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Pfarrerinnen kritisieren Gender-Titel des Verbandsblattes

19.05.2021

Das Titelblatt der aktuellen Verbandszeitschrift. Grafik: Deutsches Pfarrerblatt
Das Titelblatt der aktuellen Verbandszeitschrift. Grafik: Deutsches Pfarrerblatt

Kassel (IDEA) – Seit Januar heißt die Verbandszeitschrift der evangelischen Pfarrerschaft „Deutsches Pfarrerinnen- und Pfarrerblatt“ (vorher „Deutsches Pfarrerblatt“). Scharfe Kritik an dem Titel haben jetzt zwei Pfarrerinnen geübt. Elisabeth Küfeldt (Ansbach/Mittelfranken) – sie ist auch Germanistin – hält dieses Gendern für „höchst überflüssig“. Sie äußerte sich in einem in der Verbandszeitschrift abgedruckten Leserbrief, obwohl sie „der Logik des Pfarrerblatts nach nur einen Leserinnenbrief schreiben kann“.

Bayerische Pfarrerin: Verschwendung von Zeit und Druckerschwärze

Küfeldt fragt: „Wie armselig muss eigentlich unser weibliches Selbstwertgefühl sein, dass wir uns ‚unsichtbar‘ fühlen, nur weil das generische Maskulin verwendet wird? Wie gefühllos für den Fluss der Sprache sind wir in der ‚Kirche des Wortes‘ geworden, dass wir Sätze inhaltlos aufblähen durch die Erwähnung von allem und jedem? Und wie völlig sorgenfrei müssen wir in unserer Kirche sein, dass wir uns ums Gendern so viele Gedanken machen? Was sind schon die Sorgen um die rasant schmelzenden Mitgliederzahlen, die wegbrechenden Steuereinnahmen, die durch Corona endgültig kirchenentwöhnten Kirchenmitglieder oder gar die Sorgen um das ewige Heil unserer Mitmenschen, wenn wir uns stattdessen Gedanken um die rechte Ausdrucksweise machen können?“ Küfeldts Fazit: „Was für eine Verschwendung von Zeit und Druckerschwärze.“

Sächsische Pfarrerin: Dem Genderunsinn die Stirn bieten

Pfarrerin Manja Pietzcker (Dresden) nennt die Umbenennung „albern und unnötig“. Sie sei „ein weiteres Symptom der sich dem Zeitgeist anbiedernden evangelischen Kirche“. Damit werde sie sich nicht vor Bedeutungsverlust retten – ganz im Gegenteil: „Denn wir wabern zwischen den wechselnden Winden dieses Zeitgeistes wie ein hilfloses Blatt im Wind, statt diesem Genderunsinn die Stirn zu bieten und uns lieber dem Kerngeschäft zu widmen.“ Ihre Berufsbezeichnung sei „Pfarrer“, so Pietzcker. „Dies war vor nicht alllzu langer Zeit die Bezeichnung eines Berufsstandes, der keiner weiteren Erläuterung bedurfte.“

Nach Ansicht der Pfarrerin wird keine einzige Ungerechtigkeit zwischen Männern und Frauen gelindert, „wenn wir uns auf derlei Sprachverkomplizierungen versteifen, statt z.B. mal tatsächlich die Familienfreundlichkeit kirchlicher Anstellungsverhältnisse zu hinterfragen – und zwar für Eltern beiderlei Geschlechts“.

Redaktion: „Sehr viele zustimmende Reaktionen“

In der März-Ausgabe des Blattes hatte es geheißen, es habe „sehr viele zustimmende Reaktionen“ gegeben. Pfarrerinnen hätten per E-Mail oder am Telefon „Freude und Zustimmung signalisiert“. Die damals abgedruckten kritischen Leserbriefe zur Umbenennung stammten ausschließlich von Männern.

Darunter waren die von Oberlandeskirchenrat i.R. Frithard Scholz, 2003 bis 2010 Dezernent im Landeskirchenamt in Kassel, und Oberkirchenrat i.R. Gotthart Preiser, von 1988 bis 1996 Regionalbischof in Regensburg für die Oberpfalz und Niederbayern. Herausgeber der monatlich erscheinenden Zeitschrift ist der Verband Evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland (Kassel). Als Schriftleiter fungiert Peter Haigis (Springe).

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