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„Die Einstellung zum ungeborenen Leben hat sich stark verändert“

15.08.2023

In den Gesprächen mit Schwangeren bringen die fünf Beraterinnen ihre Gaben als Ärztinnen, Psychologinnen oder Pädagoginnen ein. Symbolfoto: unsplash.com
In den Gesprächen mit Schwangeren bringen die fünf Beraterinnen ihre Gaben als Ärztinnen, Psychologinnen oder Pädagoginnen ein. Symbolfoto: unsplash.com

Seit 1999 helfen die Mitarbeiter der christlichen Beratungsorganisation „Pro Femina“ Frauen im Schwangerschaftskonflikt. IDEA-Redakteur Daniel Scholaster hat ihr Beratungszentrum in Heidelberg besucht.

Dass es im Heidelberger Beratungszentrum, der Wiege von „Pro Femina“ und der gemeinnützigen GmbH „1000plus“, vor allem um Mütter und deren Kinder geht, fällt gleich ins Auge. Überall hängen Fotos von Neugeborenen, die dank der Hilfe der Beraterinnen auf der Welt sein dürfen. Man spürt ihnen ab, dass ihnen die betroffenen Mütter und deren Schicksal sehr am Herzen liegen.

Dabei bringen die fünf Beraterinnen ihre unterschiedlichen Gaben als Ärztinnen, Psychologinnen oder Pädagoginnen ein, um den Schwangeren zu einem Leben mit ungeplantem Kind zu verhelfen. Unterstützt werden sie von weiteren fünf hauptamtlichen Mitarbeitern an diesem Standort.

Und diese Arbeit rettet Leben, wie die „1000plus“-Mitarbeiterin Caroline Stollmeier berichtet. „Ungefähr zwei Drittel der Frauen, die sich wieder bei uns melden, haben sich für ihr Kind entschieden.“ Weil die Verhinderung von vorgeburtlichen Kindstötungen auch den Müttern hilft, nennt sich die Organisation „Pro Femina“ – „Für die Frau“. Das ist den Mitarbeitern auch wichtig. „Wir wünschen uns, dass Frauen und ihre Kinder vor einer Abtreibung bewahrt bleiben. Abtreibungen zerstören das Leben der Kinder, das ihrer Mütter und oft auch Familien.“ Das zeige sich auch daran, dass die meisten Beziehungen eine vorgeburtliche Kindstötung nicht überständen. „Es ist wichtig, auf diesen Umstand hinzuweisen.“

„Wir brauchen „‚Lifefluencer‘“

Um das Bewusstsein für das Lebensrecht der ungeborenen Kinder in Deutschland zu stärken und verzweifelten Schwangeren noch wirksamer helfen zu können, suchen „Pro Femina“ und „1000plus“ Menschen, die sich in ihrem Umfeld und den Sozialen Medien als „Lifefluencer“ (eine Wortneuschöpfung aus „Life“ –Leben und „Influencer“ – Beeinflusser) betätigen.

Ziel ist die Herstellung einer Kultur, die das Leben aller Menschen uneingeschränkt bejaht und schützt, so Stollmeier. „Wenn wir erst einmal ein paar tausend ‚Lifefluencer‘ sind, wird das unsere Gesellschaft verändern.“ Zugleich hoffen die Mitarbeiter auf eine neue gesetzliche Regelung, die sich strikt am Wohl und am Schutz von Schwangeren und ihren ungeborenen Kindern ausrichtet. „Der Staat kommt seiner Schutzpflicht aktuell ohnehin kaum nach. Mehr als 100.000 Abtreibungen allein nach offizieller Statistik zeigen das.“

Aktuell müsse man daher zuerst den Paragrafen 218 verteidigen – so unzureichend er auch sei. „Er bietet zumindest noch einen gewissen Schutz für die Frauen und ihre Kinder.“ Denn wer vom Umfeld zur Abtreibung gedrängt wird, könne schließlich auf die geltende Rechtslage verweisen, sobald die Zwölf-Wochen-Frist verstrichen sei, nach der eine vorgeburtliche Kindstötung nur in Ausnahmefällen straffrei ist.

„Die Beratungspflicht erinnert zudem daran, dass es bei einer Abtreibung nicht um einen normalen medizinischen Eingriff geht, sondern auch um eine ethische Frage mit weitreichenden Folgen.“ Das Lebensrecht des Kindes werde zumindest theoretisch noch berücksichtigt. „Auch wenn wir von vielen Frauen, die zuvor bei einer staatlich anerkannten Beratungsstelle waren, hören, dass man sich nur ganz wenig Zeit für sie genommen und ihnen ohne lange Aussprache den Beratungsschein ausgestellt hat.“ Hier bestehe zudem oft ein veritabler Interessenskonflikt: „Wenn eine Organisation Schwangere zum Leben hin beraten soll und gleichzeitig Geld mit Abtreibungen verdient, passt das für uns einfach nicht zusammen.“

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Der christliche Glaube prägt die Arbeit

Dabei hat sich die Einstellung zum ungeborenen Leben in den vergangenen 20 Jahren stark geändert, wie die Leiterin der Beratungsarbeit in Heidelberg, Cornelia Lassay, erzählt. „Heute fehlt oft das Bewusstsein, dass das ungeborene Kind ein Recht auf Leben hat. Das ist vermutlich eine Folge der gesellschaftlichen Entwicklung, bei der mehr und mehr die Abtreibung normalisiert wird. Dadurch wird zunehmend Druck auf Frauen ausgeübt, diesen Weg in Betracht zu ziehen. Trotz dieser gesellschaftlichen Veränderung erleben die meisten Frauen eine starke innere Zerrissenheit. Sie spüren deutlich, dass sie Leben unter ihrem Herzen tragen. Oft werden sie in dieser Krise allein gelassen und können sich erst ein Leben mit ihrem Kind vorstellen, wenn sie Rückhalt und konkrete Hilfe erfahren.“

Zudem nehme sie eine zunehmende Desorientierung vieler junger Frauen wahr, die sich bei „Pro Femina“ meldeten. Denn immer mehr wüchsen selbst in schwierigen familiären Verhältnissen auf und kennten daher keine intakten Familienstrukturen. Auch ein festes Wertefundament, das bei weitreichenden Entscheidungen helfen könne, fehle ihnen.

Christen helfen Menschen in Not

In dieser Situation sei „unser unerschütterliches Ja zum Leben“ ein Anker, an dem sich die Frauen festhalten könnten, „wenn sie das wollen“. Angesichts dieser klaren Haltung überrascht es nicht, dass sämtliche Mitarbeiter Christen aus unterschiedlichen Konfessionen sind. Auch wenn „Pro Femina“ und „1000plus“ grundsätzlich auch Nichtchristen einstellen würden, sei das bisher nicht geschehen. Lassay: „Es hat sich einfach gezeigt, dass Christen am ehesten unsere Werte teilen. Außerdem hilft es uns, auch mit schwierigen Situationen umzugehen, weil wir Trost in unserem Glauben an Jesus finden.“ Dazu dienen auch eine hauseigene Kapelle und regelmäßige Andachten der Mitarbeiter. Man merkt: Hier arbeiten Christen, die Menschen in Not helfen.

 

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