Frei-/Kirchen

Kirchen verpflichten sich zu engerer Zusammenarbeit

Die Unterzeichner bekennen, dass ihre Kirchen „an sündhaften und skandalösen Handlungen beteiligt waren“.

Lesezeit: 3 min

Die Französische Friedrichstadtkirche in Berlin.
Die Französische Friedrichstadtkirche in Berlin. Foto: Wikipedia.org

Die in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) zusammengeschlossenen Kirchen verpflichten sich zu einer engeren Zusammenarbeit. Dazu wurde am 15. September in einem ökumenischen Gottesdienst in Berlin die überarbeitete Charta Oecumenica unterzeichnet. 

Bereits im November 2025 war das Dokument auf europäischer Ebene vorgestellt und in Rom unterzeichnet worden. Die Unterzeichnung für Deutschland stelle die Annahme auf nationaler Ebene dar und sei „der Auftakt für die weitere Umsetzung der Selbstverpflichtungen auf regionaler und lokaler Ebene“, so die ACK. 

Zu den Unterzeichnern gehörten neben anderen der Vizepräsident des Kirchenamtes der EKD, Frank Kopania, Bischof Gerhard Feige (Römisch-katholische Kirche), Metropolit Augoustinos von Deutschland (Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland), die Präsidentin des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, Natalie Georgi, sowie Bischof Werner Philipp (Evangelisch-methodistische Kirche).

Dokument bekennt Sünde in den Kirchen

Die überarbeitete Charta greift Veränderungen auf, die Europa, die Kirchen und die Ökumene seit der ersten Unterzeichnung im Jahr 2001 durchlaufen haben. So werde Europa zunehmend säkularer: „In den meisten Teilen Europas ist die Rolle der Kirchen nicht mehr selbstverständlich.“ Dieser Einflussverlust habe viele Ursachen, „unter anderem einen Mangel an Glaubwürdigkeit aufgrund persönlicher und struktureller Sünden in den Kirchen“. 

Ein eigener Abschnitt geht auf Missbrauch in den Kirchen ein. Die Unterzeichner bekennen, dass ihre Kirchen „an sündhaften und skandalösen Handlungen beteiligt waren, wodurch großer Schaden verursacht und zugelassen wurde“. Sie verpflichten sich, Betroffene anzuerkennen und zu unterstützen sowie „missbräuchliches Verhalten aufzudecken und Täter sowie diejenigen, die sie schützen, zur Rechenschaft zu ziehen“.

Selbstverpflichtungen zu Ökumene, Judentum und Islam

In der Charta bekennen sich die Unterzeichner dazu, Buße zu tun, Vergebung und Versöhnung zu suchen und auf die sichtbare Einheit der Kirche hinzuarbeiten. Angestrebt werden die gegenseitige Anerkennung der Taufe sowie Fortschritte bei der eucharistischen Gastfreundschaft. 

Die Kirchen verpflichten sich zudem, allen Formen von Antisemitismus und Antijudaismus entgegenzutreten und auf institutionelle Judenmission zu verzichten – „und dennoch immer bereit zu sein, persönlich Zeugnis für Jesus abzulegen“. 

Auch der Dialog mit Muslimen soll gefördert werden. Das Papier ruft dazu auf, die „Gemeinschaft mit dem Islam zu stärken“. Für Juden, Christen und Muslime sei Abraham eine Gründungsfigur. 

Ferner ruft das Dokument dazu auf, Gastfreundschaft zu gewähren und Migranten „willkommen zu heißen, zu schützen, zu fördern und zu integrieren“. Zudem wolle man sich mit neuen Technologien wie Künstlicher Intelligenz auseinandersetzen und sie fürs Gemeinwohl nutzen.

Charta ist kirchenrechtlich nicht bindend

Die Charta habe keinen lehramtlichen oder dogmatischen Charakter und sei auch nicht kirchenrechtlich bindend, heißt es in der Charta. Ihre Autorität leite sich aus der freiwilligen Verpflichtung der europäischen Kirchen ab. 

Der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) gehören 21 Kirchen sowie vier weitere Kirchen als Gastmitglieder an. Vorsitzender ist der anglikanische Priester Christopher Easthill (Wiesbaden).

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