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Leitender Geistlicher kritisiert Unterstützer von Olaf Latzel

20.05.2021

Olaf Latzel war am 25. November 2020 wegen Volksverhetzung verurteilt worden und hatte dagegen Rechtsmittel eingelegt. Foto: IDEA/David Wengenroth
Olaf Latzel war am 25. November 2020 wegen Volksverhetzung verurteilt worden und hatte dagegen Rechtsmittel eingelegt. Foto: IDEA/David Wengenroth

Bremen (IDEA) – Scharfe Kritik hat der leitende Geistliche der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK), Schriftführer Bernd Kuschnerus, an den Unterstützern des theologisch konservativen Bremer Pastors Olaf Latzel geübt.

Zum Hintergrund: Der BEK-Kirchenausschuss hatte den theologisch konservativen Geistlichen der St.-Martini-Gemeinde im Dezember 2020 vorläufig des Dienstes enthoben, weil das Amtsgericht Bremen ihn im November in erster Instanz wegen Volksverhetzung verurteilt hatte. Grund für die Verurteilung waren Aussagen in einem „Eheseminar“ seiner Gemeinde, das auf YouTube veröffentlicht wurde. Darin hatte Latzel unter anderem Homosexualität als eine „Degenerationsform der Gesellschaft“ bezeichnet. Später entschuldigte Latzel sich für seine Aussagen und löschte die Aufzeichnung im Internet. Die BEK hob die vorläufige Dienstenthebung von Latzel im April auf.

Gewaltandrohungen und Verfluchungen

Wie Kuschnerus in seinem Jahresbericht vor der digital tagenden Synode am 19. Mai erklärte, hat der BEK-Kirchenausschuss im Fall Latzel „viele Zuschriften, Mails und Anrufe in sehr unterschiedlicher, zum Teil beleidigender und abschätziger Tonalität“ erhalten: „Wir werden mit Hassrede in verschiedenen Abstufungen konfrontiert.“ Man habe eine dunkle Palette von typischen Gewaltbildern, Gerichtsmetaphern und Gewaltandrohungen, Verfluchungen, Dehumanisierungen (Gleichsetzung von Menschen mit dämonischen Gestalten) und sexistischen Beleidigungen erhalten.

Kuschnerus sagte, dass auch die Glaubens-, Gewissens- und Lehrfreiheit der Bremischen Evangelischen Kirche keinen „Freibrief“ für Hassäußerungen darstelle. Sie schädigten die Akzeptanz der Kirche und stellten ihre Botschaft in Frage.

Kritik auch am Gemeindevorstand

Kritik übte Kuschnerus auch am Kirchenvorstand der Bremer St.-Martini-Gemeinde. Er hatte sich im Zusammenhang mit der Dienstenthebung hinter Latzel gestellt. Dazu schrieb Kuschnerus in seinem Bericht: „Die Verknüpfung der Causa Latzel mit der Glaubens- Lehr- und Gewissensfreiheit der BEK-Verfassung, die der Gemeindevorstand vorgenommen hat, war und ist reine Polemik.“

Gewalt auch gegen St.-Martini

Zugleich räumt Kuschnerus ein, dass es auch Gewalt gegen die St.-Martini-Gemeinde und Latzel selbst gegeben habe. Der Kirchenausschuss habe auch diese Aktivitäten mehrfach verurteilt. Wiederholt war die St.-Martini-Kirche Ziel von Farbanschlägen und anderen Schmierereien geworden. Gottesdienste wurden gestört.

Corona – kein Gericht Gottes

In dem 52 Seiten umfassenden Jahresbericht zum Thema „Freiheit und Verantwortung“ erteilt Kuschnerus ferner Vorstellungen eine Absage, bei der Corona-Pandemie handele es sich um ein Gericht Gottes. Angesichts dieser Krise sei die Rede von einem richtenden, strafenden, zornigen, plagenden oder tötenden Gott unangemessen: „Wie immer Betroffene selbst mit ihrem Leid umgehen – deutet man ihnen ihre Erkrankungen, ihre Trauer um Verstorbene und ihre Einsamkeit im Pflegebett als ‚göttliche Strafaktion‘, drohen seelsorgliche Abgründe.“

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