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Vorwurf: „Volksverhetzung“
27. April 2020

Pastor Latzel entschuldigt sich bei Homosexuellen: Sie sind willkommen

Der Pastor der Bremer St.-Martini-Gemeinde, Olaf Latzel. Archivfoto: Philipp Öhme
Der Pastor der Bremer St.-Martini-Gemeinde, Olaf Latzel. Archivfoto: Philipp Öhme

Bremen (idea) – Der evangelikale Bremer Pastor Olaf Latzel hat sich bei Homosexuellen dafür entschuldigt, dass er den Eindruck erweckt haben könnte, er halte sie für „Verbrecher“. Das sagte Latzel in einer Erklärung am 26. April im Online-Gottesdienst seiner St.-Martini-Kirchengemeinde.

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Zum Hintergrund: Wenige Tage zuvor war bekanntgeworden, dass der Bremer Staatsschutz gegen ihn wegen „Volksverhetzung“ ermittelt. Zudem prüft die Bremische Evangelische Kirche dienstrechtliche Schritte gegen ihn.

Der Anlass: In einem Seminar „Biblische Fahrschule zur Ehe“ im Oktober 2019 mit 30 Paaren aus der Gemeinde hatte Latzel in freier Rede auch über Homosexuelle gesprochen. Sein Vortrag war auf YouTube veröffentlicht worden, ist dort inzwischen aber nicht mehr abrufbar. Unter anderem beklagte er, Kinder würden indoktriniert, dass Homosexualität normal sei.

Wen Latzel mit „Verbrechern“ meinte

Der 52-Jährige bedauerte in seiner Erklärung das Missverständnis im Zusammenhang mit dem Wort „Verbrecher“. Wörtlich sagte er in der Erklärung, die der Evangelischen Nachrichtenagentur idea vorliegt: „In dem Eheseminar sprach ich an einer Stelle von Verbrechern. Dieses bezog sich nicht auf homosexuell lebende Menschen, sondern auf militante Aggressoren, die uns als Gemeinde in den letzten Jahren immer wieder angegriffen und gotteslästerlich diffamiert haben.“

So sei etwa ein Gottesdienst mit Pfarrer Ulrich Parzany (Kassel) von etwa 50 gleichgeschlechtlichen sich küssenden Partnern gestört worden, die sich anschießend Prügeleien mit der Polizei geliefert hätten. Wiederholt sei die St.-Martini-Kirche mit Slogans wie „God is gay“ (Gott ist schwul) beschmiert worden. Latzel: „Diese Gruppe von Straftätern ist von mir mit dem Begriff ‚Verbrecher’ gemeint gewesen.“

Ja zum Sünder, Nein zur Sünde

Latzel wies Vorwürfe als unbegründet zurück, er und seine Gemeinde seien „homophob“. Wie er sagte, gehören auch homosexuell empfindende Glaubensgeschwister zu seiner Gemeinde: „Homosexuelle sind in St. Martini, wie jeder andere Mensch, willkommen.“ Allerdings werde in seiner Gemeinde „klar zwischen dem eindeutigen ,Ja zum Sünder‘ und dem ebenso eindeutigen ,Nein zur Sünde‘ unterschieden“.

Latzel zufolge sind nach der Lehre der Bibel alle Menschen Sünder (Römer 3,23-24). Die Heilige Schrift benenne klar Geldgier, Ehebruch, Neid, Lieblosigkeit, Jähzorn, Rache, Geiz, Trunkenheit oder Unzucht als Sünde. Dazu gehöre auch die Homosexualität. Latzel verwies zur Begründung auf entsprechende Bibelstellen (3. Mose 18,22 & 20,13; Römer 1,26-27). Dieses eindeutige Zeugnis im Wort Gottes könne und werde er als Pastor nicht anders verkündigen und lehren, „auch wenn man dadurch in weiten Teilen der verfassten Kirche, der Politik und der Presse zunehmend Ausgrenzung und Diffamierung erfährt“.

Wie Latzel gegenüber idea sagte, hat er für seine Haltung in E-Mails und Telefonaten zahlreiche zustimmende Reaktionen aus ganz Deutschland bekommen: „Glaubensgeschwister versichern mir, dass sie hinter mir stehen und für mich beten.“ Von der Staatsanwaltschaft sei er noch nicht kontaktiert worden. Ein Sprecher der Bremer Staatsanwaltschaft bestätigte gegenüber idea den Eingang einer entsprechenden Anzeige. Inhaltlich könne er noch nichts sagen, da das Material erst noch gesichtet werden müsse.

Kirchenleitung geht auf Distanz zu Latzel

Scharfe Kritik an der Haltung Latzels übte die Bremische Evangelische Kirche. Deren leitender Geistlicher, der Schriftführer des Kirchenausschusses, Bernd Kuschnerus, teilte mit, man distanziere sich „entschieden von den abwertenden Äußerungen, die Pastor Olaf Latzel in dem ‚Eheseminar’ gemacht hat“: „Der Kirchenausschuss verurteilt auf das Schärfste die Äußerungen, in denen Menschen herabgesetzt, beleidigt und in ihrer Würde verletzt werden.“ Die Kirchenleitung stehe klar an der Seite homosexuell lebender Menschen. Weiter heißt es: „Mit seinen Äußerungen schadet Herr Latzel der Bremischen Evangelischen Kirche, der Gemeinschaft der einzelnen Gemeinden und allen gesamtkirchlichen Einrichtungen.“

Die Präsidentin des Kirchenausschusses, Edda Bosse, sagte: „Bereits in der Vergangenheit haben wir Äußerungen von Herrn Pastor Latzel erlebt, die bis an die Grenze des Erträglichen gingen, diese Grenze ist jetzt überschritten.“ Der Kirchenausschuss beobachte sehr genau das eingeleitete Verfahren und prüfe davon ausgehend mögliche dienstrechtliche Schritte.

Latzel war bereits 2015 mit einer Predigt in die Kritik geraten. Damals hatte er über das gemeinsame Gebet von Christen und Muslimen gesagt: „Das ist Sünde, und das darf nicht sein. Davon müssen wir uns reinigen.“ Zur Anfrage, ob man mitmachen müsse, „wenn die (Muslime/Anm.d.Red.) uns einladen zu ihrem Zuckerfest und all diesem Blödsinn“, sagte Latzel: „Nein, da müssen wir ganz sauber bleiben.“ Das Aufstellen von Buddha-Statuen bezeichnete er als „Götzendienst“. Die Predigt rief heftige Proteste hervor. Latzel sagte später, er würde aus heutiger Sicht „einiges differenzierter sagen“. Für die Schärfe mancher Aussagen hatte er bereits kurz nach der Predigt um Entschuldigung gebeten.

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