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Evangelische Polizeiseelsorge
15. Juni 2020

Ermittlungen bei Kindesmissbrauch belasten Polizisten

Der Leitende Landespfarrer für Polizeiseelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland, Dietrich Bredt-Dehnen. Foto: privat
Der Leitende Landespfarrer für Polizeiseelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland, Dietrich Bredt-Dehnen. Foto: privat

Düsseldorf (idea) – Polizisten, die in Fällen von sexuellem Kindesmissbrauch ermitteln, sind großen seelischen Belastungen ausgesetzt. Das berichtete der Leitende Landespfarrer für Polizeiseelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland, Dietrich Bredt-Dehnen (Wuppertal), der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Hintergrund ist die jüngste Aufdeckung von großen Missbrauchsfällen in Bergisch-Gladbach und Münster.

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Besonders groß sei die Belastung für die rund 400 Spezialisten der Polizei, die sichergestellte Videos und Fotos von den Taten sichteten und auswerteten. Sie hätten sich freiwillig für diese Aufgabe gemeldet, weil sie hochmotiviert seien, die Martyrien der missbrauchten Kinder möglichst schnell zu beenden und die Täter zu stellen. „Die meisten von ihnen können das Ansehen dieser grausamen Bilder und Filme überhaupt nur ertragen, weil sie absolut von der Wichtigkeit ihrer Arbeit überzeugt sind“, erklärte Bredt-Dehnen. In vielen Fällen führten die von ihnen gefundenen Hinweise zur Identifizierung der Kinder und zur Ergreifung der Täter.

Die Polizeiseelsorger beraten die Ermittler, wie sie verhindern können, selbst seelisch traumatisiert zu werden. Sie stehen außerdem für „Entlastungsgespräche“ zur Verfügung, in denen die Polizisten über alltägliche Dinge sprechen können, um Abstand zu den schlimmen Bildern zu gewinnen. Darüber hinaus organisiere die Polizeiseelsorge Gruppengespräche, in denen die Ermittler ihre Erfahrungen über den Umgang mit den seelischen Belastungen austauschen können.

Neben Bredt-Dehnen arbeiten in der rheinischen Kirche sechs weitere Pfarrer als hauptamtliche Polizeiseelsorger. Ihre Angebote würden seit Jahren zunehmend nachgefragt, weil psychische Belastungen durch die Polizeiarbeit nicht mehr als Makel, sondern als zu bewältigende Herausforderung verstanden werden, so Bredt-Dehnen. Sie betreuen jeweils rund 6.000 Beamte und Verwaltungsangestellte.

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