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Parzany im idea-Podcast: Von Evangelisation bis Rassismus

18.11.2020

Pfarrer und Evangelist Ulrich Parzany. Foto: Creedoo/ Daniel Höly
Pfarrer und Evangelist Ulrich Parzany. Foto: Creedoo/ Daniel Höly

Wetzlar (idea) – Ist die Zeit der Evangelisationen vorbei? Hat Deutschland ein Rassismus-Problem? Zu Fragen wie diesen hat sich Pfarrer Ulrich Parzany (Kassel) im Interview-Podcast „ideaListen“ der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) geäußert. Der 79-Jährige ist einer der bekanntesten deutschen Evangelisten. Er hat bis 2013 als Leiter und Hauptredner der per Satellit in ganz Europa übertragenen proChrist-Evangelisationen ein Millionenpublikum erreicht.

Weshalb wir von Jesus reden

Wie Parzany in dem Podcast sagt, gehören Evangelisation und diakonische Arbeit zusammen. Er habe bereits früh kritisiert, wenn in den Landeskirchen argumentiert wurde, dass soziale Arbeit an sich schon Evangelisation sei. Diakonische Arbeit sei jedoch eine Tat der Liebe – so wie Jesus aus Liebe Menschen geheilt habe: „Aber gerettet wird ein Mensch nicht durch soziale Dienste, sondern ausschließlich, wenn er den Herrn Jesus kennenlernt. Und deshalb reden wir von Jesus und sagen, wer er ist – damit Menschen sich zu ihm bekehren.“ Leider, so Parzany, spiele Evangelisation heute in den Kirchen eine so geringe Rolle wie nie zuvor. Die Landeskirchen hätten Stellen für Evangelisten abgeschafft und durch Gemeindeberater und „andere gut gemeinte Dinge ersetzt“: „Sie wollen nicht, dass gepredigt wird, dass ein Mensch ohne Jesus in Ewigkeit verloren ist.“

Es gibt in Deutschland viele Evangelisten mit Spitzenbegabungen

Er freue sich, dass es auch heute in Deutschland viele Evangelisten gebe, die leidenschaftlich predigten, etwa Kai Günther, Julia Garschagen, Matthias Clausen oder Yassir Eric. Es seien Menschen mit Spitzenbegabungen. Der im Sudan in einer islamistisch geprägten Familie geborene Eric etwa bringe Erfahrungen mit, wie er selbst sie nie gehabt habe, betonte Parzany. Insgesamt gebe es mehr Evangelisten als Gemeinden, die bereit seien, sie anzustellen.

„Wir sind ein Land voller Rassismus“

Ferner berichtete Parzany, dass er und seine Ehefrau Regine erst eine Tochter bekommen und dann in den Jahren 1971 und 1972 zwei schwarze Jungen adoptiert hätten. Durch sie habe er gelernt: „Wir sind ein Land voller Rassismus.“ Die beiden hätten ganz unangenehme Dinge erleiden müssen. Er selbst habe deswegen weinen müssen, „weil ich sie nicht schützen konnte“. Bis heute hätten er und seine Ehefrau, wenn sie von rechter Gewalt lesen, Angst um ihre Kinder. In christlichen Gemeinden sei die Situation anders. Dort habe er es immer nur so erlebt, dass Menschen mit anderer Hautfarbe offen aufgenommen würden: „Keinen Unterschied zu machen wegen der Hautfarbe, das ist die DNA von uns Christen.“

Bis zu seiner Pensionierung Ende September 2005 war Parzany 21 Jahre lang Generalsekretär des CVJM-Gesamtverbands. Außerdem hatte er führende Ämter in der evangelikalen Bewegung inne. So war er etwa Vorsitzender der „Koalition für Evangelisation in Deutschland“ (früher: „Lausanner Komitee für Weltevangelisation“). Parzany fand 1955 durch die Arbeit des Essener Jugendzentrums „Weigle-Haus“ zum christlichen Glauben. 2016 gründete er das Netzwerk Bibel und Bekenntnis.

Worum es sonst noch in der Folge geht

In diesem ersten Teil des Gesprächs berichtet Parzany ferner, wie er seine Berufung gefunden hat, warum er persönliche Probleme auf der Kanzel zumeist nicht anspricht, warum „Betroffenheitslyrik“ in Predigten auch eine perfide Strategie sein kann, warum er bei Evangelisationen den „Aufruf zum Kreuz“ genutzt hat und wie es gelingen kann, junge Männer mit dem Evangelium zu erreichen. Der zweite Teil des Gesprächs mit Parzany wird am 25. November veröffentlicht. Der idea-Podcast ist zu finden unter idealisten.net sowie den gängigen Podcast-Apps (z. B. Spotify, Google Podcasts und Apple Podcasts). In dem Format erzählen christliche Persönlichkeiten aus Kirche, Kunst und Kultur, wie sie ihren Glauben leben und was sie antreibt.