Glaube

Miroslav Chrobak: „Herr, ich brauche dich, dass du mich veränderst“

Miroslav Chrobak schreibt und singt über Glauben, Zweifel und die Sehnsucht nach Veränderung. In seinem Buch „Herr, wenn nicht du mein Herz bewegst“ beschäftigt er sich mit der Frage, warum gute Vorsätze oft scheitern. Auch auf seiner Tour „Himmel im Herzen“ soll es um echte Herzensveränderung gehen. IDEA-Redakteurin Erika Weiss hat mit ihm gesprochen.

Lesezeit: 8 min

Das Sänger-Ehepaar Miroslav und Jeannette Chrobak.
Das Sänger-Ehepaar Miroslav und Jeannette Chrobak. Foto: Gennadi Unger

IDEA: Herr Chrobak, viele Christen wünschen sich, dass sich ihr Herz verändert. Warum scheitern sie daran Ihrer Meinung nach so oft?

Miroslav Chrobak: Wir gehen in die Kirche, hören Predigten, lesen Bibel, woraus wir einen Maßstab entwickeln. Anschließend versuchen wir, diesen Standard vor allem auf der Verhaltensebene zu übernehmen. Aber wir merken irgendwann, dass wir ihn aus eigener Kraft nicht erreichen können. Dieses Scheitern ist aber nicht nur negativ. Es lässt uns verstehen, dass wir Jesus brauchen. 

Auch Jesus setzt – etwa in der Bergpredigt – Maßstäbe, die für uns allein viel zu hoch sind. Aber es geht nicht darum, nach außen hin scheinbar gute Christen zu sein. Veränderung muss von innen nach außen geschehen: nicht nur liebevoll zu reagieren, sondern Liebe wirklich im Herzen zu empfinden.

IDEA: Warum reichen neue Vorsätze nicht aus – etwa: „Ab morgen bin ich geduldiger, disziplinierter und bete mehr“?

Unser Wille ist wichtig, weil er eine Tür für Gottes Wirken öffnet. Wir müssen Ja sagen und uns auch bemühen. Aber unser Wille ist zu schwach, um Veränderung allein hervorzubringen. Ich glaube deshalb nicht an den Satz: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“ Eher würde ich sagen: Wo Gnade ist, da ist ein Weg. Oder: Wo Demut ist, fließt Gnade. Ziele zu setzen, ist nicht falsch. 

Aber wir müssen in Abhängigkeit von Jesus leben und uns immer wieder auf ihn werfen. Gnade ist nicht das Gegenteil von Mühe, sondern das Gegenteil von Verdienst. Wir sollen uns anstrengen – aber zugleich verstehen, dass wir auf Gott angewiesen bleiben.

Der christliche Sänger und Komponist Miroslav Chrobak (28) ist verheiratet mit Jeannette, die ebenfalls Sängerin ist. Die beiden haben zwei Kinder und leben in Meppen (Emsland).

Seit 2020 verheiratet: Miroslav und Jeannette Chrobak.
Seit 2020 verheiratet: Miroslav und Jeannette Chrobak. Foto: privat

IDEA: In einem Ihrer Lieder heißt es: „Herr, wenn nicht du, mein Herz bewegst. Herr, wenn nicht du, den Wunsch in mich legst. Herr, wenn nicht du, geh ich dahin. Herr, wenn nicht du, verliert mein Leben den Sinn.“ Haben wir Veränderung also gar nicht selbst in der Hand?

Doch, aber es ist ein verflochtenes Zusammenspiel. Ich glaube, Veränderung liegt mehr in unserer Hand, als wir oft erahnen – und gleichzeitig weniger, als wir uns vorstellen. Wir müssen etwas beitragen, uns bemühen und Schritte gehen. Dabei ist es entscheidend zu verstehen, welche Rolle wir in dem Veränderungsprozess einnehmen, welche Aufgaben uns zustehen und welche nicht. Gleichzeitig brauchen wir Gottes Gnade. 

