Bericht

Ist die Bibel historisch glaubwürdig?

Für viele Menschen ist die Frage nach der historischen Zuverlässigkeit der Bibel eine Hürde auf dem Weg zum christlichen Glauben. Tatsächlich haben archäologische Entdeckungen immer wieder Zweifel an biblischen Berichten entkräftet – wie Daniel Facius anhand bemerkenswerter Beispiele zeigt.

Lesezeit: 5 min

Archäologische Funde haben immer wieder Zweifel an der historischen Zuverlässigkeit der Bibel entkräftet. Foto: Wikipedia.org
Archäologische Funde haben immer wieder Zweifel an der historischen Zuverlässigkeit der Bibel entkräftet. Foto: Wikipedia.org

Die unrühmliche Geschichte, in der König David seinen treuen Soldaten Uria dem Tod ausliefert, weil er eine Affäre mit dessen Frau Bathseba vertuschen will, gehört zu den schlimmsten Fehltritten, die uns das Alte Testament über einen sonst gottesfürchtigen Menschen berichtet.

Manche Historiker und kritische Theologen glaubten, uns mit der Tatsache beruhigen zu können, dass es Uria gar nicht gegeben habe. Denn Uria war ein Hetiter, wie es in 2. Samuel 11,6 heißt – ein indoeuropäisches Volk der späten Bronzezeit (ca. 1600 bis 1200 vor Christus). Es beherrschte von Zentralanatolien aus ein mächtiges Reich, das bis ins damalige Syrien und Kanaan reichte.

Das historische Problem um diese Hetiter formuliert „Wikipedia“ wie folgt: „Die Existenz der Hetiter war mit Ausnahme einiger verstreuter Bibelstellen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts unbekannt.“

Mit anderen Worten: Außerhalb der Bibel gab es keine Belege für die Existenz dieses Volkes, weil die Erinnerung daran schon in der klassischen Antike verloren gegangen war.

Die schlichte Abwesenheit außerbiblischer Zeugnisse führte aber dazu, dass viele Gelehrte des 19. Jahrhunderts die Hetiter für eine Legende hielten – bis man Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in Anatolien (auch Kleinasien, eine Region in der heutigen Türkei) die Überreste des hetitischen Reiches entdeckt hat, insbesondere rund um dessen Hauptstadt Hattusa. Heute gilt die Existenz der Hetiter als gesichert.

Im Zweifel nur eine Legende

Diese Entwicklung zeigt zwei Tatsachen auf, die symptomatisch sind für die historische Zuverlässigkeit der Bibel. Erstens: Sie wird grundsätzlich erst einmal bezweifelt, selbst wenn überhaupt keine gegenteiligen Informationen vorliegen. Die fehlende Bestätigung durch außerbiblische Quellen reicht vielen, um die biblischen Berichte als Legende abzutun.

Zweitens: Die Bibel hat bisher zahlreiche solcher kritischen Meinungen widerlegen können und dadurch ihre Verlässlichkeit demonstriert. Denn gerade weil die Existenz der Hetiter so früh vergessen war, ist bewiesen, dass die biblischen Texte zeitnah zu den Ereignissen und mit historischer Genauigkeit verfasst wurden.

Ein weiteres Beispiel für diesen Ablauf ist Sargon II., der in der Bibel nur ein einziges Mal erwähnt wird (Jesaja 20,1). Weil zeitgenössische Belege für seine Existenz fehlten, hielt man auch ihn für eine legendäre Figur. Bis 1843 der französische Konsul und Archäologe Paul-Émile Botta bei Ausgrabungen rund um Khorsabad im heutigen Irak Überreste einer riesigen assyrischen Stadt mit Palästen, Reliefs und Tausenden Inschriften mit Keilschrifttexten entdeckte.

Nach der Entzifferung der Texte wurde klar, dass es sich um die „Festung Sargons“ handelte (Dur Šarrukin), die von Sargon II. erbaute neue Hauptstadt. Die Reliefs schilderten seine Feldzüge, Bauprojekte und politischen Erfolge.

Die Existenz von Sargon II. war lange umstritten – bis sein Palast und zahlreiche Beweise wie das oben abgebildete Relief gefunden wurden. Foto: Wikipedia.org
Die Existenz von Sargon II. war lange umstritten – bis sein Palast und zahlreiche Beweise wie das oben abgebildete Relief gefunden wurden. Foto: Wikipedia.org

Wichtiger Fund bestätigt Bibel

Das schönste Beispiel dieser Art ist der aus dem alttestamentlichen Buch Daniel, Kapitel 5, bekannte Belsazar. Bis ins frühe 19. Jahrhundert galt er vielen Historikern als nichthistorische Figur, weil er in den damals bekannten antiken Quellen nicht auftauchte. Im 19. Jahrhundert wurden jedoch immer mehr Keilschrifttexte aus Babylonien entziffert, darunter Verwaltungsdokumente, Gebete und königliche Inschriften.

