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US-Kriegsminister Hegseth betet für „überwältigende Gewalt“ gegen Feinde

10.04.2026

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth. Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Po1 Eric Brann/Dod
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth. Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Po1 Eric Brann/Dod

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat bei einem Gottesdienst im Pentagon für „überwältigende Gewalt gegen jene, die kein Erbarmen verdienen“ gebetet. Während die US-Streitkräfte den Iran bombardierten, trat der evangelikale Politiker vor Militärs und zivile Mitarbeiter, die sich zum Gebet versammelt hatten. Kirchenvertreter in den USA und Deutschland kritisierten die Verbindung von religiöser Sprache und militärischer Gewalt.

„Möge jede Kugel ihr Ziel finden“

Hegseth zitierte bei dem Gebetstreffen die Worte eines Militärgeistlichen, die dieser nach dem Einsatz gegen den venezolanischen Diktator Nicolás Maduro vor Soldaten gebraucht haben soll: „Möge jede Kugel ihr Ziel finden gegen die Feinde der Rechtschaffenheit und unserer großen Nation.“ Gott möge ihnen Weisheit schenken bei jeder Entscheidung, Ausdauer für die bevorstehende Prüfung sowie „unverbrüchliche Einigkeit im Kampf“.

Seine Landsleute rief er auf, für den Sieg und die Sicherheit der eigenen Truppen zu beten: „Jeden Tag, auf den Knien, mit eurer Familie, in euren Schulen, in euren Kirchen – im Namen Jesu Christi.“

Reform der Militärseelsorge angekündigt

Per Videobotschaft kündigte Hegseth eine Reform der Militärseelsorge an. Er bezeichnete die bisherigen Predigten als zu lasch. Die Seelsorger seien „von politischer Korrektheit und säkularem Humanismus durchtränkt“. Sie hätten sich in „bloße Therapeuten“ verwandelt, denen eigene Belange wichtiger seien als der Glaube. Der Kreis der Religionsgemeinschaften, die Geistliche stellen dürfen, solle von rund 200 auf 31 verkleinert werden. Militärseelsorger sollten künftig nicht mehr ihre Rangabzeichen tragen, sondern religiöse Insignien. Es gehe darum, die Seelsorge „wieder großartig zu machen“, so der Minister unter Verweis auf den Slogan von US-Präsident Donald Trump.

„Wisst ihr, dass Gott auch ein Gott des Krieges ist?“

Als vorbildlich bezeichnete Hegseth evangelikale Prediger wie seinen eigenen Pastor, Doug Wilson, sowie den Evangelisten Franklin Graham. Beide ließen ihre Theologie mit der militärischen Stärke der USA verschmelzen. Graham hatte bei einem Gebetstreffen im Pentagon im Dezember gesagt: „Wir wissen, dass Gott liebt. Aber wusstet ihr, dass Gott auch hasst? Wisst ihr, dass Gott auch ein Gott des Krieges ist? Viele Menschen wollen das nicht wahrhaben oder vergessen es.“ In einem CBS-Interview sagte Hegseth: „Unsere Fähigkeiten sind besser. Unser Wille ist stärker. Unsere Truppen sind besser. Die Vorsehung unseres allmächtigen Gottes beschützt diese Truppen – und wir stehen zu dieser Mission.“

Kardinal Marx: „Schamlose Gotteslästerung“

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx verurteilte Hegseths Äußerungen in einer Predigt am Ostersonntag scharf. Es sei eine „schamlose Gotteslästerung“, wenn dafür gebetet werde, dass im Kontext eines Krieges jede Kugel ihr Ziel treffe. Religion dürfe nicht instrumentalisiert werden, um Gewalt zu legitimieren. Zugleich kritisierte Marx die Bezeichnung des Angriffskriegs gegen die Ukraine als „heiliger Krieg“ durch den Moskauer Patriarchen Kirill I. Religiöse Überzeugungen dürften niemals zur Rechtfertigung von Krieg missbraucht werden.

Washingtoner Kardinal: „Ein unmoralischer Krieg“

Auch der Washingtoner Kardinal Robert McElroy zog eine Grenze: zwischen dem Gebet für die USA und ihre Soldaten und einer „archaischen Kriegermentalität“, wie sie Hegseth vertrete. „Nach meiner Überzeugung und der Lehre der Kirche ist dies kein moralischer Krieg; es ist ein unmoralischer Krieg, und deshalb bete ich nicht dafür, dass dieser unmoralische Krieg weitergeht“, so McElroy. Er sehe eine moralische Pflicht, den Iran-Krieg zu beenden und einen Waffenstillstand zu erreichen.

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