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Russland: Lutherischer Erzbischof nach Deutschland geflohen

17.03.2022

Dietrich Brauer ist ein lutherischer Theologe. Foto: privat
Dietrich Brauer ist ein lutherischer Theologe. Foto: privat

Moskau (IDEA) – Der Erzbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland (ELKR), Dietrich Brauer (39/Moskau), ist zusammen mit seiner Familie nach Deutschland geflüchtet. Das teilte das Zentrum für Mission und Ökumene der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) mit. Wie es in der Nachricht heißt, war der Grund für die Flucht ein kritischer Brief, in dem Brauer den Krieg Russlands gegen die Ukraine als „Schande“ verurteilt hatte. Seine Kirche und auch er persönlich seien nun offenbar in die „Schusslinie der Behörden“ geraten.

Anfang März hatte die russische Medienaufsicht Roskomnadsor mitgeteilt, dass bestimmte Wörter wie „Krieg“, „Invasion“ und „Angriff“ nicht mehr verwendet werden dürfen. Wer sich widersetzt, kann mit bis zu 15 Jahren Haft bestraft werden.

Über Dubai nach Deutschland gelangt

Zusammen mit seiner Ehefrau, der Pfarrerin Tatjana Petrenko, und den drei Kindern sei es ihm gelungen, über Dubai nach Deutschland zu gelangen. Brauer wird am 18. März an einem Friedensgebet der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im Berliner Dom teilnehmen sowie am evangelischen ZDF-Fernsehgottesdienst, der am 20. März aus dem hessischen Eltville übertragen wird.

Gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA erklärte Brauer, er werde von Deutschland aus versuchen, „die Dienste meiner Kirche zu stabilisieren und zu koordinieren“. Wie lange er in Deutschland bleibe, sei noch nicht klar. Er hält sich gegenwärtig in Ulm auf.

Brauer stammt aus einer russlanddeutschen Familie. Er wurde 2011 als erster Einheimischer zum Bischof der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER) geweiht. Seit 2014 ist er außerdem Erzbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland. Kirchenangaben zufolge gibt es etwa 40.000 Lutheraner in 200 Gemeinden in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Vor der russischen Revolution 1917 waren es etwa 1,5 Millionen.

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