Besonders interessant war der Nabonid-Zylinder aus Ur, dessen Inschriften Belsazar ausdrücklich als Sohn des letzten bekannten neubabylonischen Königs Nabonid benennen. Die Texte zeigen außerdem, dass Nabonid sich über längere Zeit außerhalb Babyloniens aufhielt und während dieser Zeit seinem Sohn Belsazar erhebliche Regierungsbefugnisse übertrug.

Damit wurde nicht nur dessen Existenz bestätigt, sondern auch plausibel gemacht, wieso Belsazar Daniel als Belohnung anbietet, ihn zum „Dritten“ im Königreich zu machen (Daniel 5,7) – weil er selbst nur der Zweite war. Da das Wissen um Belsazars Existenz so schnell verloren ging, ist diese Passage im Buch Daniel ein starker Beleg für dessen frühe Abfassung.

Die Inschriften auf diesem Zylinder zeigen, dass Belsazar tatsächlich gelebt hat. Foto: Wikipedia.org
Die Inschriften auf diesem Zylinder zeigen, dass Belsazar tatsächlich gelebt hat. Foto: Wikipedia.org

Zahlreiche Belege gefunden

Es könnten nun zahlreiche vergleichbare Beispiele genannt werden, etwa der Hiskia-Tunnel, die Entdeckung der Teichanlage Bethesda, die Tel-Dan-Stele, die die Existenz einer davidischen Königsdynastie plausibel machte – oder die Genauigkeit der Amtsbezeichnungen im Lukasevangelium. Solche Beispiele demonstrieren gut, dass die Bibel sich an vielen Stellen als historisch verlässlich erwiesen hat.

Sie sollten Christen ermutigen, auch in den Fällen, in denen Historiker heute noch Zweifel äußern, auf die Angaben der Heiligen Schrift zu vertrauen. Das betrifft zum Beispiel den Auszug der Israeliten aus Ägypten, die Eroberung Kanaans oder das Großreich Salomos.

Die Historizität des Exodus etwa wird von vielen kritischen Forschern bezweifelt, weil es keine ägyptischen Dokumente gibt, die einen solchen Massenauszug erwähnen (Kommt uns dieses Argument bekannt vor?), und sich die Lagerplätze archäologisch oft nicht nachweisen lassen. Dazu gibt es Zweifel an den Zahlenangaben der Bibel, da eine Größenordnung von etwa 600.000 Männern genannt wird (2. Mose 12,37), was unrealistisch hoch scheint.

Gleichzeitig gibt es aber zahlreiche Belege dafür, dass Menschen aus Kanaan über Jahrhunderte in Ägypten lebten, etwa die semitischen Herrscher der Hyksos-Herrschaft (über die freilich vieles umstritten ist) und die Darstellung semitischer Arbeiter und Sklaven in ägyptischen Quellen.

Manche Forscher weisen darauf hin, dass der Exodusbericht Namen und geografische Details nennt, die einen historischen Kern plausibel machen. Und der Text der Merenptah-Stele, einer schwarzen Granitstele, die Ende des 19. Jahrhunderts in den Ruinen des Totentempels von Pharao Merenptah gefunden wurde, erwähnt die Existenz Israels in Kanaan etwa um 1208 vor Christus.

Teile der Tel-Dan-Stele: Sie macht die Existenz einer davidischen Königsdynastie plausibel. Foto: Wikipedia.org
Teile der Tel-Dan-Stele: Sie macht die Existenz einer davidischen Königsdynastie plausibel. Foto: Wikipedia.org

Biblische Angaben nicht vorschnell verwerfen

Das heißt nicht, dass damit alle Fragen beantwortet sind. Unsicherheiten bezüglich der ägyptischen Chronologie, verschiedene Deutungsmöglichkeiten archäologischer Funde und Schwierigkeiten bei der Übersetzung bleiben bestehen. (So ist zum Beispiel die traditionelle Übersetzung der Zahlenangaben nicht die einzige mögliche Lesart des hebräischen Textes.)

Der bisherige Befund aber sollte zur Zurückhaltung mahnen, biblische Angaben vorschnell zu verwerfen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass der nächste Wikipedia-Artikel zu diesem Thema wieder lautet: „Diese Tatsachen waren bis auf einige Bibelstellen bisher nicht bekannt.“

Daniel Facius (Bonn) ist Jurist, Theologe und Buchautor („Vernünftig glauben“, CV Dillenburg) sowie stellvertretender Vorsitzender des Bibelbundes. Foto: Privat
Daniel Facius (Bonn) ist Jurist, Theologe und Buchautor („Vernünftig glauben“, CV Dillenburg) sowie stellvertretender Vorsitzender des Bibelbundes. Foto: Privat

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