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Menschenrechte

Syrien: Menschenrechtler warnen vor Völkermord an Minderheiten

25.07.2025

Seit Monaten kommt es immer wieder zu Übergriffen auf Minderheiten in Syrien. Symbolfoto: Pexels
Seit Monaten kommt es immer wieder zu Übergriffen auf Minderheiten in Syrien. Symbolfoto: Pexels

Menschenrechtler warnen vor einem Völkermord an religiösen Minderheiten in Syrien. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) übte der Nahostexperte der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), Kamal Sido (Göttingen), scharfe Kritik an den dortigen Machthabern. Die Mitglieder der Regierung seien alle Teil islamistischer Gruppierungen gewesen und hätten sich nie davon distanziert.

Sido rief die westlichen Medien dazu auf, in ihren Berichten den politischen Islam nicht zu verharmlosen. Er sei eine konkrete Gefahr für die Demokratie, auch in Syrien. Statt die dort regierenden Islamisten zu unterstützen, gelte es, die Demokratiebewegung und Minderheiten im Land zu fördern.

Er warf der deutschen Regierung Widersprüchlichkeit in ihrem Handeln vor: Einerseits gebe sie der AfD nicht die Hand, fordere aber die Minderheiten in Syrien auf, der dortigen islamistischen Regierung eine Chance zu geben.

Ferner verwies er auf die schwierige Situation für Drusen, Alawiten, Christen, Kurden, Jesiden und weitere Gruppen. Bei Kämpfen, besonders in der Region Suweida, wurden zuletzt Hunderte Drusen getötet.

Auch Christen von Völkermord bedroht

Der Vorstandssprecher der IGFM, Valerio Krüger (Frankfurt am Main), vertrat die Ansicht, dass ein Völkermord an Alawiten, Drusen und Christen im Land drohe. „Syrien ist nie ein Land nur einer Religion gewesen. Die Bevölkerungsgruppen haben sich nie als Minderheiten gesehen, sondern als Syrerinnen und Syrer, die trotz unterschiedlicher Religionen miteinander leben“, betonte er.

Nach Massakern an den Alawiten im Westen des Landes fänden nun Massaker an der drusischen Gemeinschaft statt. Auch Christen seien bedroht. Ziel der Übergangsregierung sei letztendlich eine Zwangsislamisierung und Gleichschaltung der religiösen Gesellschaft Syriens.

Ähnlich formulierte es der Vorsitzende der „Orientalischen Christen in Marburg“, Ramzi Aljat. Er warnte vor einem Ende der christlichen Präsenz in ihrer Urheimat. Christen hätten in Syrien nur in einem demokratischen System eine Zukunft, in dem Staat und Religion getrennt seien. Das sei unter der neuen Regierung aber nicht zu erwarten. Sie wolle Nicht-Sunniten zwingen, nach den Regeln radikaler Islamisten zu leben. Deutschland und Europa müssten dem rasch entgegentreten.

Suweida: Tote liegen auf den Straßen

Der Deutsch-Druse Maher Tyfour berichtete von katastrophalen Zuständen in Suweida, wo er Verwandte hat. „Was die Drusen in den letzten Tagen und Wochen erlebt haben, ist faktisch ein Genozid.“ Es fehle an praktisch allem.

Hinter den Angriffen steckten vor allem Regierungstruppen, die teils als Beduinen verkleidet seien. Bislang hätten sich die Drusen gegen eine islamistische Einflussnahme in Suweida gewehrt. 30 Dörfer seien bislang in Brand gesteckt worden. Die Toten lägen nach wie vor auf den Straßen und könnten nicht bestattet werden, da sich weiterhin Scharfschützen vor Ort befänden.

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