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Frei-/Kirchen

Virologe: Maximal das „Amen“ im Gottesdienst sprechen

11.12.2020

Kekulé zufolge sollte es Vorgaben und Empfehlungen für die Kirchen seitens des Robert-Koch-Instituts oder des Gesundheitsministeriums geben. Foto: pixabay.com
Kekulé zufolge sollte es Vorgaben und Empfehlungen für die Kirchen seitens des Robert-Koch-Instituts oder des Gesundheitsministeriums geben. Foto: pixabay.com

München/Hamburg (idea) – Der Virologe Alexander Kekulé (Halle/Saale) hält Weihnachtsgottesdienste nur mit Einschränkungen für vertretbar. Dies sei dann der Fall, wenn nicht gesungen werde, jeder eine Maske trage und maximal eine Person pro fünf Quadratmeter im Raum ist. „Sonst haben wir zu viele Aerosole“, sagte er dem Nachrichtenmagazin „Focus“ (München). Nach seiner Ansicht müssen auch das gemeinsame Glaubensbekenntnis und das Vaterunser still erfolgen. „Maximal das ‚Amen‘ zum Ende ist in Ordnung.“ Kekulé zufolge sollte es Vorgaben und Empfehlungen für die Kirchen seitens des Robert-Koch-Instituts oder des Gesundheitsministeriums geben.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schlägt vor, dass die Kirchengemeinden für jeden Besucher eine FFP2-Maske vorhalten sollten. „Das könnte man mit einer Kollekte verbinden, über die die Masken finanziert werden“, sagte er dem „Focus“. Lauterbach plädiert zugleich dafür, dass möglichst viele Menschen an Weihnachten nicht zum Gottesdienst gehen: „Die Kirchen sollten so viel streamen wie möglich. Je mehr Gottesdienste online übertragen werden, desto besser.“ Lauterbach ist konfessionslos.

Rüß widerspricht: Die Gemeinde nicht „mundtot“ machen

Kritik an den Äußerungen übte der Vorsitzende der Konferenz Bekennender Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen Deutschlands, Pastor Ulrich Rüß (Hamburg). Wenn es nach Kekulé und Lauterbach ginge, sollte „die Gemeinde am besten den Mund halten, noch besser, zu Hause bleiben“. Deren Forderungen ließen sich „nur schwerlich vereinbaren mit dem Grundrecht auf freie Religionsausübung, geschweige denn mit dem christlichen Gottesdienstverständnis“, sagte der lutherische Theologe der Evangelischen Nachrichtenagentur idea.

Ohne Frage sei es geboten und richtig, dass bei den Gottesdiensten Abstands- und Hygieneregeln beachtet und Masken getragen werden. „Rücksicht, Solidarität und Verantwortung sind zu beachten“, so Rüß. Ein undifferenziertes, generelles Sing- und Sprechverbot auch mit Maske dürfe jedoch getrost hinterfragt werden: „Dann müssten auch in Abstand stehende Solisten und Liturgen schweigen.“

Gottesdienste „freudig mit gesprochenem Credo und Vaterunser“ feiern

Zum Wesen des Gottesdienstes gehört laut Rüß das Hören auf die Heilige Schrift und die Verkündigung des Wortes Gottes, die gesungene oder gesprochene Liturgie. Die Gemeinde dürfe „nicht auf ein Ja und Amen reduziert“ und „mundtot“ gemacht werden: „So weit darf es nicht kommen.“ Wer das rate oder fordere, „spricht sich letztlich gegen das Wesen und die Bedeutung des Gottesdienstes, ja den Gottesdienst selbst aus“. Rüß ruft dazu auf, unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln und „mit viel Rücksicht freudig unsere Weihnachtsgottesdienste zu feiern, selbstverständlich mit gesprochenem Credo und Vaterunser“.

Bedford-Strohm: Bei Risiko für das Leben besser keine Gottesdienste

Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), mahnte gegenüber dem ARD-Magazin „Kontraste“ dagegen zur Vorsicht: „Wenn ein Risiko besteht, dass aus gottesdienstlichen Versammlungen Leben gefährdet wird, dann bin ich der Allererste, der sagt, lasst es uns nicht machen.“ Für Familientreffen und für Weihnachtsgottesdienste müssten dann zur Not andere, digitale Lösungen gefunden werden. Im Zweifel müsste die Politik harte Maßnahmen durchsetzen, so der Ratsvorsitzende.

Wichtig sei, dass nicht für alle gesellschaftlichen Schichten absolute Kontaktverbote verhängt werden dürften. Als Beispiel nannte er die Seelsorge für Sterbenskranke. Überall da, wo Menschen beim Sterben niemanden hätten, „der bei ihnen ist, da müssen die Regeln flexibel sein“.

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