Sonntag • 20. Oktober
Iranische Christin
04. Oktober 2019

Bei Abschiebung droht der Tod

Im Falle einer Abschiebung in den Iran droht der Christin wegen Abfalls vom Islam der Tod. Foto: pro/Norbert Schäfer
Im Falle einer Abschiebung in den Iran droht der Christin wegen Abfalls vom Islam der Tod. Foto: pro/Norbert Schäfer

Herborn/Wetzlar (idea) – Im Fall der von einer Abschiebung bedrohten iranischen Christin aus dem mittelhessischen Herborn, die unter dem Decknamen „Mahsa“ deutschlandweit bekannt ist, gibt es keine Fortschritte. Das sagte einer ihrer Unterstützer, der Arzt Georg Müller (Solms bei Wetzlar), der Evangelischen Nachrichtenagentur idea: „Es ist eher schlimmer geworden als besser.“ Die Christin muss wegen Abfalls vom Islam bei einer Abschiebung im Iran mit ihrem Tod rechnen, so Müller.

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Sie war 2015 aus dem Iran nach Deutschland geflohen, weil die Religionspolizei sie als Konvertitin verhaften wollte. Doch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) lehnte ihren Antrag auf Asyl ab. Auch alle juristischen Schritte hatten keinen Erfolg, so dass sie nach Auffassung der Behörden Deutschland verlassen muss.

Petition wurde bisher nicht behandelt

Daraufhin hatten sich über 7.800 Personen hinter eine von Müller initiierte Petition gestellt, die dem Petitionsausschuss des Hessischen Landtags vorgelegt wurde, um ein Bleiberecht für „Mahsa“ zu erwirken. Doch der Ausschuss hat sich bisher nicht mit der Eingabe befasst. Warum die Parlamentarier so reagierten, sei nicht bekannt. Doch die Situation für „Mahsa“ werde immer schwieriger.

Müller: „Im Fall Mahsa spielt das Regierungspräsidium jetzt die harte Karte aus.“ Weil die 38-Jährige der Aufforderung nicht nachgekommen sei, sich bei der iranischen Botschaft einen Pass ausstellen zu lassen, drohe man ihr, die Sozialhilfe zu kürzen. Sie dürfe nicht arbeiten und müsste alle vier Wochen eine Verlängerung ihrer Duldung beantragen. Zudem dürfe sie Herborn nicht verlassen. Doch „Mahsa“ habe es abgelehnt, bei der Botschaft vorstellig zu werden, um ihre Identität nicht preiszugeben.

Antrag an die Härtefallkommission gestellt

Nach den Worten von Müller läuft noch ein Antrag bei der Härtefallkommission des hessischen Innenministeriums. Als behördenunabhängiges Gremium kann es Härtefallersuchen an die für das Aufenthaltsrecht zuständige oberste Landesbehörde stellen.

Müller zeigte sich zudem enttäuscht, dass die ihm bekannten Bundes- und Landespolitiker sich für „Mahsa“ bisher nicht erkennbar eingesetzt hätten. Dabei hätten Christen aus der Region rund 100 persönliche Briefe an die Politiker verfasst, um sie zu bitten, sich für die Iranerin zu engagieren. Die Unsicherheit zehre an den Nerven der Konvertitin. Müller: „Mahsa geht es schlecht.“ Sie leide unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Sie habe oft Alpträume.

Im Gespräch mit ihm habe sie wiederholt gesagt, dass es ihr wie Hiob aus dem Alten Testament gehe. Laut Müller entstammt „Mahsa“ einer wohlhabenden und einflussreichen Familie des Landes aus der südiranischen Millionenmetropole Ahwaz. Ihr Vater steht an der Spitze eines Ölkonzerns, ein Bruder ist bei der Regierung tätig. Durch den Kontakt mit Christen fand sie zum christlichen Glauben.

„Mahsa“ hat einen neuen Anwalt

Inzwischen hat die Iranerin einen neuen Anwalt: den auf Asylrecht spezialisierten Andreas Hantschel (Frankfurt am Main). Er ist auch als Kirchenasylbeauftragter für die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) tätig und aktiv in der Gruppierung „Christ und Jurist“. Wie er idea sagte, bereitet er derzeit einen Folgeantrag beim BAMF vor, damit „Mahsa“ doch noch Flüchtlingsschutz erhält.

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