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Raumfahrtmediziner und Theologe: Der Weltraum lehrt uns Demut

19.03.2026

„Ich darf als dieser kleine Mensch in irgendeiner Ecke der Milchstraße auf einem völlig irrelevanten Planeten einen Blick in die gewaltige Schönheit des Seins werfen.“ Foto: picture alliance/zoonar
„Ich darf als dieser kleine Mensch in irgendeiner Ecke der Milchstraße auf einem völlig irrelevanten Planeten einen Blick in die gewaltige Schönheit des Seins werfen.“ Foto: picture alliance/zoonar

Vor einer Überhöhung der Wissenschaft hat der deutsch-schweizerische Raumfahrtmediziner und Theologe Prof. Oliver Ullrich (Zürich) gewarnt. Wissenschaft sei die Bemühung um Wissen, sie sei aber niemals vollständig korrekt. „Wenn die Wissenschaft als absolute Erkenntnis angenommen wird, wird sie zum Götzen – ein fades, materialistisches Abbild, dem gefolgt wird, ohne unseren Verstand einzusetzen“, sagte der Wissenschaftler in einem Interview mit dem katholischen Magazin „Melchior“ (Zug/Schweiz).

Die Geschichte der Wissenschaft zeige zur Genüge, wie oft und klar sich diese irren könne. Sie sei eine menschliche Methode, sich der Wahrheit anzunähern, aber gänzlich erreichen werde man sie nie. Zu seiner Sicht auf die Wissenschaft sagte Ullrich: „Gott hat diese unglaubliche Schöpfung als riesengroßes Mysterium geschaffen, dessen Grundstrukturen weiter reichen, als unsere Erkenntnis es je zulässt.“

Innerhalb dieses gewaltigen Mysteriums lebten die Menschen in der ihnen zugänglichen Wirklichkeit. „Unsere Existenzform in Raum und Zeit gibt uns die Möglichkeit, uns zu orientieren, sie ist aber nicht das Sein an sich.“ Weil der Mensch immer mehr Einblicke in die Funktion des Körpers und Gehirns erlange, liege die Versuchung nahe, die komplette Erklärung des Menschen in Aussicht zu stellen. „Doch das ist eine tiefe Überheblichkeit“, so der 55-jährige Katholik. Von einigen Naturwissenschaftlern werde der Glaube ins Gebiet der Magie oder Naivität abgeschoben. Dies sei eine Folge der eigenen Selbstüberschätzung. Er wünsche sich von nichtgläubigen Naturwissenschaftlern manchmal mehr Zurückhaltung.

Der Blick in den Sternenhimmel macht mich demütig und glücklich

Ullrich zufolge lehrt der Weltraum Demut: „Demut ist der erste Schritt, den Menschen wieder in die Lage zu versetzen, zu akzeptieren, dass es neben der physikalisch begreifbaren auch eine metaphysische Welt gibt.“ Wenn er in den Sternenhimmel schaue, so Ullrich, fühle er sich nicht klein, sondern „unglaublich glücklich“: „Ich darf als dieser kleine Mensch in irgendeiner Ecke der Milchstraße auf einem völlig irrelevanten Planeten einen Blick in die gewaltige Schönheit des Seins werfen. Ja, es macht mich demütig und glücklich.“

Der Glaube traf mich wie ein Donner

Ullrich zufolge trat der Glaube nach seiner Taufe bei ihm zunächst in den Hintergrund: „Ich habe mich gänzlich in die Wissenschaft investiert und wurde dabei auch vollständig durchsäkularisiert.“ Aber die Wissenschaft habe ihn gelehrt, seinen Verstand zu gebrauchen. Aus dem reinen, vernunftbasierten Verlangen, den Glauben mehr zu verstehen, habe er mit einem postgradualen Theologiestudium begonnen. Ullrich: „Der Glaube kam danach. An einem Sonntag. Er traf mich wie ein Donner. Ich bin über die Brücke des Verstandes zum Glauben gekommen.“

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