Menschenrechte

Pakistan: Entführungen und Zwangskonversionen nehmen zu

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Am 15. März war die taubstumme minderjährige Christin Komal Patras in der Stadt Lahore entführt worden. Foto: pixabay.com
Am 15. März war die taubstumme minderjährige Christin Komal Patras in der Stadt Lahore entführt worden. Foto: pixabay.com

Göttingen (idea) – In Pakistan werden junge Christinnen und Hindu-Frauen vermehrt entführt und gezwungen, zum Islam überzutreten und einen Muslim zu heiraten. Das berichtet die Gesellschaft für bedrohte Völker (Göttingen). Schätzungen zufolge seien jährlich rund 1.000 Zwölf- bis 25-Jährige aus diesen religiösen Minderheiten betroffen. Die Menschenrechtsorganisation fordert die Einrichtung eines Rechtshilfefonds. Dieser soll die oft mittellosen Eltern beim Kampf gegen die Zwangskonversionen zum muslimischen Glauben unterstützen. „Die meisten Eltern haben nicht die finanziellen Mittel, um vor Gericht gegen die oft namentlich bekannten Entführer vorzugehen und die Freilassung ihrer verschleppten Töchter zu erzwingen“, erklärte der Direktor der Organisation, Ulrich Delius, am 8. Juni in Göttingen. Pakistans religiöse Minderheiten forderten ein Ende von Terror und Willkür durch religiöse Extremisten. „Entführer müssen zu spüren bekommen, dass ihre Straftaten Folgen haben und vor Gericht geahndet werden. Die Verbrechen an Christinnen und Hindu dürfen nicht länger straflos bleiben“, so Delius. Als Angehörige religiöser Minderheiten seien Christinnen und Hindu-Frauen in Pakistan oft schutzlos vor Übergriffen sunnitischer Extremisten. „Doch ihre Familien sind nicht länger bereit, die Verschleppung ihrer Töchter tatenlos hinzunehmen.“

Christliche Familie reicht Petition ein

Am 2. Juni reichte der Rechtsanwalt der christlichen Familie Shehbaz eine Petition beim Obersten Gericht Pakistans ein, um ein Urteil des Amtsgerichts in Faisalabad aufzuheben. Das nachgeordnete Gericht hatte die Ehe ihrer verschleppten 14-jährigen Tochter Myra für rechtmäßig erklärt, nachdem den Richtern eine offensichtlich gefälschte Geburtsurkunde vorgelegt worden war. Darin wurde das Alter des entführten Mädchens mit 19 Jahren angegeben. Myra war Ende April 2020 auf offener Straße in der nahe Faisalabad gelegenen Stadt Madina von Bewaffneten verschleppt worden. Später musste sie zum muslimischen Glauben übertreten und ihren Entführer Mohamad Nakash heiraten. Manche Mädchen oder junge Frauen werden auch verschleppt, um sie zu vergewaltigen oder als Zwangsprostituierte arbeiten zu lassen. Am 15. März war die taubstumme minderjährige Christin Komal Patras in der Stadt Lahore entführt worden. Die Eltern verdächtigten drei Muslime der Tat. Doch die Polizei weigerte sich, die Namen der Verdächtigen in der Vermisstenanzeige zu erwähnen.

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