) die Kampagne kritisiert.

Religiöse Botschaften generell verbieten

Im Antrag der Fraktion heißt es weiter, dass der Öffentliche Personennahverkehr grundsätzlich nicht Ort der religiösen Indoktrination“ sein solle – unabhängig „von Inhalten und Hintergründen der Werbebotschaften“. Es gebe bereits andere Städte und Landkreise, in denen ein solches Verbot bereits umgesetzt werde.

So sei etwa religiöse und weltanschauliche Werbung in den Fahrzeugen der Berliner Verkehrsbetriebe seit 2009 untersagt. Auch die Region Stuttgart solle sich „dieser positiven Entwicklung hin zu weltanschaulicher Neutralität“ anschließen.

EAK: Bibelsprüche grenzen niemanden aus

Die Evangelischen Arbeitskreise (EAK) der CDU in den Landkreisen Stuttgart und Ludwigsburg haben den Vorstoß in einer gemeinsamen Pressemitteilung für unbegründet erklärt. Die Bibelverse gäben „vielen Menschen Kraft und Hoffnung“, grenzten niemanden aus und klebten „relativ klein und unscheinbar an den Fenstern der in der Region Stuttgart verkehrenden S-Bahnen“.

Die beiden Hauptargumente der Antragsteller liefen laut dem Vorsitzenden des EAK in Ludwigsburg, Jens Wätjen, ins Leere: „Auch andere Religionsgemeinschaften haben die Möglichkeit, in den S-Bahnen für ihre Sache zu werben.“ Das Recht auf „negative Religionsfreiheit“ werde dadurch nicht berührt.

„Wir halten die Diskussion für völlig an den Haaren herbeigezogen.“ Laut Statistischem Landesamt Baden-Württemberg gehörten 2019 knapp sieben Millionen der insgesamt mehr als elf Millionen Einwohner zu einer der beiden großen Kirchen. Dazu kämen noch mehrere Hunderttausend Christen in Freikirchen oder Gläubige ohne formale Kirchenzugehörigkeit.

Der EAK-Vorsitzende im Landkreis Stuttgart, Werner Schmückle, ergänzte: „Bibelsprüche im öffentlichen Raum haben schließlich eine lange Tradition in unserem Land: Kirchen bezeichnen noch immer häufig die Mitte eines Ortes und an vielen alten Häusern prangt ein Segensspruch.“

Landeskirche: Von einer Bedrängung durch Bibelsprüche kann keine Rede sein

Die Evangelische Landeskirche in Württemberg wies die Vorwürfe der Fraktion gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA zurück. Das Grundgesetz garantiere das Recht, den Glauben frei zu bekennen, sagte eine Sprecherin.

Religionen dürften in der Öffentlichkeit sichtbar sein: „Aus der Freiheit, einen Glauben nicht zu haben, ergibt sich kein Anspruch darauf, in der Öffentlichkeit nicht auf Bibelsprüche oder andere religiöse Erscheinungsformen zu treffen.“ Von einer „Bedrängung“ oder einer „staatlich zu verantwortenden Konfrontation ohne Ausweichmöglichkeit“ könne hier keine Rede sein.

Plakatmission: Es wird immer schwerer, christliche Botschaften zu verbreiten

Der 2. Vorsitzende der Süddeutschen Plakatmission, Wolfgang Niederberger (Steinheim am Albuch/Ostalb), sagte gegenüber IDEA auf Nachfrage, dass es deutschlandweit immer schwerer falle, mit Plakaten auf Jesus Christus hinzuweisen. Deshalb sei man dankbar, dass es in der Region Stuttgart noch möglich sei.

Der 1972 gegründete Verein mit Sitz in Heidenheim bestehe aus Mitgliedern der württembergischen Landeskirche, die mit Plakaten auf Jesus Christus hinweisen und Menschen in ihrem Glauben stärken wollen. Spenden kämen sowohl von landeskirchlichen als auch freikirchlichen Christen, so Niederberger. Außerdem gehöre die Plakatmission zum Netzwerk der Evangelischen Allianz.

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