Der Titel meines Buches ist deshalb im Grunde ein Gebet: „Herr, wenn nicht du mein Herz bewegst.“ Es erinnert mich daran, dass Veränderung möglich ist, wir aber immer wieder auf Gottes Gnade angewiesen sind. 

IDEA: Was würden Sie jemandem raten, der sagt: „Ich wünsche mir so sehr, dass Gott mein Herz verändert“?

Zunächst würde ich fragen, worum es konkret geht. Viele Menschen nehmen sich etwas vor – geduldiger mit ihren Kindern zu sein oder bestimmte Gewohnheiten zu ändern – und scheitern dann nach wenigen Tagen. Das kenne ich auch von mir selbst. Mein Rat wäre, ins Gebet zu gehen und ehrlich zu sagen: „Herr, verändere mein Herz und beginne dort, wo es nötig ist.“ Manchmal brauchen wir Kraft, um etwas umzusetzen. Aber oft geht es tiefer: um Haltungen, Denkweisen und Gefühle, die wir selbst nur schwer verstehen oder verändern können. Gott kann unsere Wünsche und Gefühle neu ausrichten. Ich bete seit Jahren: „Herr, ich brauche dich, dass du mich veränderst.“

IDEA: Sie schreiben auch über ein „zerbrochenes Herz“. Warum kann gerade das ein guter Ausgangspunkt für Veränderung sein?

Ein zerbrochenes Herz ist eine Haltung, die Gott immer wieder sucht. Ich würde sagen: Ein Christ wächst nicht nach oben, sondern nach unten – er wird demütiger. In Gnade zu wachsen heißt nicht, immer mehr allein zu schaffen. Es heißt, immer abhängiger von Gottes Gnade zu werden. Ein zerbrochenes Herz sagt: „Herr, ich brauche dich. Ich sehe, wer ich bin, und ich sehe, wer du bist.“ Diese Abhängigkeit führt tiefer in die Verbindung mit Gott und macht es möglich, aus seiner Gnade heraus zu leben.

Miroslav Chrobak hat ein Buch mit dem Titel „Herr, wenn nicht du mein Herz bewegst“ geschrieben.
Miroslav Chrobak hat ein Buch mit dem Titel „Herr, wenn nicht du mein Herz bewegst“ geschrieben. Foto: Tobias Kebernik

IDEA: Wie haben Sie selbst Herzensveränderung erlebt?

Ich bin christlich aufgewachsen, mein Vater ist Pastor. Aber ich habe schon mit elf oder zwölf Jahren begonnen, an Gott und dem Glauben zu zweifeln. Ich wollte wissen, ob die Bibel auch heute noch wahr ist. Mit 14 habe ich dann bewusst eine Entscheidung für Gott getroffen – auch, weil ich meinen Vater und andere Menschen gesehen habe, die ihren Glauben lebten. 

Trotzdem habe ich gemerkt: Ich weiß zwar, was richtig und falsch ist, aber ich empfinde es nicht unbedingt so und lebe es nicht automatisch. Dinge wie Beten, Bibellesen oder ein christlicher Lebensstil fielen mir schwer. Mein erstes Lied, das ich mit 16 Jahren geschrieben habe, hieß deshalb „Lass mich leben wie du“. Es war eigentlich ein Gebet: „Herr, verändere mein Herz.“ 

Mit der Zeit habe ich erlebt, wie sich Wünsche verändern können. Ich habe etwa eine neue Liebe zum Gebet entwickelt und gelernt, darin zu verweilen. Das war für mich eines der größten Wunder: zu merken, dass Gott nicht nur äußeres Verhalten verändert, sondern auch das Herz.

„Das war für mich eines der größten Wunder: zu merken, dass Gott nicht nur äußeres Verhalten verändert, sondern auch das Herz.“

– Miroslav Chrobak 

IDEA: Wo hat Gott Ihr Herz zuletzt bewegt?

