Montag • 18. Februar
Pro und Kontra
22. Januar 2019

Hausschulunterricht in Deutschland erlauben?

Der Schulleiter des privaten evangelischen Lukas-Gymnasiums in München, Jörg Birnbacher und der Sprecher der christlichen Organisation ADF International, Andreas Thonhauser. Foto: Privat; ADF International
Der Schulleiter des privaten evangelischen Lukas-Gymnasiums in München, Jörg Birnbacher und der Sprecher der christlichen Organisation ADF International, Andreas Thonhauser. Foto: Privat; ADF International

Wetzlar (idea) – Sollte man Hausschulunterricht in Deutschland erlauben? Dazu äußern sich zwei Experten in einem Pro und Kontra für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar). Anlass ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (Straßburg). Es wies am 10. Januar die Klage christlicher Eltern ab, die ihre vier Kinder zu Hause unterrichtet haben. Dirk und Petra Wunderlich (Ober-Ramstadt bei Darmstadt) hatten geklagt, weil die Polizei ihre Kinder 2013 zu Hause abgeholt hatte, um sie zur Schule zu bringen.

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Pro: Hausschulunterricht ist eine Bereicherung für die Gesellschaft

Für die Zulassung des Hausschulunterrichts plädiert Andreas Thonhauser (Wien), Sprecher der christlichen Organisation ADF International (Allianz zur Verteidigung der Freiheit). Nach seinen Worten können Kinder und Eltern dabei das Tempo innerhalb eines vorgegebenen Jahreslehrplans bestimmen. Jahresprüfungen durch externe Lehrer könnten den Lernfortschritt beurteilen. Gerade in den ersten Schuljahren bewältigten die meisten Hausschüler den Schulstoff leicht bis Weihnachten. Danach werde das Wissen der Kinder vertieft und erweitert. Im außerschulischen Unterricht bleibe viel Freiraum für Sport, Musik, Museumsbesuche, Fremdsprachenförderung und Projekte. Bei so viel Aktivität könne von Vereinsamung keine Rede sein. Laut Thonhauser sind US-Hausschüler nicht von ungefähr an den Elite-Universitäten des Landes begehrte Kandidaten. Der ADF-Sprecher: „Hausschulunterricht ist also keine Bedrohung, sondern eine Bereicherung für die Gesellschaft.“

Kontra: Die Schulpflicht ist ein hohes demokratisches Gut

Anderer Meinung ist der Schulleiter des privaten evangelischen Lukas-Gymnasiums in München, Jörg Birnbacher. Ihm zufolge ist die Schulpflicht ein hohes demokratisches Gut: „Sie darf nicht leichtfertig zur Disposition gestellt werden.“ Alle Kinder hätten so einen uneingeschränkten Bildungszugang. Die Schulpflicht gewährleiste ferner einen qualifizierten Unterricht von Pädagogen. Sie hätten sich in einem Hochschulstudium intensiv auf ihre Aufgabe vorbereitet und übten sie unter staatlicher Aufsicht nach einheitlichen Lehrplänen zum Wohle der Kinder aus. Die Schüler lernten, sich in einer pluralistischen Gesellschaft zurechtzufinden und nicht als Sonderling zu gelten. Somit leiste die Schulpflicht auch einen wichtigen Beitrag, um drohende Parallelgesellschaften zu verhindern. Wer dennoch aus christlicher Sicht Vorbehalte gegen staatliche Schulen hege, könne sich für eine Schule in privater Trägerschaft entscheiden, die von engagierten Christen betrieben werde. Dort erlebten Kinder ein Umfeld, das dem biblischen Menschenbild entspreche, und sie erhielten gleichzeitig eine überdurchschnittlich gute Ausbildung.

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