Bericht
Kinderhilfswerk „Global Care“: 50 Jahre Nächstenliebe in Aktion
„Global Care“ mit Sitz im hessischen Fritzlar feiert 50-jähriges Bestehen. Auslöser für die Gründung des Kinderhilfswerks war die Sorge eines Mannes um sein indisches Patenkind. Heute betreut die Organisation selbst rund 3.500 Kinder durch Patenschaften und hat zahlreiche Hilfsprojekte durchgeführt. Klaus Rösler stellt das Werk vor.
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In Sorge um sein Patenkind, das er bei einer anderen Hilfsorganisation unterstützte, reiste Hans-Jürgen Pechmann (1936–2015) aus Bergen bei Celle 1975 nach Indien. Er wollte die Lebensumstände seines Patenkindes persönlich kennenlernen. Bei solchen über Hilfsorganisationen vermittelten Patenschaften finanzieren Spender Essen, medizinische Versorgung und Schulbildung für ein bestimmtes Kind in einer ärmeren Region. Der Krankenpfleger und Betreiber eines Alten- sowie Pflegeheims wurde fündig – in der Stadt Dehradun im Norden des Landes. Neben der Gewissheit, dass seine Hilfe eine positive Auswirkung hatte, nahm er den Eindruck der unbegreiflichen Not mit nach Hause.
Wieder in Deutschland angekommen, berichtete Pechmann Freunden aus seiner freikirchlichen Gemeinde das Erlebte. Mit einigen von ihnen gründete er 1976 das „Kinderhilfswerk Bergen“. Motivation war die christliche Nächstenliebe. Mit Ehrenamtlichen startete der überzeugte Christ selbst Kinderpatenschaften und Hilfsprojekte in Indien, Bangladesch und Brasilien. Als Pechmann 1983 nach Fritzlar zurückzog, zog das Hilfswerk mit – und nannte sich später Global Care. Heute zählt die Geschäftsstelle in Fritzlar 23 Mitarbeiter. In 24 Einsatzländern arbeitet das christliche Kinderhilfswerk mit lokalen Partnerorganisationen und Kirchengemeinden zusammen. 2024 finanzierte Global Care weltweit Hilfsprojekte mit rund 4,8 Millionen Euro.
Heute auch im Libanon tätig
Heute ist Beate Tohmé Geschäftsführerin des Werks. Bevor sie zu Global Care kam, lebte sie einige Jahre im Libanon und hat dort in einem Heim für Jungen mitgearbeitet. Die bis heute bestehenden Kontakte nutzt sie, um der dortigen Bevölkerung zu helfen. Aktuell ist die Not groß, wie sie erzählt: Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) sind mehr als 1,1 Millionen Menschen auf der Flucht vor den bis heute anhaltenden Luftangriffen aus Israel. Viele der Binnenflüchtlinge retten sich in die Hauptstadt Beirut und schlafen in Zelten oder unter freiem Himmel.
Global Care unterstützt Hilfsmaßnahmen der Partnerorganisation „Heart for Lebanon“ (Herz für den Libanon). Der Projektleiter Daoud Arnaout, ein ehemaliger Bibelschuldirektor, berichtet, dass weiterhin Lebensmittel, Hygieneartikel, Matratzen, Decken und Kissen benötigt werden: „Unser Ziel ist es, 2.000 Familien zu versorgen.“ Zusätzlich kümmert sich das Kinderhilfswerk auch um die „Greater Beirut Evangelical School“ (GBES) in Beirut. Sie wird von 350 Schülern verschiedener Religionen besucht – vom Kindergarten bis zum Abitur. Durch die seit fast sieben Jahren anhaltende extreme Inflation können sich viele Eltern das Schulgeld nicht mehr leisten und werden im Rahmen der Hilfe unterstützt.
Hilfe für Flüchtlinge aus dem Südsudan
In Uganda arbeitet das christliche Werk unter Flüchtlingen aus dem Südsudan. Laut UN sind 7,8 Millionen Menschen des Nachbarlandes akut von Hunger betroffen. Gründe dafür sind Dürren und Überschwemmungen. Der Krieg im Sudan und die daraus resultierenden Flüchtlingsströme haben die Lage im Südsudan zusätzlich verschlimmert. Über drei Millionen haben das Land verlassen, viele von ihnen in Richtung Uganda.
Allein im nordugandischen Camp Palorinya leben rund 140.000 Flüchtlinge. Unter ihnen ist die zwölfjährige Viola, wie es auf der Homepage des Werkes heißt. Auch wenn ihre Eltern Mais und Auberginen anbauen, reicht dies nicht zum Überleben. Darüber hinaus mangelt es auch an Hygieneartikeln, medizinischer Versorgung und Bildung. Das Kinderhilfswerk leistet hier Nothilfe. Viola möchte einmal Ärztin oder Krankenschwester werden, wie sie Mitarbeitern von Global Care berichtet hat. Dafür besucht sie eine der Schulen auf dem Camp-Gelände, an der 500 Kinder unterrichtet werden. Acht Kilometer lang ist ihr Schulweg – und gefährlich. Viele Schulkameraden von Viola fehlen deshalb im Unterricht.
Um dieses Problem zu lösen, plant Global Care daher den Bau eines Schlafsaals auf dem Schulgelände. 40 Prozent der Kosten übernimmt das Land Hessen. Auch wenn sich die Arbeit des Kinderhilfswerks Global Care in den vergangenen Jahrzehnten verändert und ausgeweitet hat, ist das dahinterstehende Motto „Nächstenliebe in Aktion“ bis heute unverändert, sagt Tohmé: „Aus christlicher Nächstenliebe helfen wir Kindern in Not – unabhängig von Geschlecht, Religion, Volksgruppe oder politischer Zugehörigkeit.“