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St.-Martini-Gemeinde Bremen: Gottesdienste fast immer ausgebucht

04.03.2021

Nach der Verurteilung Olaf Latzels darf er derzeit nicht predigen. Foto: idea/David Wengenroth
Nach der Verurteilung Olaf Latzels darf er derzeit nicht predigen. Foto: idea/David Wengenroth

Bremen (IDEA) – Auch nach der Dienstenthebung ihres theologisch konservativen Pastors Olaf Latzel sind die Präsenzgottesdienste der evangelischen Bremer St.-Martini-Gemeinde gut besucht. Das bestätigte das für die Organisation der Kirchendienste zuständige Kirchenvorstandsmitglied Jürgen Fischer gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA. Aufgrund der Corona-Auflagen dürften am Sonntag nicht mehr als 100 Besucher vor Ort sein. „Wir sind fast immer ausgebucht“, so Fischer.

Die Resonanz auf die Online-Gottesdienste der Gemeinde sei sogar noch gewachsen. Hatte Latzel vor der Dienstenthebung durch den Kirchenausschuss (Kirchenleitung) der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) am 10. Dezember 2020 rund 23.000 Abonnenten für seinen Gottesdienstkanal auf YouTube, so sind es jetzt über 30.000 – mit steigender Tendenz.

Ein „Eheseminar“ mit Folgen

Zum Hintergrund: Der Kirchenausschuss hatte Latzel vorläufig seines Dienstes enthoben, weil er vom Amtsgericht Bremen verurteilt worden war. Es hatte am 25. November 2020 gegen den Theologen eine Geldstrafe von 8.100 Euro wegen Volksverhetzung verhängt. Er hatte in einem „Eheseminar“ seiner Gemeinde, das auf YouTube veröffentlicht wurde, unter anderem Homosexualität als eine „Degenerationsform der Gesellschaft“ bezeichnet und gesagt: „Überall laufen diese Verbrecher rum vom Christopher Street Day.“ Später hatte Latzel sich dafür entschuldigt und die Aufzeichnung im Internet gelöscht.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, da er und sein Anwalt Sascha Böttner (Hamburg) dagegen in Berufung gegangen sind. Der Pastor und die Gemeinde haben auch Rechtsmittel gegen seine vorläufige Dienstenthebung eingelegt.

Wie Fischer ferner ausführte, ist Latzel fast jeden Sonntag unter den Gottesdienstbesuchern. Er rechne fest damit, dass Latzel als leidenschaftlicher Prediger schon bald wieder auf die Kanzel dürfe. Doch weder beim Kirchenausschuss noch beim Landgericht seien bisher entsprechende Termine anberaumt worden.

Wer auf der Kanzel steht

Die Predigtdienste übernähmen meist vier Mitgliedern der Gemeinde. Dies seien Pastor i. R. Bernd Bierbaum, der Jugendreferent der Gemeinde, Paul Koch, sowie die zwei Prädikanten, der frühere Mitarbeiter des Missionswerks EMO (Evangeliumsgemeinschaft Mittlerer Osten), Eckhard Piegsa, und der ehemalige Bibelschullehrer Herbert Katzner. Wie Fischer ferner ausführte, hat die BEK der St.-Martini-Gemeinde zwar angeboten, mit Pastoren auszuhelfen, doch dieses Angebot habe man dankend abgelehnt: „Wir haben genügend qualifizierte Verkündiger in den eigenen Reihen.“

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