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Größte evangelikale Organisation: Nein zu Homosexualität praktizierenden Predigern

Lesezeit: 4 min

Der Vorstand des Gnadauer Verbandes. Foto: idea/Pankau
Der Vorstand des Gnadauer Verbandes. Foto: idea/Pankau

Schwäbisch Gmünd (idea) – Im Streit um theologische Positionen innerhalb der evangelikalen Bewegung hat die Mitgliederversammlung der größten Dachorganisation – der Evangelische Gnadauer Gemeinschaftsverband – eine Erklärung verabschiedet. In ihr spricht sie sich für die traditionelle Ehe aus. Zum Thema Homosexualität wird geäußert: „Weil die Lebensform eines Menschen immer ‚mit-spricht‘ und ‚mit-verkündigt‘, berufen wir Menschen, die in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft leben, weder in den Verkündigungsdienst noch in Leitungsaufgaben. Denn Leben und Lehre gehören zusammen“, so der Wortlaut. Ob Aufgaben anderer Art auch betroffen sind, wird nicht erläutert. Die Erklärung beschloss die Versammlung dieser Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften mit über 200.000 Mitgliedern am Abend des 19. Februar in Schwäbisch Gmünd. Weiter heißt es in der – wie verlautet – mit „breiter Mehrheit“ beschlossenen Erklärung: „Wir bekennen uns unverändert dazu, dass Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat.“ Gott segne die Ehe von Mann und Frau in besonderer Weise. Der Trausegen sei ein einzigartiger Segen für die eheliche Gemeinschaft von Mann und Frau und könne darum nicht auf eine andere Lebensform übertragen werden. In der lebenslangen Einehe habe die menschliche Sexualität einen einzigartigen Raum zur Entfaltung und Gestaltung: „Menschen, die nicht in einer Ehe leben, sind unabhängig von Geschlecht und Alter zur Enthaltsamkeit aufgerufen, zu der Gott ‚Wollen und Vollbringen’ schenken kann.“ Damit folgte die Mehrheit der Mitgliederversammlung in der Frage der Homosexualität nicht ihrem Präses Michael Diener (Kassel), der in Interviews gewünscht hatte, dass auch Christen, die ihre Gleichgeschlechtlichkeit praktizieren, Mitarbeiter in evangelikalen Gemeinschaften sein können.

Auch Homosexuellen gilt die Liebe Gottes

Selbstverständlich haben – so die Erklärung – aber auch Homosexuelle einen Raum in den Gemeinschaften. Ihnen gelte die Liebe Gottes gleichermaßen ohne Vorbedingung. Das solle in den Gemeinden und Gemeinschaften erfahrbar sein: „Homosexuelle erleben das oft anders; hier haben wir eine große Aufgabe.“ Man nehme jedoch eine Spannung wahr zwischen dem biblischen Befund und dem Leben in einer homosexuellen Beziehung: „Aus unserer Sicht lassen sich biblische Aussagen über den Willen Gottes und eine homosexuelle Lebensweise nicht in Einklang bringen.“

Bibelstellen zur Homosexualität werden von „einigen” anders gedeutet

Gleichwohl gebe es „einige unter uns“, die an dieser Stelle „eine andere exegetische Einsicht haben oder die aus dem gleichen exegetischen Befund andere Schlussfolgerungen ziehen“. Trotz dieser Unterschiede wolle man aufeinander hören und Spannungen bewusst aushalten: „Dabei leitet uns die Liebe Jesu Christi, die sich Menschen vorbehaltlos zuwendet. Wir brauchen den klaren Standpunkt der Gebote Gottes und das weite Herz seiner Liebe.“ So wolle man „für die biblische Wahrheit eintreten und eine Kultur der Barmherzigkeit leben“.

Wie es zu der Erklärung kam

Der Erklärung voraus gegangen war eine der heftigsten Kontroversen unter den theologisch konservativen Protestanten, die sich seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts nach anglo-amerikanischem Vorbild als Evangelikale bezeichnen. Nachdem Präses Diener – im Ehrenamt auch Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz – in Interviews ein neues Denken der Evangelikalen im Blick auf Mission, Politik und Homosexualität gefordert hatte, widersprach einer der bekanntesten evangelikalen Pfarrer, der langjährige ProChrist-Hauptredner, Ulrich Parzany (Kassel), in einem Offenen Brief. Einzelne Unterstützer seiner Position lud er am 23. Januar nach Kassel ein, die dort ein „Netzwerk Bibel und Bekenntnis“ gründeten und ihn zu ihrem Sprecher bestimmten. Im Kommunique des Treffens von 65 Evangelikalen heißt es: „In vielen Gemeinden und Gemeinschaften besteht Besorgnis darüber, welchen Kurs führende Repräsentanten der evangelikalen Bewegung steuern. Es fehlt an deutlichem Widerstand gegen Entscheidungen von Kirchenleitungen und Synoden, die Bibel und Bekenntnis widersprechen“. Gemeint ist vor allem die kirchliche Förderung der Genderideologie und Religionsvermischung. (idea dokumentiert den Wortlaut der Erklärung der Gnadauer Mitgliederversammlung hier.)

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