Werben  |  Bestellen  |  Login  |  Kontakt  |  Impressum
20.01.2012

Holocaust: Als sich die Pforten der Hölle öffneten

Im Französischen Dom Berlin fand die christlich-jüdische Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der Wannsee-Konferenz statt. Foto: Wikipedia/Berthold Werner

Berlin (idea) – Juden und Christen aus Israel und Deutschland haben am 20. Januar in Berlin gemeinsam des 70. Jahrestages der Wannsee-Konferenz gedacht. 1942 hatten die nationalsozialistischen Machthaber am Wannsee die systematische Ermordung von rund elf Millionen Juden in Europa beschlossen.

An der Gedenkveranstaltung im Französischen Dom Berlin nahmen rund 400 Gäste teil. Eingeladen hatten die „Initiative 27. Januar“, ein überkonfessioneller Zusammenschluss von Bürgern und Organisationen, die sich für das christlich-jüdische und deutsch-israelische Verhältnis engagieren, sowie der christliche Dachverband „Gemeinsam für Berlin“. Schirmherr war der Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Wolfgang Thierse (SPD). Bundestagspräsidentin a. D. Rita Süssmuth (CDU) mahnte, das Gedenken an die „Wannsee-Konferenz“ nicht auf 70 Jahre zu begrenzen, sondern auch künftig an die Vernichtung der Juden zu erinnern. Die Politikerin dankte den Holocaust-Überlebenden, dass sie wieder auf die Deutschen zugegangen seien und sich für Versöhnung einsetzten. Nach den Worten des ehemaligen Bundestagsabgeordneten Prof. Gert Weisskirchen (SPD) haben sich mit der Herrschaft der Nationalsozialisten und der Vernichtung der Juden die Pforten der Hölle geöffnet. Es habe zu wenig Deutsche gegeben, die den Mut gehabt hätten, diese Pforten zu versperren. Es brauche Wissen, Empfinden und Handeln, damit sie künftig verschlossen blieben.

Dank an evangelikale Christen

Die Vorsitzende der israelischen Parlamentariergruppe für die Beziehung zu evangelischen Christen, Lea Shemtov (Jerusalem), erinnerte daran, dass viele Holocaust-Überlebende heute unterhalb der Armutsgruppe lebten. Es seien vor allem evangelikale Organisationen, die die Betroffenen unterstützten. Die Zusammenarbeit mit evangelikalen Freunden sei in höchstem Maße wichtig. Auch die Vorsitzende des Verbandes der KZ- und Gettoüberlebenden, Gita Koifman (Haifa), dankte den Organisatoren für ihre Unterstützung. Die christliche Hilfe aus Deutschland sei für die Überlebenden des Holocaust eine große Stärkung. Die stellvertretende israelische Senioren-Ministerin, Lea Nass (Jerusalem), schrieb in einem Grußwort, man dürfe die sechs Millionen ermordeten Juden nicht vergessen und nicht zulassen, dass der Massenmord an ihnen geleugnet werde oder aus dem menschlichen Bewusstsein verschwinde. Der Gesandte der Botschaft des Staates Israel, Emmanuel Nahshon (Berlin), erklärte, man spreche heute nicht mehr von deutscher Schuld, sondern von Verantwortung. Auf der Schulter jedes Deutschen ruhe große historische Verantwortung.

Iran ist derzeit die größte Bedrohung Israels

Der niederländische Europaabgeordnete und Vorsitzende der EU-Israel-Parlamentariergruppe, Bastiaan Belder (Reformierte Politische Partei), nannte den Iran die derzeit größte Bedrohung Israels. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad leugne den Holocaust und drohe Israel mit der Auslöschung. Europa müsse sich für die Sicherheit der jüdischen Mitbürger und des Landes Israels einsetzen. Nötig seien Wachsamkeit und Freundschaft zu Israel. Der Bestand des Staates Israel sei ein Wunder Gottes.

Christen suchen Versöhnung mit Juden

Der Geschäftsführer von „Gemeinsam für Berlin“, Pfarrer Axel Nehlsen, sagte, Berlin sei die Schaltzentrale zur Judenvernichtung gewesen. Man wolle sich der Geschichte und der Schuld der Stadt Berlin stellen und Wege der Versöhnung suchen. Nehlsen: „Wir dürfen nicht vergessen und wir wollen nicht vergessen.“ Der erste Vorsitzende der „Initiative 27. Januar“, Harald Eckert (Hebertshausen bei München), warnte vor der Gefahr, den Holocaust zu vergessen oder umzudeuten. So glaubten einer Studie zufolge 54 Prozent der Deutschen, dass die Verbrechen, die die Nazis den Juden angetan hätten, heute die Juden an den Palästinensern verübten. Dies zeige eine extrem verzerrte Wahrnehmung der damaligen wie der heutigen Ereignisse.

Wenn Sie diesen Beitrag im Forum kommentieren möchten, dann schicken Sie eine E-Mail mit der Überschrift an: bernhard.limberg@idea.de.

 
© 2011 idea e.V. - Evangelische Nachrichtenagentur