Gesellschaft
Klopp: „Der Glaube führt mich durchs Leben“
Der neue Bundestrainer Jürgen Klopp ist nicht nur Fußballtrainer, sondern auch überzeugter Christ. Eine neue Biografie beleuchtet, wie sein Glaube Entscheidungen, Werte und seinen Umgang mit Erfolg und Niederlagen prägt.
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Der neue Fußball-Bundestrainer Jürgen Klopp (Wiesbaden) bezeichnet den christlichen Glauben als „absoluten Stabilisator“ seines Lebens. Das geht aus der neuen Biografie „Glaube. Liebe. Klopp. Jürgen Klopp und die Neuerfindung des Fußballs“ des Journalisten Michael Horeni hervor, die am 29. Juli im Verlag C. Bertelsmann erscheint. Ein Vorabdruck ist in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erschienen.
„Meine absolute Reißleine“
Klopp, der im Oktober 2024 vom Bundespräsidenten das Verdienstkreuz am Bande erhielt, hatte bei der Ehrung im Schloss Bellevue auf die Frage nach seiner Kraftquelle geantwortet: „Ich bin gläubiger Christ und habe eine fantastische Familie. Das ist die Basis für alles.“ Bei der Verleihung des Walther-Bensemann-Preises im Oktober 2025 nannte er drei Faktoren für seine Wirkung auf Menschen: „Den Glauben habe ich immer, auf meine Erziehung kann ich mich meistens verlassen, und mein gesunder Menschenverstand funktioniert tadellos.“
In einem Video der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum Reformationsjubiläum 2017 hatte Klopp erklärt: „Der Glaube ist meine Grundfeste, mein absoluter Stabilisator. Der Glaube führt mich durchs Leben. Er ist meine absolute Reißleine, meine Leitlinie. Er ist für mich unendlich wichtig.“ Das Video entstand als Zusammenschnitt aus einem Gespräch, das Klopp mit seinem Freund David Kadel (Aachen) für das Filmprojekt „Und vorne hilft der liebe Gott“ geführt hatte.
Kadel arbeitet als Mentaltrainer auch mit Profis und Bundesligaklubs. In dem Gespräch schilderte Klopp, dass er nicht durch ein bestimmtes Ereignis „erleuchtet“ worden sei. Irgendwann habe er einfach gespürt, „dass ich da jemanden habe, auf den ich mich verlassen kann“. In seiner Kindheit habe er Gott als strafende Instanz fürchten sollen und viele Jahre gebraucht, bis er ein positives Gottesbild entwickeln konnte. Als wichtigste Person der Geschichte hatte Klopp bereits 2004 im Fragebogen des „Kicker“ Jesus Christus genannt.
Lutherbibel-Edition und Botschafter der EKD
Im Lutherjahr 2017 erschien unter Klopps Namen eine eigene Lutherbibel-Edition. Auf dem Schuber bekannte er: „Als evangelischem Christen ist mir Martin Luther natürlich ein Vorbild. Ein Kämpfer für die gute Sache, ein Rebell um des Glaubens willen, damit Menschen ihren Glauben ohne Angst und mündig leben können!“ Der liebende Gott, an den er glaube, heiße alle willkommen, „ungeachtet ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft und ihrer Bildung“. Klopp war zu jener Zeit auch Reformationsbotschafter der EKD.
Demut als zentrale Tugend
Als eine der zentralen Tugenden nennt Klopp die Demut. Zusammen mit Dankbarkeit, Disziplin und Durchhaltevermögen bilde sie die „4D“, die er mit Kadel im gemeinsamen Buch „Was macht dich stark?“ (Gerth Medien) beschrieben hat. Dankbarkeit sei „eines der wichtigsten Dinge überhaupt“, so Klopp. Sie entstehe, wenn man seine Position in der Welt nicht allein als eigenes Verdienst begreife. Als Christ glaube er zudem fest an eine zweite Chance, die jeder verdient habe: „Wir alle machen Fehler.“ Erst nach selbst erkannten Fehlern bestehe in seiner protestantischen Vorstellung die Möglichkeit zu Buße und Neuanfang – dank der Barmherzigkeit und Vergebungsbereitschaft Gottes.
Klopps Wechsel als „Head of Global Soccer“ zum Getränkekonzern „Red Bull“ Anfang 2025 hatte laut Horeni bei vielen Fans einen Bruch ausgelöst. Aus dem Helden sei ein Antiheld geworden. Zuvor seien Klopp über Jahre hinweg „quasireligiöse Attribute“ wie Heilsbringer, Auserwählter oder Messias zugeschrieben worden – und das in einem zunehmend säkularen Land. Klopp war zuvor Trainer von Mainz 05, Borussia Dortmund und dem FC Liverpool.