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Assyrischer Kulturverein
27. September 2019

Saarland lehnt die Aufnahme von 400 christlichen Assyrern ab

Der Vorsitzende des Assyrischen Kulturvereins Saarlouis, Charli Kanoun. Foto: picture-alliance/AP Photo
Der Vorsitzende des Assyrischen Kulturvereins Saarlouis, Charli Kanoun. Foto: picture-alliance/AP Photo

Saarbrücken (idea) – Das Saarland hat die Aufnahme von 400 christlichen Assyrern aus Syrien abgelehnt. Der Assyrische Kulturverein Saarlouis hatte die Landesregierung gebeten, die Christen in das Bundesland einreisen zu lassen. Sie würden in Syrien massiv bedroht, erklärte der Vorsitzende, Charli Kanoun, gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea.

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Die Christen seien 2015 von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) aus ihren Dörfern vertrieben und teilweise verschleppt worden. Nach der militärischen Niederlage des IS seien sie dorthin zurückgekehrt. Dort brennten radikale Muslime jetzt ihre Felder ab und griffen ihre Häuser mit Brandsätzen an. Im Saarland lebten bereits rund 500 christliche Assyrer, die gut integriert seien. Sie seien bereit, sich um die Neuankömmlinge zu kümmern und einen großen Teil von ihnen in Privathäusern zu beherbergen.

Regierung: Aufnahme übersteigt die Möglichkeiten

Die Sprecherin der Landesregierung, Anne Funk, erklärte dagegen gegenüber der „Saarbrücker Zeitung“, die Aufnahme von 400 zusätzlichen Flüchtlingen im Saarland sei nicht möglich. Allein die voraussichtlichen Kosten für ihre Versorgung von rund vier Millionen Euro pro Jahr überstiegen die begrenzten Möglichkeiten des kleinen Bundeslandes.

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) habe stattdessen in einem Schreiben an Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) vorgeschlagen, die 400 Christen auf alle Bundesländer zu verteilen. Nach dem üblichen Verteilschlüssel könne das Saarland dann bis zu fünf von ihnen aufnehmen.

Assyrer: Entscheidung ist menschenverachtend, zynisch und feige

Der Assyrische Kulturverein bezeichnete die Entscheidung der Landesregierung in einer Stellungnahme als „zynisch, menschenverachtend und feige“. Seit 2015 seien 10.000 andere Flüchtlinge ins Saarland gekommen. „Hier geht es um 400 akut bedrohte Christen, und die Regierung wirft uns eine Beruhigungspille hin“, so der Kulturverein.

Die Assyrer sind die Nachfahren einer der ältesten Kulturnationen der Welt: Das Assyrische Reich existierte über 1.200 Jahre bis etwa 600 vor Christus vor allem in Mesopotamien (dem Gebiet des heutigen Syrien, Irak und Iran). Sie erlebten im Laufe ihrer jüngeren Geschichte zahlreiche Verfolgungen.

Die Assyrer sprechen Aramäisch – die Sprache Jesu – und sind heute zumeist Mitglieder der Chaldäisch-Katholischen, der Syrisch-Katholischen und der Syrisch-Orthodoxen Kirche sowie der Assyrischen Kirche des Ostens.

Die Zahl der Assyrer im Irak und in Syrien ist seit dem Beginn des syrischen Bürgerkriegs und dem Erstarken des Islamischen Staates (IS) stark geschrumpft. Weltweit gibt es Schätzungen zufolge drei Millionen assyrische Christen.

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