Mittwoch • 3. Juni
Peter Hahne
06. April 2020

Warum sind Getränkemärkte auf und Kirchen zu?

Der Bestsellerautor Peter Hahne. Foto: www.peter-hahne.de
Der Bestsellerautor Peter Hahne. Foto: www.peter-hahne.de

Berlin (idea) – Christliche Publizisten und Theologen haben die starken Eingriffe des Staates in das kirchliche Leben und das Verhalten der Kirchen in der Corona-Krise scharf kritisiert. Sie fordern zugleich, Kirchen an Karfreitag und Ostern zu öffnen.

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Im Blick auf das Versammlungsverbot fragt der Bestsellerautor Peter Hahne (Berlin) in einem Beitrag für die Evangelische Nachrichtenagentur idea: „Warum sind Getränkemärkte (Alkohol!) geöffnet, Gotteshäuser (Gebet!) geschlossen? Warum kann im Supermarkt Abstand gewahrt werden, im Bibelkreis nicht? Hält man Christen für dumm? Lieber Abstand als Leerstand.“

Risikogruppen blieben zu Hause. Das funktioniere doch auch im Bundestag. Der Staat verbiete, was er gar nicht dürfe. Auch von den Evangelikalen komme kein Widerspruch. Dabei sei die erlebbare Gemeinschaft laut dem Neomarxisten Jürgen Habermas „die weltweit einmalige Ressource der Christen“. Das Internet in seiner „häuslichen Vereinsamung“ könne das nicht ersetzen, so Hahne.

Er wirft zugleich Kirchenleitungen vor, bereitwillig klein beigegeben zu haben. Noch bevor es Verbote des Staates gegeben habe, hätten sich die Kirchen „in vorauseilendem Gehorsam“ bereits selbst geschlossen. Hahne war von 1991 bis 2009 EKD-Ratsmitglied.

Kelle: Kirchen haben sich dem Willen des Staates widerstandslos gebeugt

Auch die katholische Publizistin Birgit Kelle kritisierte auf ihrem Blog „Volle Kelle“, dass es keinen Aufschrei gegeben habe, als der Staat angeordnet habe, auf Gottesdienste zu verzichten: „Wo ist der Protest, wo ist der Aufstand der Seelsorger, der Hirten, der Priester und Pfarrer, die danach drängen, ihren Schäfchen gerade jetzt beizustehen?“

Es sei nahezu verstörend, „mit welch bereitwilligem Einverständnis und Schweigen sich die deutschen Amtskirchen dem Willen des Staates widerstandslos gebeugt haben und damit auch inhaltlich zustimmten: Ihr seid verzichtbar.“ Im Blick auf Ostern fordert Kelle: „Macht die Tore auf! Wir feiern Auferstehung.“

Die Osterbotschaft erzähle davon, wie Angst überwunden, Hoffnung geschenkt und der Tod besiegt werde. Kelle: „Jesus ist niemals ausgewichen, hat niemals die Tür zugemacht und ist immer dorthin und zu jenen gegangen, von denen alle sagten: Das lass mal besser sein.“

Petition: Gottesdienst und Seelsorge sind nicht entbehrlich

Der Theologe, Gemeinde- und Unternehmensberater Michael Stollwerk (Stäfa/Kanton Zürich) hat eine Unterschriftenaktion auf der Internetplattform openPetition initiiert. Darin heißt es, Regierungen hätten angesichts der Corona-Krise mit drastischen Einschränkungen des privaten, öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens reagiert.

In diesem Zusammenhang würden auch religiöse Versammlungen und seelsorgerliche Begleitung während der Corona-Krise für entbehrlich gehalten. Der amtierende Generalsekretär des Weltkirchenrates, Ioan Sauca (Genf), solle deshalb eine Diskussion darüber in Gang zu setzen, welche Bedeutung Gottesdienst und Seelsorge in Zeiten der Pandemie haben.

Die Petition bittet ihn, sich für die Öffnung von Kirchen – unter Berücksichtigung strenger Sicherheitsregeln – und die seelsorgerliche Betreuung von Menschen in Not einzusetzen. Gottesdienste und Seelsorge seien wesentlich für die psychische Gesundheit der Gesellschaft. Stollwerk ist Pfarrer der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Stäfa.

AfD-Politiker: Gottesdienstverbot nicht hinnehmbar

Der kirchenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Volker Münz (Uhingen bei Göppingen), kritisiert das Verbot von Gottesdiensten aufgrund der Corona-Krise: „Das verhängte Gottesdienstverbot ist ein schwerer Eingriff in das Grundrecht auf Religionsfreiheit und aus seelsorgerlichen Gründen nicht hinnehmbar.“

Gottesdienste müssten unter Einhaltung von Sicherheitsregeln insbesondere an hohen Feiertagen wie Ostern sowie für Trauerfeiern wieder zugelassen werden. „Wenn Baumärkte und Gartencenter weiterhin geöffnet haben, ist es nicht zu rechtfertigen, dass Kirchen schließen müssen“, so Münz.

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