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Tübingen
28. Dezember 2019

Anschlag auf evangelikale Gemeinde

Auch ein Kleinbus der Gemeinde wurde Opfer eines Brandanschlags. Foto: TOS Tübingen
Auch ein Kleinbus der Gemeinde wurde Opfer eines Brandanschlags. Foto: TOS Tübingen

Tübingen (idea) – Eine evangelikale Gemeinde in Tübingen ist Ziel eines Anschlags geworden. Mehrere Täter steckten am frühen Morgen des 27. Dezember einen Kleinbus vor dem Gemeinde- und Konferenzzentrum der „Tübinger Offensiven Stadtmission“ (TOS) in Brand und besprühten den Eingangsbereich des Gottesdienstraums mit lila Farbe. Die TOS ist nach eigenen Angaben eine Freikirche sowie ein Missions- und Sozialwerk mit evangelikal-charismatischer Prägung.

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Wie der Leiter der TOS-Öffentlichkeitsarbeit in Tübingen, Heinz Reuss, der Evangelischen Nachrichtenagentur idea auf Anfrage mitteilte, hat eine Überwachungskamera aufgenommen, wie drei oder vier Täter das Fahrzeug in Brand setzen und das Gebäude mit Farbe besprühen. Ein Mitglied der Gemeinde, das sich im Rahmen ihres 24-Stunden-Gebets in dem Zentrum aufhielt, verständigte Polizei und Feuerwehr. Obwohl diese laut Polizei rasch eingriff, brannte das neuwertige Fahrzeug vollständig aus.

Nach Polizeiangaben entstand ein Sachschaden von etwa 40.000 Euro. Die Kriminalpolizei hat Ermittlungen wegen des Verdachts der Brandstiftung und der Sachbeschädigung aufgenommen.

Pastor Kasch: Wir sind geschockt, aber nicht überrascht

Guido Kasch, Pastor der TOS-Gemeinde Tübingen, erklärte: „Wir sind von diesem Anschlag geschockt, jedoch angesichts des zunehmend feindlichen Klimas gegen evangelikale Christen leider nicht überrascht. In den letzten Monaten gab es in Tübingen, insbesondere aus der linken Szene, ein aggressives Bedrohungsszenario gegen die TOS Gemeinde. Wir wissen noch nicht, wer für diesen Anschlag verantwortlich ist, aber wir werden uns dadurch nicht davon abhalten lassen, weiter die Versöhnungsbotschaft des Evangeliums zu verkündigen: durch unsere wöchentlichen Gemeindeangebote, unser regelmäßiges Essen für Hilfsbedürftige in der Kronenstraße oder auch unsere Gottesdienste am Wochenende, zu denen jeder herzlich willkommen ist. Gleichzeitig hoffen und beten wir, dass in Tübingen ein friedliches Miteinander und gewaltfreier Diskurs der Meinungen und Weltanschauungen wieder möglich werden.“

Wie TOS-Sprecher Reuss gegenüber idea weiter sagte, gab es wiederholt Aktionen von linken und antifaschistischen Kräften gegen die TOS. Im Juli hätten sie einen Freiluftgottesdienst in der Tübinger Innenstadt gestört und versucht, die Veranstaltung zu beenden. Die Polizei habe dies verhindert. Später habe ein „Antifaschistisches Forum“ ein Flugblatt verbreitet, in der gegen die TOS agitiert werde. So werde behauptet, in ihr seien „Schwulenheiler“ am Werk. Im Oktober hätten Studenten bei der Semesterstart-Veranstaltung der Universität dazu aufgerufen, den Stand der TOS zu boykottieren, weil diese „homophob“ sei. An der Aktion seien auch Mitglieder der Grünen Hochschulgruppe beteiligt gewesen.

OB Palmer: Der Anschlag ist „feige und verachtungswürdig“

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Bündnis 90/Die Grünen) verurteilte den jetzigen Anschlag als „feige und verachtungswürdig“. Auch wenn keine Menschen zu Schaden gekommen seien, hoffe er sehr, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen würden. Palmer: „In einer solchen Stunde ist Solidarität mit der TOS zugleich Verteidigung des friedlichen Zusammenlebens der Religionen in unserer Stadt.“

Auch der frühere Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart), verurteilte die Tat. Auf Facebook schrieb er: „Gewalt darf kein Mittel der Auseinandersetzung sein. Das scheinen manche Kräfte in unserer Gesellschaft vergessen zu haben. Wir stehen hier an der Seite unserer Schwestern und Brüder, die hier angegriffen wurden.“

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