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Sächsische Pietisten: Wo wir Diener widersprechen

07.02.2016

Der Landesverband Landeskirchlicher Gemeinschaften in Sachsen äußert sich zur Kontroverse um Michael Diener. Screenshot: www.lgksachsen.de
Der Landesverband Landeskirchlicher Gemeinschaften in Sachsen äußert sich zur Kontroverse um Michael Diener. Screenshot: www.lgksachsen.de

Chemnitz (idea) – In der Debatte um den Kurs des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes beim Bibelverständnis und in ethischen Fragen hat sich nun der Landesverband Landeskirchlicher Gemeinschaften in Sachsen zu Wort gemeldet. Auslöser für die aktuelle Diskussion waren Äußerungen des Gnadauer Präses, Pfarrer Michael Diener (Kassel), gewesen. Er hatte in Interviews gefordert, die Evangelikalen sollten neu über Mission und Politik denken. Im Blick auf das Thema Homosexualität hatte er geäußert, er wünsche sich, dass auch Christen, die ihre Homosexualität praktizieren, Mitarbeiter in evangelikalen Gemeinden sein können. Wie der Vorstand des Sächsischen Gemeinschaftsverbandes schreibt, führten manche dieser Äußerungen „zu Fragen, stießen auf Unverständnis oder forderten Konsequenzen für unseren Landesverband“. Mitglieder hätten nach dem Kurs des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes gefragt, nachdem der Vorstand – dem derzeit kein Mitglied aus den östlichen Bundesländern angehört – Diener das volle Vertrauen ausgesprochen habe. Man habe sich deshalb am 14. Januar zu einem klärenden Gespräch mit Diener getroffen. Übereinstimmung bestehe darin, dass die Bibel Gottes lebendiges Wort sei, die persönliche Erkenntnis dieses Wortes ihre Korrektur aber durch die Gemeinschaft der Glaubenden finde. Einig sei man sich, dass der Missionsbefehl Jesu auch Juden und Muslimen gilt. Unstrittig sei ferner, dass es nicht zulässig sei, „dass gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften in unseren Gemeinden und Werken gesegnet werden“.

Die Mitarbeit des EKD-Ratsvorsitzenden im Islam-Zentrum ist falsch

Widerspruch riefen hingegen Dieners Äußerungen hervor, er wünsche sich Homosexuelle als Mitarbeiter in Gemeinden: „Wir stimmen mit Dr. Michael Diener darin nicht überein, dass in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft Lebende gemeindliche Leitungs- und Verkündigungsaufgaben wahrnehmen können und schließen dies in der uns übertragenen Leitungsverantwortung für den Bereich des Sächsischen Gemeinschaftsverbandes aus.“ Denn nach dem biblischen Zeugnis sei gelebte Homosexualität als gemeinsam praktizierte Lebensform nicht mit dem Willen Gottes in Einklang zu bringen. Kritik übt der Vorstand auch an der Mitarbeit des EKD-Ratsvorsitzenden, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), im Kuratorium des Münchner Forums für Islam: „Die Bibel ist für uns die alles entscheidende maßgebliche Autorität für unseren Glauben, unser Leben und unser Lehren und damit auch für den Umgang mit anderen Religionen. Die Mitarbeit eines führenden Repräsentanten der evangelischen Kirche in einem islamischen Kuratorium können wir nicht als einen geeigneten Weg ansehen, der der Verbreitung des Evangeliums dient.“ Vielmehr lobt der Vorstand Äußerungen des Landesbischofs der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Carsten Rentzing (Dresden). Er hatte auf der Herbstsynode erklärt, interreligiöse Gebete, „die die Grenzen zwischen den Religionen verwischen, indem sie ein miteinander Beten vorgeben, und gemeinsame Gottesdienste, die den Eindruck einer Einheit vortäuschen, die in Wahrheit nicht besteht“, seien unredlich und würden auch von den meisten Gläubigen aller Religionen abgelehnt.

Diener: Hätte mich zurückhaltender äußern sollen

Nachdem Dieners Äußerungen heftigen Widerspruch ausgelöst und die evangelikale Bewegung an den Rand einer Spaltung gebracht hatten, war er Ende Januar zurückgerudert. Er bedauerte in einer persönlichen Erklärung, dass seine Äußerungen zum Bibelverständnis und zu ethischen Fragen „in der pietistisch-evangelikalen Welt tiefgehende Verwerfungen und Irritationen“ ausgelöst hätten. Ihm sei in den vergangenen Wochen bewusstgeworden, dass er sich als ehrenamtlicher Vorsitzender des größten evangelikalen Dachverbandes, der Deutschen Evangelischen Allianz, zurückhaltender und vermittelnder zu strittigen Fragen innerhalb der pietistisch-evangelikalen Bewegung äußern müsse, um viele Menschen nicht zu enttäuschen, zu verunsichern oder zu verärgern: „Dieses Versäumnis tut mir aufrichtig leid und fordert mich zu großer Behutsamkeit und weitgehend abgestimmten Inhalten auf.“ Diener nahm den theologischen Inhalt seiner Aussagen nicht zurück, bat aber darum, die notwendigen Diskussionen weniger personalisiert, sondern sachorientiert zu führen: „Ich will gerne dazu beitragen, dass wir aufgrund weitestreichender Übereinstimmungen in Fundament und Praxis unseres christlichen Glaubens auch dann beieinanderbleiben, wenn wir in einzelnen Sachfragen zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.“

Netzwerk Bibel und Bekenntnis will Gemeinden unterstützen

Dieners Aussagen hatten eine heftige Debatte entfacht. Der langjährige proChrist-Hauptredner, Pfarrer Ulrich Parzany (Kassel), hatte ihm in einem Offenen Brief widersprochen und mehr als 60 Repräsentanten aus Landes-und Freikirchen zu einem Treffen nach Kassel eingeladen. Dort wurde am 23. Januar ein Netzwerk Bibel und Bekenntnis gegründet, das alle Christen in Landes- und Freikirchen unterstützen will, die sich an der Bibel als Gottes Wort orientieren. Zum Sprecher des Netzwerkes wurde Parzany bestimmt. Ihm zur Seite steht eine neunköpfige Fortsetzungsgruppe, der evangelikale Repräsentanten angehören, wie der Rektor des Albrecht-Bengel-Hauses, Rolf Sons (Tübingen), der ehemalige Allianzvorsitzende und jetzige Professor an der Freien Theologischen Hochschule Gießen, Rolf Hille (Heilbronn), der Vorsitzende der Konferenz Bekennender Gemeinschaften, Pfarrer Ulrich Rüß (Hamburg), der Vorsitzende des Westfälischen Gemeinschaftsverbandes, Pfarrer Dirk Scheuermann (Velbert), der mecklenburgische Pastor Johannes Holmer (Bülow) und Schwester Heidi Butzkamm vom Diakonissenmutterhaus Aidlingen.Die Erklärung des Sächsischen Gemeinschaftsverbandes lesen Sie hier.

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