Das passiert fast täglich. Zuletzt habe ich neu verstanden, dass meine Lieder nicht einfach „Miroslavs Lieder“ sind, die ich unbedingt schützen muss. Sie sind ein Geschenk Gottes. Ich darf sie schreiben, ausführen und in die Welt setzen – aber letztlich gehören sie nicht mir. Das befreit mich, fordert mich aber auch heraus. Zum Beispiel dann, wenn andere Menschen meine Songs anders singen oder verändern möchten. Natürlich kann man darüber diskutieren. Aber aus dieser Perspektive hilft es mir, weniger daran festzuhalten und mich eher als Verwalter eines Geschenks zu verstehen.

IDEA: Ihre Tour trägt den Titel „Himmel im Herzen“. Was sollen Besucher daraus für ihren Alltag mitnehmen?

Ich möchte das Evangelium ins Zentrum stellen. Für mich bedeutet es nicht nur, dass Jesus für uns gestorben ist und die Schuld vergibt. Es bedeutet auch Hoffnung durch die Auferstehung und Befähigung durch den Heiligen Geistes, der uns verändern kann. Viele Menschen geraten in einen Kreislauf: Sie setzen sich Ziele, versuchen es, scheitern – und irgendwann zerbrechen sie daran. Ich möchte zeigen, dass Veränderung möglich ist. 

„Himmel im Herzen“ meint nicht einfach einen Weg in den Himmel, sondern dass Gott etwas von seinem Himmel in unser Herz legt: Frieden, Heilung, Freude und Hoffnung. Genau darum soll es bei den Tourabenden gehen.

IDEA: Deutsche, christliche Musik erlebt in den vergangenen Jahren mehr Aufmerksamkeit. Was suchen Menschen darin?

Wir leben in einer Zeit voller schlechter Nachrichten, Kriege, Katastrophen, Unsicherheit und Orientierungslosigkeit. Das Christentum kann Werte und Orientierung geben. Die Botschaft von Freude und Hoffnung zieht Menschen vielleicht an oder gibt ihnen Halt. Ich bin überzeugt, dass Musik ein starkes Sprachrohr ist. Sie bewegt Herz und Verstand, erreicht Junge und Alte und kann tiefe Botschaften auf eine künstlerische Weise transportieren.

IDEA: Das Rapper-Duo O’Bros hat es schon mehrfach in die Charts geschafft. Wäre das auch für Sie ein Ziel?

Es ist kein Ziel, das ich besonders verfolge. Ich hatte nie den Plan, christlicher Musiker in dieser Form zu werden. Es hat sich Schritt für Schritt entwickelt, und ich sehe es als Gottes Geschenk, mit dem ich verantwortungsvoll umgehen möchte. Natürlich wären Charts schön und sie können Reichweite schaffen. Aber vieles, was im Reich Gottes geschieht, bleibt unsichtbar. Und das ist wahrscheinlich wichtiger als das, was Menschen messen oder sehen können.

IDEA: Ihre Musik wirkt oft nachdenklich und melancholisch.

Ich bin selbst eher ein nachdenklicher Mensch. Aber vor allem möchte ich mit meiner Musik nicht unterhalten, sondern Menschen zum Nachdenken bringen. Das führt oft dazu, dass meine Musik melancholisch ist.

„Vor allem möchte ich mit meiner Musik nicht unterhalten, sondern Menschen zum Nachdenken bringen.“

– Miroslav Chrobak 

IDEA: Sie haben über 60 Lieder geschrieben. Welche Liedzeile würden Sie Menschen gern mitgeben?

„Bei dir darf ich sein.“ Das Lied handelt von Identität und Annahme. Ich glaube, Veränderung beginnt dort, wo wir uns geliebt wissen. Wir müssen Gott nichts durch Leistung beweisen. Wenn wir seine Liebe verstehen und erleben, wird sie uns nicht passiv machen, sondern verändern und antreiben.

IDEA: Vielen Dank für das Gespräch.

Vom 10. bis 18. Oktober gehen Miroslav und Jeannette Chrobak mit ihrer achtköpfigen Band auf Tour. Alle Infos unter: miroslavchrobak.de

Miroslav und Jeannette Chrobak gehen auf Deutschland-Tour.
Miroslav und Jeannette Chrobak gehen auf Deutschland-Tour. Foto: Gennadi Unger

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