Gesellschaft

Christie‘s versteigert über 1.000 Jahre altes Evangeliar

Lesezeit: 2 min

Sammlung der vier Evangelien „eine der bedeutendsten Handschriften-Entdeckungen seit Jahrzehnten“ / Foto: Christie's
Sammlung der vier Evangelien „eine der bedeutendsten Handschriften-Entdeckungen seit Jahrzehnten“ / Foto: Christie's

Das britische Auktionshaus „Christie‘s“ (London) hat ein über 1.000 Jahre altes Evangeliar versteigert. Der Verkauf am 10. Dezember erbrachte umgerechnet knapp über eine Million Euro. Experten hatten den Wert der Ausgabe auf 800.000 bis 1,14 Millionen Euro beziffert.

Es handelt sich um eine Sammlung der vier Evangelien aus dem 10. Jahrhundert. Laut Christie‘s ist es „eine der bedeutendsten Handschriften-Entdeckungen seit Jahrzehnten“. Das Werk soll aus dem Frauenstift Essen stammen und dort auch hergestellt worden sein. Laut Christie‘s wurden in den vergangenen 100 Jahren weniger als zehn Evangeliare aus dieser Zeit zum Verkauf angeboten – und keines mit einer nachgewiesenen Verbindung zu einer Frauenschreibwerkstatt.

Auch die Pressesprecherin des Auktionshauses, Charlotte De La Tour, hob gegenüber der christlichen Nachrichtenplattform „Premier“ (London) die historische Bedeutung des Buches hervor: Es gebe „eine wachsende Zahl dokumentarischer Belege, die die herkömmliche Ansicht infrage stellen, dass Mönche und Männer die einzigen Akteure kultureller Aktivitäten im Mittelalter gewesen seien“. Diese Bibel sei Beweis dafür, dass auch Frauen in dieser Zeit in diesem Bereich tätig gewesen seien. Experten glauben, dass zwei Frauen an dem Manuskript arbeiteten und dessen Fertigstellung vermutlich Jahre dauerte. Aus dem etwa Mitte des 9. Jahrhunderts gegründeten Frauenstift Essen ging später die gleichnamige Stadt hervor. Zu dessen bedeutendsten Äbtissinnen gehörten die Enkelin von Kaiser Otto I. (912–973), Mathilde (949–1011), und die Enkelin von Kaiser Otto II. (955–983), Theophanu (um 997–1058). Nach der Auflösung der Abtei im Jahr 1803 gelangte das Evangeliar in die Sammlung des evangelischen Theologen August Friedrich Vilmar (1800–1868). Später kam es in das Theologische Seminar von Chicago.

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