Frei-/Kirchen
Kirchenvertreter bewerten „Marsch für das Leben“ unterschiedlich
13.09.2023

Berlin/Köln (IDEA) – Vertreter der beiden großen Kirchen haben sich unterschiedlich zum „Marsch für das Leben“ am 16. September geäußert. Er findet in Berlin und erstmals auch in Köln statt. Dazu erwartet der Bundesverband Lebensrecht als Veranstalter insgesamt rund 7.000 Teilnehmer.
Der Vorsitzende der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing (Limburg), würdigt in einem Grußwort den Marsch. Damit betone der Bundesverband „erneut den Schutz menschlichen Lebens insbesondere dann, „wenn das Lebensrecht des ungeborenen, schwachen oder sterbenskranken Menschen in Wissenschaft, Politik oder durch andere Interessengruppen infrage gestellt wird“.
Bätzing verweist auf aktuelle Entwicklungen in der Stammzellenforschung, der es gelungen sei, menschliche Embryonen künstlich herzustellen. Hier werde deutlich, wie bedeutend das Engagement für den Wert und die Würde menschlichen Lebens sei.
Als Kirche sei man der Überzeugung, dass das Leben jedes Menschen ein Geschenk Gottes sei, das es von Anbeginn bis zu seinem Ende zu schützen gelte. „Es ist somit unsere Pflicht, unsere Position auch öffentlich zu vertreten: Jeder Mensch hat das Recht auf Leben. Seit bald 30 Jahren setzen wir uns daher beständig in der ‚Woche für das Leben‘ für den Schutz menschlichen Lebens in allen seinen Phasen ein.“
Zuvor hatten bereits eine Reihe von anderen Kirchenvertretern Grußworte übermittelt, darunter die badische Landesbischöfin Heike Springhart (Karlsruhe) und der Vorsitzende der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland, Metropolit Augoustinos (Bonn).

Kölner Stadtsuperintendent warnt vor „Klima der Angst“
Kritisch äußerte sich dagegen der evangelische Kölner Stadtsuperintendent Bernhard Seiger. Zwar trete die evangelische Kirche grundsätzlich für den Schutz des Lebens ein, das gelte auch für das ungeborene Leben, aber auch das Leben der Frau habe Würde. „Daher bezweifle ich, dass eine Demonstration wie die geplante die komplexe Situation erfasst. Ich fürchte, dass sie eher zu Vereinfachung und Polarisierung führt, was schon das Wort ‚Marsch‘ nahelegt“, erklärte Seiger auf der Internetseite des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region.
Er verweist darauf, dass evangelische Stellen Frauen im Schwangerschaftskonflikt ergebnisoffen beraten. Seiger: „Es ist wichtig, dass dieser Schutzraum erhalten bleibt und nicht durch eine Demonstration mit Polarisierungen und platte Sätze Druck und ein Klima der Angst aufgebaut wird.“
Gegner des „Marsches für das Leben“, darunter queer-feministische Bündnisse, haben zur Teilnahme an Gegendemonstrationen aufgerufen. Im Blick auf beide Seiten in Köln schreibt Seiger: „Ich fürchte, dass die geplante Demonstration und die Gegendemonstration ein Schwarz-Weiß-Bild zeichnen, das der eigentlichen Konfliktlage nicht entspricht.“

Kontroverse in der Kölner CDU
Auch in der Kölner CDU gibt es kontroverse Meinungen zum „Marsch für das Leben“. Der Vorsitzende Karl Alexander Mandl hatte sich unterstützend geäußert. Er betrachte die Ziele des Bundesverbandes Lebensrecht (BVL) als berechtigtes Anliegen und könne sich vorstellen, den „Marsch für das Leben“ zu begleiten, sagte er gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger.
Daraufhin forderten 41 örtliche CDU-Mitglieder – darunter mehrere Angehörige der Ratsfraktion – in einem Schreiben an Mandl, sich „klar“ von dem Marsch zu distanzieren. Dem BVL gehe es nicht um eine demokratische Auseinandersetzung. „Es geht fast schon um Radikalität nach dem Vorbild der amerikanischen Tea-Party“, heißt es in dem Protestbrief, der der Kölnischen Rundschau vorliegt. Auch ein Terminhinweis zu dem Marsch auf der Internetseite der örtlichen CDU solle entfernt werden.
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