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Bericht

Gotteshaus an der Wiege Württembergs

14.04.2022

Die Stiftskirche Beutelsbach. Foto: Janine Kyofsky
Die Stiftskirche Beutelsbach. Foto: Janine Kyofsky

Sie ist nicht das größte Gotteshaus in Württemberg, aber in jedem Fall eines der bedeutendsten: die Stiftskirche in Beutelsbach, einem Stadtteil von Weinstadt. Vor 500 Jahren wurde die Kirche fertiggestellt. IDEA-Redakteur Daniel Scholaster hat sie besucht.

Sie ist nicht das größte Gotteshaus in Württemberg, aber in jedem Fall eines der bedeutendsten: die Stiftskirche in Beutelsbach, einem Stadtteil von Weinstadt. Vor 500 Jahren wurde die Kirche fertiggestellt. IDEA-Redakteur Daniel Scholaster hat sie besucht. Die Silhouette der gotischen Stiftskirche in Beutelsbach ist schon von weitem zu sehen und fügt sich harmonisch in die umgebenden Weinberge der Stadt ein. Sie waren es auch, die dem nahe gelegenen Weinstadt seinen Namen gaben, zu dem Beutelsbach heute gehört. Der Weinanbau verschaffte dem früheren Beutelsbacher Stift einen gewissen Wohlstand. Größere Bedeutung erlangte der Ort vor allem als Sitz des Hauses Württemberg, wie der Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Beutelsbach, Rainer Köpf, erläutert. „In Beutelsbach befand sich lange Zeit die Grabstätte der Grafen von Württemberg, die 1495 den Herzogs- und 1806 den Königstitel erhielten.“ Später flossen die Einnahmen durch den Weinanbau dann vor allem nach Stuttgart, wohin das Haus Württemberg im 14. Jahrhundert seinen Sitz verlegte. Beutelsbach verlor politisch an Bedeutung, erhielt jedoch auf Kosten des Herzogs von Württemberg im Jahr 1522 eine für die Größe des Ortes imposante Kirche samt einer dazugehörigen Wehrmauer – die sich freilich wegen der Erfindung des Schießpulvers als militärisch weitgehend nutzlos erweisen sollte. Noch heute zeugt das Wappen des Hauses Württemberg an der südlichen Wand der Stiftskirche von der engen Bindung an die Herrscherfamilie.

Viele Beutelsbacher haben für ihre Kirche gespendet

Aus Anlass des 500-jährigen Bestehens wurde die Kirche in den vergangenen Jahren umfassend saniert. Die Arbeiten konnten im vergangenen Jahr rechtzeitig zum Jubiläum abgeschlossen werden und kosteten insgesamt rund zwei Millionen Euro, von denen fast ein Drittel durch Spenden zusammenkam. Das zeigt, wie eng die Beutelsbacher noch heute ihrer Kirche verbunden sind.

Jetzt erstrahlt das Gotteshaus in neuem Glanz und ist außerdem auf dezente Art mit moderner Technik ausgestattet worden, wie Rainer Köpf mit dem Drücken einiger Knöpfe an einem Mischpult demonstriert: „Es ist uns nun möglich, in der Kirche verschiedene Lichtszenen mit unterschiedlicher Intensität und Bestrahlung einzusetzen. So können wir das Lichtspiel an den Anlass des Gottesdienstes anpassen.“

Das Innere der Stiftskirche. Foto: Janine Kyofsky

Eine lebendige Gemeinde

Die heute zur Stiftskirche gehörende Gemeinde ist äußerst lebendig. Zu ihr gehört der mit über 100 Mitgliedern größte Posaunenchor der Landeskirche. Außerdem bemüht sich Köpf – er sitzt für den theologisch konservativen Gesprächskreis „Lebendige Gemeinde“ in der württembergischen Landessynode – zusammen mit seinem Amtskollegen Timotheus Rölle erfolgreich darum, die Konfirmanden frühzeitig in das Gemeindeleben zu integrieren.

Die Gottesdienste in der Stiftskirche wurden vor Corona von rund 300 Personen besucht. Wegen der Pandemie ist die Zahl allerdings stark zurückgegangen. „Dafür erreichen wir mit unserem wöchentlichen Livestream Menschen, die wir vorher noch nie in der Kirche gesehen haben.“

Dennoch hofft Köpf auch mit Blick auf die Entwicklung der Gemeinde auf ein baldiges Ende der Corona-Krise. „Es gehört mehr zum Gottesdienst als nur das Anhören der Predigt. Die Gemeinschaft mit anderen Christen ist für das Glaubensleben unverzichtbar.“

Der Altar der Stiftskirche. Foto: Janine Kyofsky

Die Volkskirche ist hier noch intakt

Das Jubiläumsjahr der Stiftskirche kommt da gerade recht, um die Aktivitäten der Gemeinde wieder aufleben zu lassen.

Im Oktober ist beispielsweise ein großes Tauffest geplant, zu dem alle Eltern eingeladen werden, die zur Gemeinde gehören, aber ihr Kind – oft wegen Corona – noch nicht zur Taufe angemeldet haben. Und das sind in Beutelsbach nicht gerade wenige. In der Region kann man nämlich mit gutem Recht noch von „Volkskirche“ sprechen. Von 8.800 Bewohnern Beutelsbachs sind rund 3.300 Mitglied der Kirchengemeinde. Das liegt laut Köpf auch an der pietistischen Prägung der Region: „Das Remstal war schon immer ein Hort der Frommen in Württemberg.“ Das spüre man bis heute.

Und Köpf verteidigt als entschieden lutherischer Pfarrer das Prinzip der Volkskirche: „Unsere Größe als Volkskirche schützt uns davor, in die Sektiererei abzugleiten. Außerdem haben wir als Pfarrer der Landeskirche Kontakt zu allen Teilen der Gesellschaft.“ Deshalb steht Köpf zu seiner Kirche, auch wenn er nicht immer mit allen Entscheidungen der Landessynode – etwa in der Frage der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare – einverstanden ist.

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