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Menschenrechte

Pakistan: Zum Tode verurteilte Christen freigesprochen

04.06.2021

Das christliche Ehepaar Shagufta Kausar und Shafqat Emmanuel. Foto: privat
Das christliche Ehepaar Shagufta Kausar und Shafqat Emmanuel. Foto: privat

Lahore (IDEA) – In Pakistan hat der Oberste Gerichtshof der Region Lahore ein zum Tode verurteiltes christliches Ehepaar am 3. Juni freigesprochen. Wegen angeblicher Blasphemie (Gotteslästerung) saßen Shagufta Kausar (52) und ihr Ehemann Shafqat Emmanuel (49) sieben Jahre in der Todeszelle. Wie ihr Anwalt Saif ul Malook (Lahore) gegenüber der christlichen Internetplattform „Morning Star News“ erklärte, sprachen die Richter die Christen bei dem Berufungsverfahren frei wegen „verfälschten Beweisen und manipulierten Aussagen der Zeugen der Anklage“.

Zum Hintergrund: Das Ehepaar soll SMS verschickt haben, die den Propheten Mohammed und den Koran verunglimpfen. Dabei können beide kaum lesen und schreiben. Die SMS-Mitteilungen gingen vom Mobiltelefon der Frau aus, das sie einen Monat zuvor verloren hatte. Beobachter hielten es für möglich, dass jemand die in gutem Urdu – der Amtssprache – verfassten Botschaften gesendet hat, um dem Ehepaar zu schaden. Die beiden Verurteilten können aber nicht Urdu schreiben.

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM/Frankfurt am Main) und die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA hatten die Eheleute im Mai 2014 als „Gefangene des Monats“ benannt und zu ihrer Unterstützung aufgerufen. Ihr Anwalt Malook geht davon aus, dass islamische Extremisten das Urteil anfechten werden, ist jedoch zuversichtlich, dass sie keinen Erfolg haben werden. Er befürchtet, dass das Ehepaar – wie schon Asia Bibi – aber in Pakistan nicht mehr sicher ist und das Land verlassen muss.

Die Katholikin Bibi hatten wegen Blasphemievorwürfen – sie soll den Propheten Mohammed beleidigt haben – acht Jahre lang in der Todeszelle gesessen und war im Oktober 2019 freigesprochen worden. Mittlerweile lebt sie in Kanada.

IGFM: Internationaler Druck hat geholfen

Die IGFM begrüßte den Ausgang des jetzigen Prozesses. Gleichzeitig verwies die Organisation darauf, dass derzeit mehr als 30 Menschen wegen Blasphemievorwürfen in pakistanischen Todeszellen sitzen. Auch wenn bisher kein wegen Blasphemie Verurteilter vom Staat hingerichtet worden sei, gingen verschiedene Quellen von über 75 außergerichtlich Getöteten seit 1987 aus.

Im April hatte das Europäische Parlament die sofortige und bedingungslose Aufhebung des Urteils gegen das christliche Ehepaar gefordert. Mit Bezug darauf sagte die Referentin für Religionsfreiheit der IGFM, Michaela Koller: „Der Fall zeigt, dass internationale Appelle ihre Wirkung nicht verfehlen. Wir fühlen uns ermutigt, weiter energisch für die unschuldig wegen Blasphemie Inhaftierten einzutreten.“

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