Montag • 14. Oktober
Zürich
16. September 2019

„Marsch fürs Läbe“ überschattet von gewalttätigen Protesten

1.200 Teilnehmer demonstrierten für das Lebensrecht von Menschen mit Downsyndrom. Foto: Marsch fürs Läbe
1.200 Teilnehmer demonstrierten für das Lebensrecht von Menschen mit Downsyndrom. Foto: Marsch fürs Läbe

Zürich (idea) – Von gewalttätigen Protesten linksautonomer Gegendemonstranten überschattet war der von Abtreibungsgegnern organisierte „Marsch fürs Läbe“ (Marsch für das Leben) am 14. September in Zürich. Unter dem Motto „Danke, dass ich leben darf!“ demonstrierten nach Angaben der Veranstalter rund 1.200 Teilnehmer friedlich für das Lebensrecht von Kindern mit dem Downsyndrom. Es gab zwei Gegendemonstrationen – eine angemeldete der Schweizer Jusos, die friedlich verlief, sowie eine nicht genehmigte der „Revolutionären Jugend Zürich“. Letztere wandte sich Medieninformationen zufolge gegen „die reaktionäre Hetze der christlichen Rechten“. Einige Teilnehmer bewarfen die Polizei mit Flaschen und zündeten Müllcontainer an. Die Polizei reagierte auf die Übergriffe mit Gummischrot und Tränengas. Drei Polizisten wurden leicht verletzt, ein 30-jähriger Demonstrant festgenommen. Auf dem Onlineportal „Barrikade.info“ hieß es, dass die Proteste erfolgreich verlaufen seien. Die „Fundi-Faschos“ seien daran gehindert worden, die geplante Route zu gehen. Die Jungsozialisten kritisierten den Polizeieinsatz. Eine Sprecherin erklärte: „Es kann nicht sein, dass christliche Fundamentalisten in Zürich ihre Hetze verbreiten können.“

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Für Babyklappen statt Abtreibungen

An der Demonstration der Lebensrechtler, die zum zehnten Mal stattfand, beteiligten sich auch Pro-Life-Gruppen aus Polen, Österreich und Deutschland. Kantonsrat Hans Egli (Zürich) von der Eidgenössisch-Demokratischen Union (EDU) plädierte für die Einführung von Babyklappen, in die Mütter ihr ungewolltes Neugeborenes ablegen können. Ferner kritisierte er, dass die psychischen Folgen einer Abtreibung für die Frau von den Beratungsstellen sowie von den Schulen zu wenig berücksichtigt würden. Der Kantonsrat Zürich ist das Parlament des Kantons Zürich. Der Apostolische Administrator des Bistums Chur, Bischof Peter Bürcher, hatte ein Grußwort geschickt, das verlesen wurde. Darin heißt es: „Heute stehen wir zusammen, um die Menschen mit Downsyndrom nicht allein zu lassen, sondern sie und ihr Leben in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit zu stellen. Wir wollen diejenigen von ihnen, die unter uns leben, bestärken. Wir sagen euch und der ganzen Schweiz: Euer Leben ist wertvoll.“ Er verurteilte ferner die Selektion von Kindern mit Trisomie und forderte: „Sie muss aufhören, weil sie ein großes Unrecht ist und viele Gewissen schwer belastet.“ Die Mitbegründerin des Lebenshilfezentrums „Huus Rägebogen“ (Haus Regenbogen) in Wattenwil, Monika Schmid, berichtete, dass sie nach der Geburt ihrer am Downsyndrom erkrankten Tochter Priscilla weitere Kinder mit Einschränkungen adoptierte und ein Haus gründete, das begleitetes Wohnen und Arbeiten in familiärer Atmosphäre für Menschen mit geistiger Behinderung bietet: „So lernen Kinder wie auch Erwachsene, dass das Leben nicht perfekt sein muss.“ Nach Angaben des Bundesamts für Statistik (Neuchâtel) werden jährlich etwa 10.000 Kinder in der Schweiz abgetrieben.

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