Politik
USA: Evangelist und Bestsellerautor Tony Campolo verstorben
22.11.2024

Der US-Bestsellerautor, Soziologieprofessor und Evangelist Tony Campolo ist am 19. November im Alter von 89 Jahren verstorben. Er leitete fast 40 Jahre lang die Evangelical Association for the Promotion of Education (Evangelikale Vereinigung zur Förderung der Bildung), die er ins Leben gerufen hatte, um bedürftigen Gemeinden zu helfen.
Neben seinen Tätigkeiten fungierte er auch als persönlicher geistlicher Berater des US-Präsidenten Bill Clinton (Amtszeit von 1993–2001), nachdem dessen Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky bekannt geworden war. Zusammen mit dem evangelikalen Theologen Gordon MacDonald und dem methodistischen Pastor J. Philip Wogaman bildete er ein Seelsorgeteam für den Präsidenten.
Kritiker warfen ihm vor, dass er Clinton „geistlichen Schutz“ geboten und ihm erlaubt habe, Reue vorzutäuschen, um politische Konsequenzen zu vermeiden.
Mitbegründer der „Red Letter Christians“
2007 gehörte Campolo zu den Gründern der Bewegung „Red Letter Christians“ (Christen der roten Buchstaben), die so heißt, weil in einigen veröffentlichten Bibelversionen die Worte Jesu mit roter statt mit schwarzer Tinte gedruckt sind.
Auf der Webseite der Gruppe wird darauf hingewiesen, dass ihre Anhänger auch an die schwarzen Buchstaben glaubten und überzeugt seien, „dass die ganze Bibel Gottes Wort ist“. Aber Jesus sei die „Linse“, durch die sie die Bibel und die Welt interpretierten.
Sie wenden sich unter anderem gegen eine von ihnen kritisierte Vereinnahmung der Evangelikalen durch die politische Rechte und fordern ein stärkeres Engagement der Christen im Kampf gegen Armut und Ungerechtigkeit.
Kritik von theologisch Konservativen
Campolos Bewegung zog jedoch auch Kritik auf sich. Der Präsident des theologisch konservativen Instituts für Religion und Demokratie, Mark Tooley (Washington), bezeichnete ihre Argumentation im Interview mit der Internetplattform Christian Post als „destruktiv und gefährlich“. Denn sie lege nahe, dass die gesamte Heilige Schrift nicht zuverlässig sei und moderne Menschen traditionelle christliche Lehren individuell neu interpretieren oder ablehnen könnten.
Ein paar Worte Jesu schrieben laut Campolo und seinen Anhängern angeblich einen unbegrenzten Wohlfahrtsstaat, die Ablehnung des Militärs sowie die Abschaffung von Waffen vor. „Gleichzeitig werden historische Lehren der Kirche über Abtreibung oder Homosexualität allzu oft abgetan, weil Jesus sie nicht ausdrücklich angesprochen hat.“
Für gleichgeschlechtliche Partnerschaften
Campolo sorgte 2015 für eine weitere Kontroverse, weil er forderte, dass die Kirchen gleichgeschlechtliche Beziehungen akzeptieren sollten.
Obwohl er die Bezeichnung „evangelikal“ für sich selbst ablehnte, sagte er in einem Interview mit der Christian Post, dass er immer noch eine „sehr traditionelle“ Auffassung von der Erlösung vertrete. „Ich glaube, dass Jesus, als er am Kreuz starb, die Sünden der Menschen auf sich genommen hat, die Buße tun und auf ihn vertrauen, um gerettet zu werden. Ich glaube an die Lehre vom stellvertretenden Sühnetod“, so der Evangelist. „Ich bin immer noch ein Evangelikaler, wenn es um Glaubenspraktiken und Glaubensüberzeugungen geht. Was ich zu vermitteln versuche, und ich denke, viele Menschen würden mir zustimmen, dass das Wort ‚evangelikal‘ in einer Weise politisiert worden ist, die einige von uns beunruhigt.“
Campolo hinterlässt seine Frau Peggy, mit der er über 65 Jahre verheiratet war, zwei Kinder, vier Enkelkinder und drei Urenkel.
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