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Erfolg oder Niederlage für Präses Diener?

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Der Präses des Gnadauer Verbands und Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Michael Diener. Foto: idea/kairospress
Der Präses des Gnadauer Verbands und Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Michael Diener. Foto: idea/kairospress

Berlin/Kassel (idea) – Sehr unterschiedlich deuten Medienvertreter die jüngste Erklärung des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes zum Streit um theologische Positionen innerhalb der evangelikalen Bewegung. Während die einen darin eine Niederlage für den Präses der pietistischen Dachorganisation und Vorsitzenden der Deutschen Evangelischen Allianz, Michael Diener (Kassel), sehen, werten andere den Beschluss als Erfolg für ihn. Die Mitgliederversammlung des Verbandes hatte sich Mitte Februar in der Erklärung für die traditionelle Ehe von Mann und Frau ausgesprochen und eine Mitarbeit praktizierender Homosexueller im Verkündigungsdienst und in Leitungsaufgaben ausgeschlossen. Dem Votum vorausgegangen war eine der heftigsten Kontroversen unter den theologisch konservativen Protestanten. Anlass war, dass Diener in Interviews ein neues Denken der Evangelikalen im Blick auf Mission, Politik und Homosexualität gefordert hatte. Er wünschte sich, dass auch Christen, die ihre Homosexualität praktizieren, Mitarbeiter in Gemeinden sein können. Dem widersprach einer der bekanntesten evangelikalen Pfarrer, der langjährige proChrist-Hauptredner, Ulrich Parzany (beide Kassel), in einem Offenen Brief. Unterstützer seiner Position lud er Ende Januar nach Kassel ein, wo das „Netzwerk Bibel und Bekenntnis“ gegründet wurde.

„Welt“: Der Vorstoß Dieners stieß auf klare Ablehnung

Wie es in einem Kommentar der Tageszeitung „Die Welt“ (Berlin) heißt, ist mit der Erkärung der Vorstoß von Präses Diener auf „klare Ablehnung“ gestoßen. Im Blick auf das Nein zu einer Mitarbeit praktizierender Homosexueller heißt es: „Fest verschlossen bleibt damit eine Tür“, die Diener vorsichtig habe öffnen wollen, schreibt der Redakteur Matthias Kamann. Auch bei der Deutschen Evangelischen Allianz sei Diener heftiger Widerstand entgegengeschlagen: „Nichts deutet darauf hin, dass die Evangelikalen etwas ändern wollten an ihrer Gegnerschaft zu Homosexuellen-Segnungen und ihrer Haltung, dass gleichgeschlechtlich lebende Menschen keine Leitungs- oder Verkündigungsämter in diesen Gruppen erhalten.“ Laut Kamann ist durch die Erklärung eine „atmosphärische Veränderung“ im Verhältnis zwischen dem pietistisch-evangelikalen Lager und der EKD zu erwarten. Denn die meisten Landeskirchen akzeptierten Homo-Ehen in Pfarrhäusern, segneten gleichgeschlechtliche Partnerschaften und stellten sie mancherorts mittlerweile der Ehe von Mann und Frau gleich. Wenn aber die Evangelikalen „auf ihrer harten Ablehnung“ beharrten, vertiefe sich in der Sexualfrage der Graben zwischen der EKD und dem „frommen Lager“. Dabei habe Diener diesen Graben durch Vermittlungsarbeit schließen wollen, als er sich im Herbst in das oberste EKD-Gremium, den Rat, habe wählen lassen: „Daraus wird nun nichts.“

„Jesus.de“-Leiter: Gnadauer Erklärung stärkt Diener

Völlig anders bewertet der Leiter des vom SCM Bundes-Verlag betriebenen Internetportals „Jesus.de“, Rolf Krüger (Witten), die Erklärung des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes: „Sie ist für mich eine klare Stärkung der Position von Michael Diener“, schreibt er in einem Facebook-Kommentar. Der Erklärung zufolge könne Homosexualität zwar nicht als biblisch legitimiert gesehen werden, aber zugleich heiße es, dass manche „von uns“ im Gnadauer Verband die Stellen in der Bibel, die Homosexualität ablehnen, anders deuteten. Das Votum ende mit einem Aufruf, Spannungen auszuhalten und sich Menschen vorbehaltlos zuzuwenden. In Medien liest man, so Krüger, dagegen Überschriften wie „Gnadau lässt Schwule nicht predigen“. Für ihn müsste die korrekte Überschrift lauten: „Gnadau stellt sich hinter Michael Diener. Danke, Gnadau, auch wenn das sicher hart erkämpft war!“.

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