Frei-/Kirchen
Neues Gesangbuch: Erste Rückmeldungen überwiegend positiv
Das neue Evangelische Gesangbuch stößt in der Erprobungsphase auf breite Zustimmung: Rund drei Viertel der fast 6.700 Rückmeldungen bewerten die geplanten Neuerungen positiv. Doch es gibt auch Kritik – besonders von Pfarrern im Ruhestand und hauptamtlichen Kirchenmusikern.
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Die Erprobungsphase für das neue Evangelische Gesangbuch stößt in den Gemeinden überwiegend auf Zustimmung: Rund drei Viertel der Befragten bewerten die geplanten Neuerungen grundsätzlich positiv. Das sagte der Referent der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das neue Evangelische Gesangbuch, Lukas Bauer, in einem Interview, das auf der Internetseite der EKD veröffentlicht wurde.
Insgesamt seien fast 6.700 Rückmeldungen eingegangen. 87 Prozent der Befragten gaben an, im neuen Gesangbuch Impulse für ihr persönliches Glaubensleben zu finden. Bauer sieht darin eine Bestätigung des Konzepts, das Gesangbuch nicht nur als Werkzeug für den Gottesdienst, sondern auch als „spirituellen Lebensbegleiter“ zu gestalten.
Ziel sei ein Gesangbuch, „das die Vielfalt der evangelischen Kirche abbilde“, so Bauer. Verschiedene Frömmigkeitstraditionen, Singformen, Gattungen und Epochen sollten berücksichtigt werden. Diese Linie werde positiv angenommen und gebe „Rückenwind“ für die weitere Detailarbeit.
Texte und Lieder werden künftig kombiniert
Eine grundsätzliche Neuerung betrifft das Zusammenspiel von Texten und Liedern. Einen klassischen Textteil werde es nicht mehr geben, erläuterte Bauer. Stattdessen würden Texte dort platziert, wo sie inhaltlich passten – etwa Abendgebete bei den Abendliedern.
Auch die Psalmen rückten in die Mitte des Buches. Jede Rubrik beginne mit einem Mottolied. Die übrigen Lieder folgten dann chronologisch nach ihrer Entstehungszeit. Zu vielen Psalmtexten gebe es Kehrverse, die Sprechen und Singen verbänden.
Besonders groß sei die Zustimmung bisher bei den 14- bis 49-Jährigen. „Dass die Jugend singt und sich für Gottesdienst und Kirchenmusik interessiert, ist für mich keine neue Erkenntnis“, so Bauer. Die Art der musikalischen Bindung an die Kirche sei aber vielfältiger geworden. Sie erfolge nicht mehr nur im Sonntagsgottesdienst oder in der Kantorei, sondern auch in Projektchören, Bands, Jugend- und Kinderchören. „Diese Vielfältigkeit wird durch das neue Gesangbuch gestärkt“, so Bauer.
Kritik von Ruheständlern und Kirchenmusikern
Den bisherigen Rückmeldungen zufolge bildeten Pfarrer im Ruhestand die kritischste Zielgruppe. Dieses Ergebnis habe Bauer nicht erwartet. „Wir müssen sie vielleicht mehr als bisher im Blick behalten und mitnehmen“, so Bauer. Bei der Frage der passenden Tonhöhen zeigten sich hauptamtliche Kirchenmusiker besonders kritisch, während Nebenamtliche dies teilweise anders bewerteten. Die Rückmeldungen widersprächen sich zum Teil: „Manchen ist noch zu viel Altes enthalten, für andere zu viel Neues.“
Die Kritikpunkte würden in Fachausschüssen beraten und anschließend in der 70-köpfigen Gesangbuchkommission beschlossen. Das neue Gesangbuch wird rund 600 Lieder enthalten, eine weitaus größere Anzahl soll online verfügbar sein.