- ANZEIGE -
E-Paper Abo Anmelden

Ressorts

icon-logo

Frei-/Kirchen

Theologe: Beharren auf Wahrheitsanspruch ist nicht arrogant

09.12.2021

Die Truth-Konferenz in Ludwigsburg. Foto: Tobias Becker
Die Truth-Konferenz in Ludwigsburg. Foto: Tobias Becker

Ludwigsburg (IDEA) – Es ist nicht arrogant, den Wahrheitsanspruch des Christentums zu vertreten. Diese Ansicht äußerte der Theologe und Religionsphilosoph Fabian Graßl auf der ersten „Truth“-Konferenz (engl. truth = Wahrheit) der christlichen Initiative „glaubendenken“ (Marburg) in Ludwigsburg.

Es komme vielmehr darauf an, wie man mit der Wahrheit umgehe und sie kommuniziere, so Graßl weiter. Die Vermittlung ihrer Wahrheitsansprüche erwarte er „von allen Weltanschauungen. Muslime glauben, die Wahrheit zu haben. Atheisten meinen, sie lägen richtig. Buddhisten denken, ihre Sicht wäre wahr.“ Alle sollten versuchen, andere Menschen von ihrem Anspruch zu überzeugen. „Aber mit den richtigen Mitteln, mit guten, rationalen Argumenten! Nicht manipulativ, nicht durch Überreden, sondern mit Überzeugungskraft. Wenn wir gemeinsam auf der Suche nach der Wahrheit sind, wird mein Gegenüber nicht zum Feind, sondern zum Freund.“

Rationale Objektivität sei dabei möglich, selbst wenn keine psychische Objektivität gegeben sei. Genau dieser Umstand ermögliche eine zivilisierte Diskussion und einen vernünftigen Dialog. „Meine psychische Voreingenommenheit zugunsten des Christentums schließt nicht meine Fähigkeit aus, die Argumente rational zu präsentieren und zu bewerten.“

Den neutestamentlichen Autoren werde gern vorgeworfen, nicht „neutral“ gewesen zu sein. Daraus folge jedoch nicht, dass ihre Berichte allein deshalb unwahr seien. Auch jüdische Historiker seien schließlich „in Bezug auf den Holocaust“ nicht „neutral“ im psychischen Sinn, könnten aber dennoch rational objektiv und wahrheitsgetreu darüber berichten.

Prof. Baum: Das Neue Testament zitiert Jesus und Paulus inhaltlich zutreffend

Der Prorektor der Freien Theologischen Hochschule Gießen (FTH), Prof. Armin Baum, sprach über die Reden des Apostels Paulus in der Apostelgeschichte. Skeptische Wissenschaftler führten als Argument gegen deren Glaubwürdigkeit manchmal ins Feld, dass es in der Antike kein Bewusstsein für geistiges Eigentum gegeben habe. Eine verbreitete Ansicht laute, Lukas habe als Autor der Apostelgeschichte seinem Lehrer Paulus Worte in den Mund gelegt. Dieses Urteil sei jedoch verfehlt: „Es gab in der Welt des Neuen Testaments durchaus ein Bewusstsein für geistiges Eigentum. Es galt nicht als legitim, einem Lehrer wie Jesus oder Paulus Aussagen in den Mund zu legen, die er nie gemacht hatte.“

Gemessen an den Paulusbriefen habe Lukas in der Apostelgeschichte zwar nicht den Wortlaut, „durchaus aber den Inhalt der Verkündigung des Paulus“ wiedergegeben. Die Initiative „glaubendenken“ will Menschen nach eigenen Angaben neu für die Wahrheit, Schönheit und Bedeutsamkeit des historischen christlichen Glaubens begeistern.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

IDEA liefert Ihnen aktuelle Informationen und Meinungen aus der christlichen Welt. Mit einer Spende unterstützen Sie unsere Redakteure und unabhängigen Journalismus. Vielen Dank. 

Jetzt spenden.