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AfD-Bundestagsfraktion
31. Januar 2019

Broder: Verzicht auf Begriff „christliches Abendland“ ist Unterwerfung

Der jüdische Publizist Henryk M. Broder bei seinem Vortrag vor der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag. Screenshot: Facebook/AfD-Bundestagsfraktion
Der jüdische Publizist Henryk M. Broder bei seinem Vortrag vor der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag. Screenshot: Facebook/AfD-Bundestagsfraktion

Berlin (idea) – Kritik an Äußerungen des Vorsitzenden der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (München), hat der jüdische Publizist Henryk M. Broder (Berlin) geübt. Marx hatte sich dafür ausgesprochen, den Begriff „christliches Abendland“ nicht zu verwenden, denn er sei „vor allem ausgrenzend“. Diese Äußerung stehe für „präventive Unterwerfung“, sagte Broder am 29. Januar in einem Vortrag vor der AfD-Fraktion. Die Tageszeitung „Die Welt“ dokumentierte die Rede. Broder zufolge sprechen aus dieser Äußerung „Hochmut und Heuchelei: ‚Seht her, wie tolerant wir sind! Wir beanspruchen nicht einmal unsere Geschichte für uns.‘“ Die Idee, niemand ausgrenzen zu wollen, rase an der Wirklichkeit vorbei. Broder: „Ich bin noch nie zu einer Eucharistie-Feier eingeladen worden. Werde ich deshalb ausgegrenzt?“

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Das Klima ist der „Fetisch der Aufgeklärten“

Broder sprach über das Thema „politische Korrektheit“. Dabei kritisierte er auch die Debatte um den Klimawandel. Das Klima sei „zum Fetisch der Aufgeklärten“ geworden, „die weder an Jesus noch an Moses oder Mohammed glauben“. Er glaube „nicht einmal daran, dass es einen Klimawandel gibt, weil es noch keinen Tag in der Geschichte gegeben hat, an dem sich das Klima nicht gewandelt hätte“. Klimawandel sei so neu wie die ewige Abfolge von Winter, Frühjahr, Sommer und Herbst. Broder verwies auf einen Ausspruch des britischen Schriftstellers Gilbert Keith Chesterton (1874–1936), bekannt durch Kriminalromane über die Figur Pater Brown: „Seit die Menschen nicht mehr an Gott glauben, glauben sie nicht an nichts, sie glauben allen möglichen Unsinn.“ Der Publizist begründete auch, warum er die Einladung der AfD angenommen habe. Er lasse sich als mündiger Bürger dieser Republik nicht vorschreiben, „wo ich auftreten darf und wo nicht“. Außerdem empfinde er den Umgang mit der Partei „alles andere als fair“. Zu möglichen Protesten gegen seinen Auftritt sagte er: „Wenn es keinen Shitstorm gibt, ist es gut, wenn es einen gibt, ist es noch besser.“

Was Broder an der AfD kritisiert

Broder übte aber auch Kritik an der AfD. Damit er die Partei wählen könnte, müsste mehr passieren, als dass sie das Existenzrecht Israels bejahe: „Sie müssten Ihre Begeisterung für Russland und Putin dämpfen, Ihre USA-Allergie kurieren, Zweideutigkeiten in Bezug auf die deutsche Geschichte unterlassen und sowohl Ihren Mitgliedern wie Wählern klaren Wein darüber einschenken, dass sie kein Depot für kontaminierte deutsche Devotionalien sind.“ Das könnte die Partei Wähler kosten. Aber das sollte es ihr wert sein, so Broder. Denn für Parteien gelte das gleiche wie für guten Wein: „Ein Tropfen Buttersäure verdirbt den Geschmack der ganzen Flasche.“

AfD-Foto löst Empörung aus: Alice Weidel umarmt Broder

Eine Empörungswelle im Internet löste dann vor allem ein von der AfD verbreitetes Foto aus, das Broder zeigt, wie ihn die Fraktionsvorsitzende Alice Weidel vor seiner Rede umarmt. Dazu erklärte er in der „Welt“: „Es wäre richtig gewesen, sich der Umarmung zu entziehen. Als Journalist sollte man auf Distanz zu Politikern und Politikerinnen achten.“ Es gebe freilich keinen Grund, aus dieser Umarmung weitere Schlüsse zu ziehen. Broder: „Ich bitte um Entschuldigung und gelobe, bei der nächsten Gelegenheit vorsichtiger zu sein.“

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